Rund 100 Arbeitsplätze sollen entstehen

Tanks für neue Ariane werden in Bremen gebaut

Bremen. Der Raumfahrtstandort Bremen wächst: Für die Errichtung neuer Produktionsanlagen für die Ariane-5-Rakete haben die EADS-Tochter Astrium sowie weitere Raumfahrtunternehmen zwei Grundstücke von der Stadt erworben.
19.12.2011, 16:33
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Von Krischan Förster

Bremen. Die europäische Ariane-Rakete soll in sechs Jahren mit einer neuen, wiederzündbaren Oberstufe ins All starten. Erstmals werden dann auch die Tanks aus Bremen kommen. Die beiden Raumfahrtunternehmen Astrium und OHB haben am Montag der Stadt Bremen eine 20.000 Quadratmeter große Fläche in der Airport-Stadt abgekauft, um dort künftig als Nachbarn zwei neue Produktionshallen für den Bau und die Montage der Spezialtanks zu errichten.

Bis zu 100 neue Arbeitsplätze könnten in Fertigung und Entwicklung entstehen. Exakte Baupläne dürften beide Unternehmen aber erst entwickeln, wenn der Ministerrat der europäischen Raumfahrtnationen im Herbst 2012 das neue Raketenprogramm tatsächlich beschlossen hat.

Treibstofftanks werden auf dem Bremer Astrium-Gelände neben dem Flughafen schon seit knapp 30 Jahren gebaut, mehr als 500 insgesamt. Bislang waren sie allerdings ausschließlich für Satelliten gedacht, die in Süddeutschland oder in Frankreich zusammengesetzt werden. Wegen der steigenden Nachfrage hat das Unternehmen seine Produktionsstätte für drei Millionen Euro ausgebaut und erweitert eine bestehende Halle um 800 auf 3400 Quadratmeter. Außerdem ist die Mitarbeiterzahl von 36 auf 50 angestiegen.

Tanks für die Ariane 5 stammten bislang dagegen von der OHB-Tochter MT Aerospace aus Augsburg sowie von Cryospace, einem französischen Gemeinschaftsunternehmen von Astrium mit Air Liquide. Derzeit wird aber im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur ESA von Astrium eine neue Generation des europäischen Trägers entwickelt, der bereits mehr als 200 Mal erfolgreich von Kourou in Französisch-Guayana abgehoben ist – die Ariane<ET>5 ME (Midlife Evolution) mit einer neuen Oberstufe. Sie könnte mit zwölf statt zehn Tonnen nicht nur eine größere Nutzlast ins All transportieren, sondern dank ihres wiederzündbaren Antriebs mehrere Satelliten auf unterschiedlichen Erd-Umlaufbahnen aussetzen oder Sonden zu anderen Planeten bringen. Damit wollen die Europäer der zunehmenden Konkurrenz aus China, Indien, Russland und künftig auch wieder aus den USA begegnen. Ein lohnender Markt: Jährlich sind Satellitenstarts im Wert von rund zwei Milliarden Dollar zu vergeben.

Für das flüssige Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch müssen neue Tanks entworfen werden, deren Fertigung künftig nach Bremen verlagert werden soll. MT-Aerospace soll die eigentlichen Metalltanks bauen. Schon heute kommen von dem Augsburger Unternehmen als größtem Ariane-Zulieferer außerhalb Frankreichs Boostergehäuse sowie Tanks für die Zentral- und Oberstufe der aktuellen Ariane 5. Astrium selbst soll die neue ME-Oberstufe mit den Tanks verbinden, bevor das gesamte Konstrukt ausgeliefert wird.

Über das Programm muss der ESA-Ministerrat noch entscheiden, Experten rechnen aber fest mit einem positiven Votum im Herbst kommenden Jahres. Der Erstflug der neuen ME-Rakete könnte 2017 erfolgen. Momentan arbeitet Astrium noch einen Auftrag über insgesamt 35 Ariane-5-Träger im Wert von 3,5 Milliarden Euro ab.

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