Made in Bremen Tee und Brötchen für zwischendurch

Um vernünftig Tee aufzubrühen, braucht das Wasser mindestens eine Temperatur von 95 Grad. Wenn das nicht geht, etwa an Bord einer Passagiermaschine, wären die Teesticks der Fresh Food Company eine Alternative.
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Tee und Brötchen für zwischendurch
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Auf dem Markt sind die Teesticks des Bremer Unternehmens Fresh Food Company zwar noch nicht, trotzdem ist das Produkt bereits prämiert. Auf der weltgrößten Lebensmittelmesse in Dubai, der Gulfood, wurde der Quick Tea im Februar mit dem Innovation Award als bestes Heißgetränk ausgezeichnet. Die Trophäe ziert nun gemeinsam mit der Urkunde das Büro von Geschäftsführer Volker Höpfner.

Als Aussteller auf der Messe konnte sich das Unternehmen im Vorfeld für die Auszeichnung bewerben. Eine Fachjury kürte aus allen Einsendungen den Gewinner. „Im Gegensatz zu unseren Konkurrenten haben wir unser Produkt noch nicht auf dem Markt. Deshalb war es ein unglaublicher Überraschungseffekt für uns, dass wir trotzdem gewonnen haben“, sagt Höpfner. Die Idee sei angekommen, obwohl es sich bei der Packung nur um einen Entwurf gehandelt habe.

In seinem früheren Job war Höpfner viel mit dem Flugzeug unterwegs. Dabei machte er immer wieder dieselbe Beobachtung, die letztlich Auslöser für den Teestick war. „Sie bekommen drei Weißweine, drei Rotweine und jede Menge andere Getränke an Bord. Nur echten Tee gibt es dort nicht. In einem Flugzeug kocht Wasser bei 88 Grad Celsius. Aber Tee braucht mehr als 95 Grad Celsius. Das heißt, man bekommt ein teeähnliches Getränk“, sagt Höpfner.

Auf der Lebensmittelmesse Sial in Paris kam Höpfner schließlich mit einem Aussteller ins Gespräch, der Kräuter extrahiert in einem Beutel angeboten hat. Dabei fiel ihm seine Beobachtung aus dem Flugzeug wieder ein. Also fragte er, ob so etwas auch mit Tee möglich sei. Der Hersteller machte sich schlau und stellte fest, das Verfahren funktioniert auch mit Tee. So ist die Idee für den Teestick entstanden.

Inzwischen hat die Fresh Food Company sechs verschiedene Sorten entwickelt, darunter Schwarzer Tee mit Zitrone, Grüner- oder Pfefferminztee. Das Extrakt wird aus dem Beutel in eine Tasse gedrückt und mit Wasser aufgegossen. Ohne dass das Getränk ziehen müsse sei der Tee sofort trinkfertig.

Trotz der Auszeichnung war der Messeauftritt in Dubai für das Unternehmen nicht sonderlich erfolgreich. „Wir haben sehr gute Gespräche gehabt und viele Kontakte geknüpft. Aufträge haben wir aber bisher nicht bekommen. Das war doch enttäuschend“, sagt Höpfner. Aber man wolle in Dubai am Ball bleiben. Doch dafür brauche man zusätzliches Kapital.

Wichtig für das Unternehmen ist auch der heimische Markt, auf dem Höpfner ebenfalls versucht, das Produkt zu positionieren. Erste Gespräche mit möglichen Abnehmern hat es bereits gegeben. „Ich bin beispielsweise mit dem VW-Werk in Emden in Verhandlung. Kontakt habe ich aber auch mit Mercedes oder Le Buffet von Karstadt“, sagt der 56-Jährige. Im Frühjahr 2019 könnten dann die ersten Kunden mit dem Produkt beliefert werden, so der Plan.

Natürlich würde Volker Höpfner seine Teesticks auch gerne an Fluggesellschaften verkaufen. Doch dieser Markt ist für das Bremer Unternehmen nur schwer zu erreichen. „Die Lufthansa findet das Produkt im Prinzip sehr interessant. Doch die verwenden nur Markenprodukte. Das Argument des Unternehmens lautet, wenn du bei uns drin bist, ist das gleichzeitig Werbung. Dadurch bekommt die Lufthansa ihre Ware günstiger. Und Quick Tea kennt kein Mensch“, sagt Höpfner.

Die Ursprünge der Fresh Food Company liegen beim Obst- und Gemüsehändler Atlanta. Vor mehr als zehn Jahren gründete man dort einen neuen Geschäftsbereich, der sich auf den Verkauf von Convenience-Produkten spezialisierte. Dadurch sollte das eher dürftige Geschäft mit Frischwaren aufgebessert werden. Höpfner war auch damals schon dabei. Am Standort Bremen wurden etwa fertige Salate oder Wok-Gemüse entwickelt. Getestet wurden diese Innovationen damals unter anderem in einem Supermarkt in Stuhr. Doch dann wurde Atlanta an den belgischen Konzern Univeg verkauft, der kein Interesse an dem Geschäft mit Convenience-Produkten hatte. Deshalb übernahmen die Mitarbeiter den Geschäftsbereich und gründeten die Fresh Food Company.

Nach der Übernahme haben Volker Höpfner und sein Team das Geschäft umstrukturiert und sich auf die Belieferung von Tankstellen mit geschnittenem Gemüse und Salaten fokussiert. „Wir haben Rezepturen entwickelt und diese Aral vorgeschlagen“, sagt Höpfner. Für fünf Wochen sind die Brötchen dann nach den Ideen des Bremer Unternehmens in den Auslagen der Tankstellen zu finden. Läuft das Produkt gut, wird die Kreation dauerhaft in das Sortiment übernommen.

In der Vergangenheit hat die Fresh Food Company regelmäßig neue Belegnisse für die Tankstellenbrötchen entwickelt. Doch seitdem Aral von Rewe beliefert wird, konnte das Unternehmen aus Oberneuland keine neuen Sorten mehr entwickeln. Das Angebot würde jetzt nicht mehr so variantenreich wechseln. „Wir hatten jetzt erste Gespräche mit Rewe, damit wir auch da beratend tätig sein können“, sagt Höpfner. Denkbar wären beispielsweise Brötchen mit Frischkäse und frischem Gemüse. Etwas Ähnliches hatte er bereits für Tchibo entwickelt. Doch die Zusammenarbeit wurde von Seiten des Hamburger Konzerns wieder eingestellt.

Das Grillgemüse bezieht Aral auch weiterhin von Höpfner. Trotzdem bedeuten die Umstrukturierungen bei der Tankstelle Umsatzeinbußen für das Bremer Unternehmen. Diese sollen nicht nur durch neue Produkte, wie die Teesticks, ausgeglichen werden, sondern auch durch zusätzliche Angebote, die Höpfner Rewe für die Tankstellen unterbreiten will. „Ich bin bei einer Messe auf Hüttenbrote gestoßen, die etwas mehr als sieben Minuten im Ofen erhitzt werden. So etwas kann ich mir sehr gut für die Tankstelle vorstellen“, sagt Höpfner.

Neben der Tankstelle gehört etwa die Kaffehaus-Kette Coffe Fellows zu den Kunden und bezieht beispielsweise Kakaopulver. Daneben beliefert die Fresh Food Company auch das Großhandelsunternehmen Lekkerland.

All diese Aufträge und Gespräche mit potentiellen Kunden erledigt Volker Höpfner zurzeit allein. „Das liegt daran, weil wir nicht selbst produzieren. Ich plane aber, wieder Personal einzustellen, dass sich etwa um die Verwaltung kümmert“, sagt der gebürtige Flensburger.

Den Standort in der Hansestadt schätzt Volker Höpfner sehr. „Bremen ist eine Lebensmittelstadt und damit nach wie vor eine gute Adresse.“ Deshalb will der Unternehmer der Stadt treu bleiben. Auch in Zukunft.

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