Bahnverkehr Verbände machen Vorschläge zur Reaktivierung stillgelegter Strecken

Eigentlich sollten stillgelegte Bahnstrecken wieder reaktiviert werden. Damit könnten Millionen Bürger wieder einen Bahnzugang erhalten. Doch es passiert fast nichts. Nun machen Verbände konkrete Vorschläge.
27.09.2022, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Verbände machen Vorschläge zur Reaktivierung stillgelegter Strecken
Von Wolfgang Mulke

Der Kahlschlag seit den 90er-Jahren ist enorm. Von 44.600 Kilometern Länge 1994 schrumpfte das Schienennetz auf derzeit noch gut 38.000 Kilometer. Gleichzeitig nahm der Verkehr auf den Trassen vor allem in den letzten Jahren deutlich zu. Das Ergebnis der Entwicklung ist bekannt. Viele Kommunen wurden vom Schienennetz abgekoppelt. Die bestehenden Kapazitäten reichen für die wachsende Nachfrage nicht aus. Beides hat den Ruf nach einer Reaktivierung stillgelegter Trassen lauter werden lassen.

Die Allianz pro Schiene hat dazu 2020 konkrete Pläne vorgelegt und nun eine ernüchternde Zwischenbilanz gezogen. 277 Strecken mit einer Länge von 4573 Kilometern könnten nach Angaben des Vereins wiederbelebt werden. Gerade einmal bei vier, insgesamt 66 Kilometer lange Verbindungen ist es auch gelungen. Seit der Bundestagswahl vor einem Jahr herrscht diesbezüglich völliger Stillstand, wie der Chef der Allianz, Dirk Flege, kritisiert. „Es ist kein einziger Schienenkilometer reaktiviert worden“, sagt er. Dabei habe die Koalition dieses versprochen.

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Der Nutzen des Netzausbaus ist beträchtlich. Deshalb hat der Verein gemeinsam mit dem Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) seine Vorschlagsliste aktualisiert. „In praktisch allen Regionen Deutschlands gibt es Reaktivierungspotenzial“, erläutert Flege. 332 Städte und Gemeinden könnten auf diese Weise wieder ans Bahnnetz angeschlossen werden. Damit bekämen 3,4 Millionen Bürger wieder einen direkten Zugang. Rechnet man die Anbindung einzelner Stadtteile durch Bahnhöfe mit ein, könnten davon sogar fünf Millionen Menschen profitieren. Momentan sind von den 900 Mittelzentren in Deutschland 123 von der Bahn abgekoppelt, darunter sogar 13 Kreisstädte.

Doch davon ist die Realität derzeit noch weit entfernt. „Der Hauptverantwortliche ist der Verkehrsminister“, sagt Flege, es fehle jegliche Aussage von ihm zur Reaktivierung. Zwar habe der Bund die Finanzierungsmöglichkeiten dafür verbessert, doch ein eigener Haushaltstitel dafür fehle. Auch müsse der Güterverkehr in die Finanzierungspläne einbezogen werden. Die Wirtschaft sei hier schon weiter als die Politik und wolle Transporte auf die Schiene verlagern.

Auch die Bundesländer sind den Verbänden zufolge unterschiedlich engagiert, wenn es um eigene Initiativen zur Reaktivierung von Bahnstrecken geht. Als positive Beispiele nennen sie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Stuttgarter Landesregierung finanziert beispielsweise Studien zur Wiederbelebung von Strecken, was Kommunen oft überfordert. Am Schluss der Ranglisten finden sich Bayern und Sachsen, die demnach kaum aus eigenem Antrieb aktiv werden.

So wird zumindest bis zum Fahrplanwechsel im Dezember die Bilanz der Reaktivierung von Bahnstrecken schwach bleiben. Lediglich je ein Kilometer Schienenwege gehen in Brandenburg und in Niedersachsen bis dahin wieder ans Netz.

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