Verein Bremer Spediteure Frachtkosten als Preistreiber

Nach Ansicht des Vereins Bremer Spediteure sorgen die hohen Frachtkosten mit dafür, dass die Preise für Endverbraucher steigen - besonders, wenn es sich um großvolumige Produkte handelt.
17.12.2021, 19:20
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Frachtkosten als Preistreiber
Von Peter Hanuschke

Container-Knappheit, verstopfte Häfen, unpünktliche Schiffe und Frachtraten in nie gekannter Höhe - mit diesen seit Ausbruch der Corona-Pandemie aufgetretenen Entwicklungen wird sich die Transportwirtschaft auch im nächsten Jahr und darüber hinaus auseinandersetzen müssen, ist der Verein Bremer Spediteure überzeugt. Und diese Situation werde auch Folgen für Endverbraucher haben, die für einige Waren deutlich höhere Preise zahlen müssten. Die hohen Frachtraten sind laut Spediteurs-Verein auch mitverantwortlich für die derzeitige Inflation in Deutschland.

Treiber für Inflation

"Die Inflation, die wir in Deutschland erleben, hängt unter anderem mit den höheren Frachtkosten zusammen", sagte Oliver Oestreich (Lexzau, Scharbau GmbH), Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure. "Das ist ein Novum, so etwas hat es in der Vergangenheit in dieser Form noch nicht gegeben." Frachtkosten hätten bislang noch nie gesamtwirtschaftlichen Einfluss darauf genommen, "dass Waren zur Verfügung stehen beziehungsweise dass Waren teurer geworden sind." Seit Sommer vergangenen Jahres hätten die Frachtraten gerade aus China deutlich zugenommen - sie hätten sich teilweise mehr als verzehnfacht. Aus dieser Region kämen nun einmal sehr viele Artikel, "die wir hier beispielsweise in den Baumärkten wiederfinden. Die Frachtkosten werden gezwungenermaßen auf die Artikel umgewälzt."

Preissteigerung hängt von Ware ab

"Das Paar Turnschuhe wird am Ende vielleicht einen Euro teurer sein im Vergleich zu Vor-Corona - ein Euro, der nicht weh tut", so Robert Völkl, Geschäftsführer des Vereins Bremer Spediteure. "Aber andere Waren, die großvolumig sind wie etwa Rattanmöbel, Korbwaren oder Swimming-Pools, die bislang günstig in Baumärkten zu kaufen waren, bei denen werden die Transportkosten in den nächsten Wochen sicherlich voll durchschlagen." Es gebe inzwischen auch Einzelhändler, die Abstand nehmen, bestimmte Produkte zu bestellen, weil die Ware von der Marge her die Frachten gar nicht tragen könne.

Hohe Transportnachfrage

Trotz Halbleiterproblemen und den damit verbundenen Produktionsausfällen sei der Welthandel in diesem Jahr im Vergleich zu 2019, also vor Corona, um 2,8 Prozent gestiegen, so Oestreich. Und dadurch sei auch die Nachfrage nach Transporten entsprechend auf einem hohen Niveau.

Probleme in den Lieferketten

Nach wie vor gebe es verstopfte Häfen, die für eine verzögerte Schiffs-Abwicklung sorgten, ein Problem, das weltweit auftauche, so Oestreich. In China habe es zudem temporäre Schließungen aufgrund der Pandemielage gegeben. "Stillstand gab es beispielsweise auch in den USA, so war der Hafen in Chicago im Sommer aufgrund von Problemen bei der landseitigen Logistik längere Zeit quasi dicht." Durch die Verstopfung der Häfen resultiere eine Verknappung der Containerkapazitäten von 12,5 Prozent. Das entspreche der Menge an Containern, die beispielsweise eine Reederei wie CMA CGM in der Flotte habe.

Hohe Frachtraten, hohe Reederei-Gewinne

"Die signifikante Verknappung der Container ging einher mit Frachtraten, die wir in dieser Höhe nie zuvor erlebt haben", sagte Oestreich. Das habe nach Angaben einer Marktstudie dazu geführt, dass die Reedereien in diesem Jahr Gewinne in einer Größenordnung von 150 Milliarden US-Dollar erreichen würden. Welches Volumen diese Summe darstelle, werde deutlich, wenn man zum Vergleich einen Zeitraum von 20 Jahren vor Corona heranziehe. In diesen zwei Jahrzehnten hätten die Reedereien insgesamt "nur" 109 Milliarden US-Dollar Gewinne gemacht. Laut der Prognose sollen die Reedereien auch im nächsten Jahr Gewinne wie in 2021 einfahren.

Mehr zahlen, weniger Service

"Wenn ich für etwas mehr zahle, erwarte ich im allgemeinen auch einen besseren Service", so Oestreich. Das gelte momentan aber nicht für die Schifffahrt. Dafür müsse man nur die Fahrplanpünktlichkeit zugrunde legen, die in diesem Jahr durchschnittlich bei etwas über 30 Prozent liege. Also nur jedes dritte Schiff erreiche den Hafen wie geplant. "Die Verspätungen liegen teilweise bei acht Tagen." Spediteure wie Verlader würden Seefrachtraten in nie gekannter Höhe zahlen und "bekommen dafür eine Dienstleistung, die noch nie so schlecht gewesen ist."

Belastung der Mitarbeiter

"Unsere operativen Abteilungen in den Speditionen bekommen diesen schlechten Service jeden Tag hautnah zu spüren", so Oestreich. "Aufträge müssen fünf- bis sechsmal oder mehr angefasst werden, bevor die Aufträge dann tatsächlich an Bord gehen." Die Belastungsgrenze der Mitarbeiter sei erreicht und teilweise überschritten. Für Entlastung zu sorgen, sei schwierig, weil der Arbeitsmarkt nahezu leergefegt sei.

Rück- und Ausblick

Auch die Speditionsunternehmen würden in 2021 auf ein sehr gutes Jahr zurückblicken, jedoch werde dafür wegen der hohen Intensität der Arbeitsbelastung ein sehr hoher Preis gezahlt, so Oestreich. 2022 werde aller Voraussicht nach auch ein "sehr, sehr gutes Jahr für Speditionen werden". Das lasse sich vom Seeverkehr ableiten, der nach Angaben von verschiedenen Instituten um 5,2 Prozent wachsen soll. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die epidemische Lage nicht zu weiteren Einbrüchen in der Produktion führe.

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