Reisestress an den Feiertagen in Bremen

Wann es bei Verspätungen Geld zurück gibt

Bremen. An den Feiertagen ist es ärgerlich, unter verspäteten Zügen oder ausgefallenen Flügen zu leiden. Viele Deutsche benutzen öffentliche Verkehrsmittel. Bei Komplikationen können sie unter Umständen Geld zurückbekommen.
20.12.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Justen
Wann es bei Verspätungen Geld zurück gibt

Verspätung oder Ausfall der Züge? In diesem Fall haben Bahnreisende Anspruch auf Entschädigung.

Sebastian Widmann

Bremen. Den Heiligabend in einem stecken gebliebenen ICE oder auf einem überfüllten Flughafen zu verbringen, ist nicht gerade das, was man sich als Geschenk wünscht. Wenn die Reise an den Feiertagen holprig verläuft, dürfen sich die Betroffenen in bestimmten Fällen aber auf ein finanzielles Bonbon freuen.

Bremen. "Driving Home for Christmas" - in den Wochen vor Weihnachten bekommt man den Song von Chris Rea kaum noch aus dem Ohr. Hunderttausende Deutsche sind vor und an den Feiertagen unterwegs mit Auto, Bahn und Flugzeug - um die Familie zu besuchen oder aber, um unter Palmen ein wenig Abstand zu bekommen vom Weihnachtstrubel zu Hause.

Ärgerlich, wenn dann die Bahn Verspätung hat oder der Anschlussflieger überbucht ist. Was bleibt, ist ein finanzielles Trostpflaster.

Bahnreisen:Bahnreisende haben Anspruch auf Entschädigung, wenn sie zu spät an ihrem Ziel ankommen. Bei einer Stunde erhalten sie ein Viertel der Fahrscheinkosten erstattet, bei zwei Stunden Verspätung die Hälfte. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Entschädigung gibt es auch dann, wenn der erste Zug nur fünf Minuten Verspätung hatte, dadurch aber der Anschlusszug verpasst wurde.

Im Nahverkehr gibt es zusätzliche Regelungen. Führt eine Verspätung dazu, dass der Reisende den letzten Zug des Tages verpasst oder fällt dieser ganz aus, hat der Fahrgast das Recht, sich Taxikosten bis zu einer Höhe von 80 Euro erstatten zu lassen - oder eine kostenlose Übernachtung in Anspruch zu nehmen. Auch der Wechsel des Verkehrsmittels ist erlaubt: Ab einer absehbaren Verspätung am Zielort von 20 Minuten dürfen höherwertige Züge benutzt werden.

Flugreisen:Gerade an Feiertagen sind die Flugzeuge voll - und wenn man Pech hat, ist der Flug überbucht. In diesem Fall ist die Fluggesellschaft verpflichtet, zunächst zu versuchen, Freiwillige zu finden, die bereit sind, ihre Buchung im Austausch gegen Bonusmeilen, Gutscheine, Geldzahlung, Extratickets oder eine höhere Beförderungsklasse auf einem anderen Flug abzutreten.

Finden sich nicht genügend Freiwillige, müssen Passagiere gegen ihren Willen am Boden bleiben. In diesem Fall steht diesen eine finanzielle Ausgleichsleistung zu: Bei Entfernungen bis 1500 Kilometer sind das 250 Euro oder aber 125 Euro, wenn sich die Verspätung am Zielort auf maximal zwei Stunden beläuft. Bei Flügen auf der Mittelstrecke (1500 bis 3500 Kilometer) gibt es 400 Euro (bis drei Stunden Verspätung die Hälfte), auf der Langstrecke sogar 600 Euro - beläuft sich die Verspätung am Zielort auf maximal vier Stunden, wird auch hier die Entschädigung halbiert. Dazu kommt der Anspruch auf Betreuungsleistungen - etwa Mahlzeiten, Erfrischungen, Hotelunterbringung mit Transfer.

Nach Klagen von Fluggästen hat der Europäische Gerichtshof festgelegt, dass Passagieren auch bei großen Verspätungen der finanzielle Ausgleich zusteht, den sie bei Annullierungen verlangen können (EuGH, Az.: C-402/07 und C-432/07). Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Fluggast erst drei oder mehr Stunden nach der von der Fluggesellschaft ursprünglich vorgesehenen Ankunftszeit sein Endziel erreicht. Und: Fluggesellschaften müssen nicht zahlen, wenn sie nachweisen können, dass die große Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die von dem Luftfahrtunternehmen tatsächlich nicht zu beherrschen sind. Technische Probleme fallen in aller Regel nicht in diese Kategorie. Wie bei Annullierungen betragen die Entschädigungen für Verspätungen 250, 400 und 600 Euro. Auf der Langstrecke müssen für die volle Summe aber mindestens vier Stunden Verzug zusammenkommen - sind es nur drei Stunden, gibt es nur die Hälfte des Höchstbetrages, also 300 Euro.

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