Mindestens vier Abflüge in Bremen ausgefallen Warnstreiks an Flughäfen: Welche Rechte betroffene Reisende haben

Am Flughafen Bremen sind am Montag wegen Warnstreiks mindestens vier Abflüge gestrichen worden. In Hannover waren es 15. Welche Rechte haben davon betroffene Fluggäste? Ein Überblick.
14.03.2022, 15:18
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

An den Flughäfen in Bremen und Hannover sind am Montag wegen Warnstreiks zahlreiche Flüge ausgefallen. Die Gewerkschaft Verdi hatte Sicherheitskräfte in der Passagierkontrolle dazu aufgerufen, den ganzen Tag die Arbeit niederzulegen. Wie am Nachmittag aus den Online-Abflugplänen hervorging, wurden in Bremen 4 von 14 Abflügen und in Hannover 15 von 27 Abflügen gestrichen. Rund 80 Beschäftigte beteiligten sich Verdi zufolge vor dem Flughafengebäude in Hannover an einer Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen. Betroffen waren zudem die Flughäfen Berlin, Düsseldorf, Köln/Bonn, Hamburg und Leipzig/Halle.

Flugreisende müssen sich auch am Dienstag, 15. März, auf zahlreiche Ausfälle und Verspätungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi weitet die Warnstreiks des Luftsicherheitspersonals an Flughäfen aus. Am Dienstag sind die beiden größten deutschen Flughäfen Frankfurt und München betroffen, außerdem Hamburg, Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden.

Die Warnstreiks sind Teil eines Tarifkonflikts zwischen Verdi und dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen. Die Gewerkschaft verhandelt mit dem Arbeitgeberverband über einen neuen Tarifvertrag für bundesweit rund 25.000 Sicherheitskräfte. Drei Verhandlungsrunden waren bisher ohne Ergebnis geblieben. Beide Seiten wollen sich am Mittwoch und Donnerstag in Berlin zu weiteren Verhandlungen treffen.

Welche Rechte haben betroffene Fluggäste in so einem Fall?

Bei streikbedingtem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden muss die Airline Reisenden eine alternative Beförderung zum Ziel anbieten - etwa durch Umbuchung auf einen anderen Flug. Dies passiert oft automatisch. Oder die Airline bietet die Option an, das Ticket für innerdeutsche Flüge in eine Bahnfahrkarte umzuwandeln.

Frist für Alternative setzen

Bietet die Airline so etwas nicht von selbst an, sollten Betroffene ihr eine Frist zur Beschaffung der Alternative setzen. Dazu rät der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover.

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Als Zeitfenster für diese Frist seien zwei bis drei Stunden nach der geplanten Abflugzeit angemessen. Kommt die Airline der Aufforderung nicht nach, könnten Reisende sich selbst Ersatz beschaffen und die Kosten der Airline hinterher in Rechnung stellen, so Degott.

Hat ein Flug mehr als fünf Stunden Verspätung, können Reisende das Ticket zurückgeben und ihr Geld zurückverlangen - Gutscheine müssen sie nicht akzeptieren. Auch Bearbeitungsgebühren dürfen nicht von der Airline einbehalten werden.

Bei Pauschalreisen ist der Reiseveranstalter in der Pflicht, sich um eine alternative Beförderung zu kümmern. Bei mehr als vier Stunden Verspätung ist eine anteilige Minderung des Reisepreises möglich. Unter bestimmten Umständen ist gar eine Stornierung der Reise denkbar - etwa, wenn sich ein Kurzurlaub durch den Streik erheblich verkürzt.

Streik als außerordentlicher Umstand

Und was ist mit den Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung? Eigentlich gilt ein Streik des Flughafenpersonals als außerordentlicher Umstand. Reisenden steht bei dieser Bewertung kein Ausgleichsanspruch zu.

Aber: „Es ist die Frage, ob man das doch der Fluggesellschaft zurechnen kann“, sagt Degott. Streikt zum Beispiel das Personal am Check-in-Schalter, welches bei der Airline angestellt ist, kann dies dem unternehmerischen Risiko der Fluggesellschaft zugerechnet werden, so der Reiserechtler. „In dem Fall würde ein Ausgleichsanspruch geltend gemacht werden können.“

Diesmal aber streiken die Sicherheitskräfte. Die seien von der Bundespolizei beauftragt, welche für die Fluggastkontrolle an den Flughäfen zuständig sei, erklärt Degott. Damit sei eher fraglich, ob das Versäumnis der Airline zuzurechnen ist. Aber abschließend durch den Europäischen Gerichtshof geklärt sei diese Frage noch nicht.

++ Dieser Artikel wurde am 14. März um 16.08 Uhr aktualisiert. ++

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