Schüler-Konten Was von Goldi übrigblieb

Nur noch wenige Banken in der Region begehen den Weltspartag. Doch viele Institute ködern Kindern und Eltern mit Sonderkonditionen.
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Was von Goldi übrigblieb
Von Florian Schwiegershausen

Bremen. Das waren noch Zeiten bei der Commerzbank. Da gab es den Hamster Goldi, der Kinder zum Sparen animieren sollte. Goldi gab es als Plastikfigur, als Aufdruck auf der Spardose und als Plüschfigur von der Firma Steiff. Es waren die Geschenke für die Kinder, wenn sie brav ihr Geld zur Bank gebracht hatten. Doch sowohl in der Natur als auch bei der Commerzbank ist der Hamster durch die Flurbereinigung verschwunden. Nur auf Auktionsportalen gibt es ihn noch, derzeit zum Preis von 20 Euro.

Was versuchen die Banken heute noch, um Kinder (und deren Eltern) dazu zu bewegen, ihr Geld zur Bank zu bringen? Dem Weltspartag geht es so ähnlich wie Hamster Goldi. Er verschwindet immer mehr, oder ist abgeschafft zugunsten einer Weltsparwoche. Das entlastet die Mitarbeiter in den Bankfilialen. Statt sich an einem Tag die Hände wund zu zählen mit dem Kleingeld, verteilt sich dies nun auf mehrere Tage. Hinzu kommt in diesem Jahr, dass der Weltspartag ein Feiertag ist. Denn traditionell wird er am 31. Oktober begangen, an dem wegen des 500. Reformationstags in allen Bundesländer arbeits- und schulfrei ist.

Im Nordwesten ist es nur die Oldenburgische Landesbank, die am Weltspartag festhält. Den hat sie auf den 30. Oktober vorverlegt. Die Kinder können an einem Malwettbewerb teilnehmen. Eine Jury wählt die schönsten aus. Die fünf Bilder, die vom 20. bis 26. November auf Facebook die meisten Likes erhalten, gewinnen jeweils 100 Euro.

Die Sparkasse Bremen ruft dagegen Weltsparwochen aus, und zwar vom 30. Oktober bis zum 10. November. Sprecherin Nicola Oppermann sagt, warum es gleich zwei Wochen sind: „Der Grund ist die Vermutung, dass viele Bremerinnen und Bremer den Montag als Brückentag für ein verlängertes Wochenende nutzen werden. Denn die Schulkinder haben schulfrei.“ Sie bekämen auch etwas für ihre volle Spardose, so Oppermann: „Wenn sie ihr gespartes Geld innerhalb der zwei Weltsparwochen zu uns bringen, gibt es zur Belohnung kleine Geschenke. Da gibt es Taschenlampen, Luftballons, Fruchtgummitüten, Plüsch-Schildkröten, Stempelsets, Kinderbücher mit Hörspiel-CD, Fidget Spinner, Blinkies, Warnwesten und rote Laternen für die vielen jetzt anstehenden Umzüge.“

Außerdem wurden die jungen Sparer zu einer Autogrammstunde mit den Werder-Spielern Jesper Verlaat und Jérôme Gondorf am 1. November im Finanzzentrum eingeladen. 150 Kinder und Jugendliche haben sich bereits angemeldet. Wenn sich Kinder und Jugendliche für ein Giroflexx-Start-Konto entscheiden, erhalten sie dort auf die ersten 500 Euro zwei Prozent Zinsen.

Die Bremische Volksbank beteiligt sich dagegen nicht an einer Weltsparwoche. Thomas Trenz sagt: „Für unsere kleinen Kunden halten wir ganzjährig kleine Präsente bereit. Entsprechende Sparvorgänge werden durch ‚Sammelpunkte‘ und dann kleinen Geschenken belohnt.“ Spezielle Konditionen gibt es nicht. Für junge Leute gibt es das VR-Mike-Sparen mit einem Guthabenzins bei 0,5 Prozent bis zu 2000 Euro sowie das kostenlose VR-JungesKonto als Girokonto – ebenfalls mit einem Habenzinssatz von 0,5 Prozent bis 2000 Euro.

Auch die Sparda-Bank verzichtet auf besondere Aktionen. Sprecherin Laura van den Berg verweist auf das kostenlose Girokonto SpardaYoung+. Kinder ab sieben Jahren erhalten hier 0,1 Prozent Zinsen bis zu einem Guthaben von 2500 Euro. Die Kinder sollten sich dabei vielleicht auch erklären lassen, was ein Genossenschaftsanteil ist. Denn da lag die Dividende bei der Sparda-Bank zuletzt bei immerhin drei Prozent.

Die dritte Genossenschaftsbank in Bremen ist die PSD Bank Nord. Sie hat zwar auch keine besondere Weltsparwoche, wirbt aber mit wesentlich besseren Konditionen: Denn beim kostenlosen Girokonto für junge Leute ab zehn Jahren gibt es beim GiroDirekt Start zwei Prozent Zinsen bei bis zu 750 Euro. Und wer bis zum Weltspartag, also bis zum 31. Oktober, das Konto eröffnet, erhält zusätzlich 100 Euro Startprämie.

Die Deutsche Bank plant auch keine Besonderheiten zum Weltspartag. Silke Nöth, Filialdirektorin des Instituts mit Sitz am Domshof, sagt: „Grundsätzlich sollten sich Kinder und Jugendliche, jeweils ihrem Alter entsprechend, durchaus frühzeitig mit den Themen Geld und Sparen befassen und gemeinsam mit ihren Eltern prüfen, welche Sparformen für sie in Frage kommen. Dabei sollte berücksichtigt werden, für welchen Zweck gespart wird und wie das Sparziel am besten zu erreichen ist.“ Das Geldinstitut verweist auf die kostenlose Sparcard, ansonsten auf die zwei Standardprodukte Festzins-Sparen und Topzins-Sparen: Bei ersterem liegt die Einstiegssumme jedoch bei 2500 Euro. Es gibt 0,2 Prozent Zinsen, wenn das Geld für mindestens ein Jahr angelegt wird. Bei letzterem zahlt der Kunde jeden Monat eine bestimmte Summe ein.

Dabei hatte die Deutsche Bank gerade erst eine Umfrage zum Sparverhalten junger Leute in Auftrag gegeben. Demnach legt der Nachwuchs von durchschnittlich 472 Euro, die ihm monatlich zur Verfügung stehen, rund 131 Euro zur Seite. Befragt wurden 1000 junge Leute im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. Bei den Sparzielen stehen konkrete Wünsche wie Führerschein, Auto, Reise oder Elektronik mit 52 Prozent an erster Stelle. Jeder Fünfte legt sein Geld für die Ausbildung zurück. 13 Prozent sparen bereits für die Altersvorsorge.

Das würde auch Hamster Goldi freuen. Auch wenn ihn die Commerzbank längst in Rente geschickt hat, bietet das Institut zumindest ein besonderes Sparkonto für Kinder zwischen fünf und neun Jahren an. Beim Scout Schüler-Sparkonto gibt es 0,55 Prozent Zinsen und ein Startguthaben von 20 Euro. Also genug, um bei einer Online-Auktion den Hamster Goldi zu erstehen.

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