Elektromobilität im Schienenverkehr

Weichenstellung für einen elektrischen Nordwesten

Schon jetzt ist es möglich, mit überschüssiger Windkraft Wasserstoff herzustellen. Damit können wiederum Güterzüge in der Region fahren. Was mehr als 70 Unternehmen und Institute vorhaben.
18.06.2018, 18:01
Lesedauer: 2 Min
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Weichenstellung für einen elektrischen Nordwesten
Von Peter Hanuschke

Züge, die Wasserstoff in elektrische Energie umwandeln, damit angetrieben werden und den Jade-Weser-Port mit dem Hinterland verbinden. Kleine Nutz-Lkw entweder made in Bremen oder in Niedersachsen, die mit Strom fahren. Aufzeigen, dass Elektromobilität nicht nur für die Stadt, sondern auch für den ländlichen Raum geeignet ist. Mit diesen und anderen Themen befasst sich das neue Projekt "Elektromobilität als Schlüssel zur Mobilität der Zukunft". In den Räumlichkeiten der Bremer Handelskammer war am Montag die Auftaktveranstaltung für das neue Förderprojekt der Metropolregion Nordwest, an der 70 Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft teilnahmen.

Ziel ist es, Unternehmen und Institute aus der Region zu vernetzen, daraus Synergien zu entwickeln und neue Projekte anzuschieben, "um gemeinsam die Weichen für einen elektrischen Nordwesten zu stellen", so Julie King, Koordinatorin des Projekts bei der Metropolregion Nordwest. Mit dabei als Kooperationspartner sind das Oldenburger Energiecluster Olec und das Cluster Automotive Nordwest, die eine Menge an Unternehmen und Instituten hinter sich haben: Da tauchen Namen auf wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Universität Oldenburg, der Energieversorger EWE, das Fraunhofer Institut, die Ferchau Engineering GmbH, Krone Landmaschinen oder die BLG Logistics Group.

Mit dem "Kompetenzatlas" Hersteller in der Region finden

In einem Teil des Projekts entsteht unter dem Titel "Kompetenzatlas" ein Onlineverzeichnis mit regionalen Firmen und Organisationen, die innerhalb der Region im Themenfeld Elektromobilität bereits aktiv sind, so Roland Hentschel, Vorstandsvorsitzender von Olec – dem größtem technologieübergreifendem Energienetzwerk im Nordwesten Deutschlands. So etwas sei notwendig, denn sonst verliere man den Überblick –– in diesem Bereich gebe es eine enorme Dynamik. Der Kompetenzatlas soll es erleichtern, Hersteller in der Region zu finden, mit denen die Projekte umgesetzt werden. "Und wir haben hier eine Menge an Kompetenz", unterstreicht Ronald Brandes, Vorstandsvorsitzender vom Cluster Automotive Nordwest, das mehr als 60 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem Fahrzeugbereich vereint.

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Die Region eigne sich hervorragend für künftige moderne Mobilität, so Hentschel. Es werde beispielsweise sehr viel Energie durch Onshore-Windanlagen gewonnen. Allerdings falle dabei auch häufig überschüssige Energie an, die nicht optimal genutzt werde. Auch da gebe es inzwischen Möglichkeiten, diese besser zu nutzen – etwa durch Wasserstoff-Gewinnung direkt an der Onshore-Anlage. Dafür gebe es bereits serientaugliche Geräte.

"Wir wollen Nischen besetzen"

Unter Federführung von Automotive Nordwest geht es in zwei Teilprojektgruppen um die Elektrifizierung von Spezial- und Nutzfahrzeugen der Kommunen und in Logistikzentren wie Häfen, Flughäfen und Güterverkehrszentren. "Innerhalb dieses Projekts wird die Metropolregion den Innovationsgehalt der Region aufzeigen und erörtern, inwieweit die bei Nutzfahrzeugen ein batterie-elektrischer Antrieb oder auch ein Brennstoffzelleneinsatz möglich ist", so Brandes. "Wir wollen Nischen besetzen, die auch für andere Regionen Deutschlands interessant sind." In einem vierten Teilprojekt steht die Beratung von Kommunen und touristischen Verbänden im Vordergrund – etwa beim Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Wie konkret die Projekte sind, zeigt sich nur an den in Planung befindlichen Nutzfahrzeugen, sondern auch am Jade-Weser-Port (JWP): Es sei durchaus denkbar, dass die Gleise ins Hinterland nicht um jeden Preis elektrifiziert werden, so Brandes. Wasserstoff-Züge gebe es ja bereits – einer fahre bekanntlich nach Cuxhaven – und es gebe auch Gespräche mit den Verantwortlichen des JWP.

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