Es kann auch später als zum August sein

Bremer Betriebe verschieben Ausbildungsstart

Selbst bei den kaufmännischen Berufen ist in diesem Jahr für den Ausbildungsstart der erste August nicht zwingend. Die Botschaft an die Suchenden lautet: Es gibt noch freie Plätze - auch bei beliebten Berufen.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Betriebe verschieben Ausbildungsstart
Von Florian Schwiegershausen
Bremer Betriebe verschieben Ausbildungsstart

In Bremen und umzu gibt es derzeit unter anderem noch freie Stellen für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Julian Stratenschulte

Gerade erst vergangenen Donnerstag hat Thomas Böttcher den letzten offenen Platz für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker besetzt. Böttcher ist beim VW-Autohaus Brandt in Bremen und Weyhe für die Ausbildung zuständig. Dass selbst bei einem der beliebtesten Lehrberufe Deutschlands im Handwerk die Besetzung erst etwa eine Woche vor dem offiziellen Ausbildungsstart klappt, ist sinnbildhaft für dieses Jahr. Und: Es ist kein Einzelfall. Auf der anderen Seite bedeutet es, dass für diejenigen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, erst recht noch mehr geht, als vor einem oder vor zwei Jahren um die gleiche Zeit.

Das merkt auch Anna Karantinaki, die bei der Bremer Handwerkskammer für die jobsuchenden Schulabgänger als Ansprechpartnerin dient: „Jetzt, wo die Jugendlichen ihre Zeugnisse erhalten haben, stellen wir fest, dass die Anfragen bei uns steigen.“ Das freue sie. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie daran, Suchende und Betriebe zusammenzubringen – und das kontinuierlich: „Meine Kollegen und ich haben unseren Urlaub so organisiert, das bei uns auf alle Fälle immer ein Ansprechpartner da ist.“

Kfz Mechatroniker und Chemikanten gesucht

Die Betriebe danken es ebenso, angesichts all der Bäcker- und Fachlageristen-Azubis, die noch nicht gefunden sind. Dass die Unternehmen in diesen Berufen bis zum Start des Ausbildungsjahres auf der Suche sind, ist nicht neu. In diesem Jahr gibt es aber auch jetzt noch so manche freie Stelle für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Bremen und umzu. Das Bremer Entsorgungsunternehmen Nehlsen hält noch Ausschau nach jungen Menschen, die eine Ausbildung zum Chemikanten, zum Berufskraftfahrer und auch zum Kaufmann für IT-Systemmanagement machen möchten. Der stellvertretende Personalleiter Patrick Heiermann sagt: „Wir suchen eigentlich zum 1. August, der Start kann aber auch später erfolgen.“ Die Hoffnung, jemanden zu finden, hat man hier nicht aufgegeben.

Erst recht in diesem Jahr ist auch bei den kaufmännischen Berufen der 1. August kein fixer Termin. Darauf verweist auch Michael Zeimet, der bei der Handelskammer Bremen Geschäftsführer für den Bereich Aus- und Weiterbildung ist: „Da wird auch bei uns in den kommenden Wochen noch viel Bewegung sein.“ Gerade im Versicherungsbereich werden laut Zeimet noch Azubis gesucht, sogar mehr als noch vor einem Jahr. Dennoch sagt er: „Wir stehen momentan mit 15 Prozent weniger Ausbildungsverträgen da als noch vor einem Jahr. Damit stehen wir aber immer noch besser da als viele andere Industrie- und Handelskammern in Deutschland.“ Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien eben viele Unternehmen erst später beim Thema Ausbildung in den Suchprozess gegangen. Das Problem sei eben auch gewesen, wie man sich coronakonform zu Vorstellungsgesprächen treffe.

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Gleichzeitig waren die Schulen geschlossen, weshalb die Berufsberater der Arbeitsagentur in diesem Jahr weniger Möglichkeiten hatten, in den Klassen vor Ort mit den Schülern über ihre berufliche Zukunft zu reden.

Momentan ist noch viel in Bewegung bei den freien Ausbildungsplätzen. Deshalb appelliert Zeimet auch an die Jugendlichen: „Wer die Angebote auf unserer Stellenbörse abtelefoniert, und hört dann, dass die Stelle besetzt ist, soll sich bitte nicht entmutigen lassen. Wir halten die Stellenbörse aktuell, aber bis der Ausbildungsvertrag bei uns gelandet ist, kann etwas Zeit vergehen.“

Unternehmen versorgt Kreuzfahrtschiffe

Wer auf alle Fälle noch eine Stelle frei hat für die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann oder der -kauffrau, ist das Bremer Traditionsunternehmen Gebrüder Schoemaker. Das Unternehmen mit seinen 50 Mitarbeitern ist spezialisiert auf die Versorgung von Kreuzfahrtschiffen, Frachtschiffen, Hotels oder Duty-Free-Läden mit Lebensmitteln und Getränken. Vom Unternehmen heißt es, dass eine Affinität zur Schifffahrt zwar nicht von Nachteil sei, aber nicht erforderlich ist. Das Beispiel zeigt auch, wie das Unternehmen an die Zukunft denkt und sich nicht von den Nachrichten der vergangenen Monate entmutigen lässt, dass viele Kreuzfahrt- und Containerschiffe zuletzt irgendwo vor Anker lagen und entsprechend die Nachfrage nach Lebensmitteln geringer war.

Ebenso möchte noch die Steuerberatungsgesellschaft Mülling & Partner in der Bremer Überseestadt eine Person für die Ausbildung zum oder zur Steuerfachangestellten ein stellen. Auch bei ihnen habe sich in diesem Jahr der Ablauf zeitlich nach hinten verschoben. Sie hoffen, dass sie für den Start zum 1. September noch jemanden finden. Obwohl sie noch auf der Suche sind, machen sie sich aber bereits Gedanken, wie der oder die Auszubildende coronakonform die einzelnen Stationen der Ausbildung durchlaufen kann. Susanne Hentscher, eine der drei Partner im Unternehmen, sagt: „In den ersten vier Wochen sitzt der oder die Auszubildende am Empfang, um auf diese Weise einen Einblick in die Abläufe bei uns zu behalten. Da schauen wir, wie er oder sie mit entsprechendem Abstand zur Kollegin sitzen kann.“ Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte sich für Zahlen begeistern können.

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Dagegen sieht es in der Hotel- und Gastronomiebranche mit Ausbildungsplätzen in diesem Jahr schlechter aus, sagt Michael Zeimet von der Bremer Handelskammer. Auch wenn es in einigen Branchen mehr Ausbildungsplätze gibt, rechnet er zum Jahresende damit, dass weniger Azubis einen Platz erhalten haben werden als noch vor einem Jahr. Doch bis dahin versucht er, alles möglich zu machen: „Dazu stehen wir auch in Kontakt mit den Berufsschulen, um reagieren zu können, wenn es mehrere gibt, die ihre Ausbildung erst im September oder im Oktober begonnen haben.“

Genauso versuchen es die Kollegen in der Bremer Handwerkskammer, die hinzu gewonnene Zeit gut zu nutzen. Ihre Botschaft lautet, dass es für beiden Seiten auch Ende Juli noch nicht zu spät ist, zusammenzukommen.

Info

Zur Sache

Tipps und Ansprechpartner Bewerber und Betriebe

Die Bremer Lehrstellenbörse für das Handwerk ist online unter www.es-ist-deine-staerke.de zu finden. Die Ansprechpartner bei der Handwerkskammer sind telefonisch erreichbar unter der Rufnummer 04 21 / 30 50 01 36. Sie wollen bei der passgenauen Besetzung helfen. Weitere Infos dazu im Internet: www.bit.ly/3fZzxhJ. Die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern ist online abrufbar auf der Website www.ihk-lehrstellenboerse.de. Per Telefon werden Interessierte unter der Telefonnummer 04 21 / 3 63 70 mit dem richtigen Ansprechpartner verbunden. Die Arbeitsagentur listet die freien Plätze, die ihr gemeldet wurden, im Internet auf der Seite jobboerse.arbeitsagentur.de. Die Nummer der Bremer Jugendberufsagentur lautet 04 21 / 1 78 12 45 (Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 13 Uhr und am Donnerstag zusätzlich von 14 bis 16.30 Uhr oder online auf: www.jugendberufsagentur-bremen.de.

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