Meilensteine des World Wide Web

Wie die Welt zum digitalen Dorf wurde

Ein Leben ohne Netflix, Googlesuche und Onlineshopping? Für die meisten kaum mehr vorstellbar. In diesem Jahr feiert das Internet seinen 50ten Geburtstag. Ein Grund, zurückzublicken.
07.11.2019, 10:49
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Wie die Welt zum digitalen Dorf wurde
Von Imke Wrage

Ein Leben ohne Netflix, Google­suche und Onlineshopping? Für die meisten ­Menschen kaum mehr vorstellbar. In diesem Jahr feiert das Internet seinen 50. Ge­burtstag. Ein guter Grund, zurückzublicken.

1969 gilt als offizielle Geburtsstunde des Internets. Damals sendet der amerikanische Informatikstudent Charles Kline erstmals eine Nachricht über einen Rechner an der University of California in Los Angeles an einen mehr als 500 Kilometer entfernten Computer am Stanford Research Institute.

1971 wird die erste E-Mail verschickt, und zwar vom US-amerikanischen Programmierer Ray Tomlinson. Er entscheidet sich für das @-Symbol, um die Adressen von verschiedenen Netzen zu kennzeichnen. Im selben Jahr gibt es im Internet übrigens auch das erste Virus.

1973 entwickeln die Wissenschaftler Vint Cerf und Robert Kahn eine Kommunikationstechnik namens TCP, damit sich Menschen in verschiedenen Netzen austauschen können. Damit entsteht das eigentliche Internet – Verbindungen können ab sofort auch über Satelliten und Mobilfunk-Netze laufen.

1978 verschickt ein Computerhändler die ersten 600 Spam-Mails. Mittlerweile gelten 70 Prozent aller versendeten Mails als Spam.

1979 erfindet der Amerikaner Kevin MacKenzie das erste Emoticon. Es soll ein Ausdruck von Ironie sein und sieht so aus: -)

1983 wird erstmals ein System mit Domain-Name vorgeschlagen. Hätte es Facebook schon 1983 gegeben, hätte man die Webseite so aufrufen müssen: http://173.252.120.6. Über Domains ist es ab sofort möglich, Webserver über einfach merkbare Namen wie facebook.com abzurufen.

1984 flattert die erste E-Mail in ein deutsches Postfach, genauer in das von Michael Rotert von der Universität Karlsruhe.

1989 bietet die Firma Quantum Computer ­Services (später AOL) für Macintosh- und Apple-II-Computer den Dienst America Online an.

1991 ist die Geburtsstunde des WWW, entwickelt vom Wissenschaftler Tim Berners-Lee. Die erste Website der Welt lautet info.cern.ch, die Seite des Europäischen Kernforschungszentrums Cern in Genf. Übrigens: Sie ist noch immer online.

1993 entwickelt Marc Andreessen von der Universität Illinois „Mosaic“, den ersten Browser, der auf einer einzigen Seite Bilder und Text darstellt.

1995 wird Yahoo gegründet und ist damit die älteste Suchmaschine im Web. Auch der Onlineversandhändler Amazon geht 1995 online. Außerdem startet Ebay und entwickelt sich innerhalb weniger Jahre zur bekanntesten Auktions-Plattform weltweit. In Bremen geht das Stadtinformationssystem www.bremen.de unter der Leitung des Informatikers Herbert Kubicek an den Start.

1997 startet Netflix, der mittlerweile beliebteste Videostreamingdienst im Netz. Auf die Idee, Video-on-Demand anzubieten, kommen die Gründer Reed Hastings und Marc Randolph erst zehn Jahre später.

1998 werden Google und die gleichnamige Suchmaschine gegründet. Monatlich kommt die Homepage mittlerweile auf mehr als 42,5 Milliarden Besucher. Die Nutzungsdauer ist kurz: Im Schnitt bleiben Google-User neun Sekunden auf der Webseite. 1998 geht übrigens auch die erste Website des WESER-KURIER online, anfangs noch unter nwn.net.

1999 wird AOL zum größten Internet-Dienstanbieter weltweit. Kultstatus erlangt ein Werbespot mit Tennisprofi Boris Becker („Hä, bin ich da schon drin, oder was? Ich bin drin! Das ist ja einfach!“). Napster wird zum Tausch von Musik-Dateien populär – die Musikindustrie verändert sich dadurch grundlegend.

Ab 2000 ist das Netz, wie wir es heute kennen, (also mit DSL-Anschlüssen), in Bremen verfügbar. Das schätzt Markus Germeier, Leiter des Zentrums für Netze in Bremen. In Hamburg, Berlin, Frankfurt a.M. und anderen Städten gibt es das Netz schon seit 1999. Zuvor war für private Anwender noch das Modem der gängige Weg ins Internet.

2001 wird mit Wikipedia das Mitmach-Web populär: Nutzer schreiben seitdem selbst Beitrage und veröffentlichen sie. 2019 verzeichnet das deutschsprachige Wikipedia rund 2 354 900 Einträge.

2002 nutzen weltweit schon mehr als 500 Millionen Menschen das Internet.

2004 gründet Mark Zuckerberg gemeinsam mit drei Kommilitonen das mit inzwischen 750 Millionen Mitgliedern weltgrößte soziale Netzwerk namens Facebook. In Deutschland sind 2019 rund 32 Millionen Facebook-Nutzer registriert.

2005 startet YouTube, das erfolgreichste Video-Portal im Netz. Das erste Video wurde von einem der Gründer, Jawed Karim, selbst hochgeladen. Der Titel: „Me at the Zoo“. Das meistaufgerufene You-Tube-Video aller Zeiten ist das Musikvideo zu „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee mit aktuell rund 6,35 Milliarden Klicks. 2005 sind mehr als eine Milliarde Menschen im Internet.

2006 „Setting up my twittr.“: So lautet der erste Tweet, verfasst am 21. März 2006 von Jack Dorsey, dem Erfinder des Mikroblogging-Dienstes Twitter.

2007 wird mobiles Websurfen durch Apples iPhone und das Betriebssystem iOS komfortabel. Google konterte ein Jahr später mit seinem Betriebssystem Android. Millionen Menschen nutzen das Internet ab sofort mobil.

2008 eröffnet im Universitätsklinikum Mainz die erste deutsche Ambulanz für Computerspiel- und Internetsucht.

2009 zieht mit dem „Seattle Post-Intelligencer“ die erste große US-Tageszeitung komplett ins Internet um.

2010 besteht das Internet zu etwa 37 Prozent aus pornografischen Inhalten. Das ergibt eine Untersuchung des Software-Unter­nehmens Optenet. Im selben Jahr wechselt die Domain Sex.com für 13 Millionen US-Dollar den Besitzer. Sie steht bis heute im Guinnesbuch der Rekorde als teuerste Domain aller Zeiten.

2012 wird der Online-Dating-Dienst Tinder gegründet. Das Geschäft mit der Liebe boomt: Analysten schätzen, dass der weltweite Markt für Dating-Apps bis 2020 auf zwölf Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen wird.

2017 entsteht weltweit ein Schaden von 172 Milliarden US-Dollar durch Cyberkriminalität im Netz. Das ermittelt Symantec, ein Anbieter von Sicherheitssoftware.

2019 werden in Deutschland für 6,55 Milliarden Euro Frequenzen für den superschnellen 5G-Datenfunk versteigert, der unter anderem der Vernetzung in der Industrie einen Schub geben soll.

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