Erneuerbare Energien Windenergiemarkt steht vor großen Herausforderungen

Windpark-Projektierer wetten auf die Zukunft und setzen auf noch größere und effizientere Anlagen - ein Thema auf der Bremer Windkonferenz Dewek, die bis Mittwoch im Congresszentrum stattfindet.
17.10.2017, 19:57
Lesedauer: 3 Min
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Windenergiemarkt steht vor großen Herausforderungen
Von Peter Hanuschke

Von den Zahlen her ist Windenergie eine Erfolgsgeschichte. Denn in diesem Jahr wurde die Grenze von 500 Gigawatt weltweit installierter Windenergie überschritten. Für Bruce Bailey ist das ein Meilenstein. Der Vizepräsident des international aufgestellten US-Zertifizierungs- und Prüfunternehmens Renewable Energy UL war am Dienstag einer der Sprecher anlässlich der Eröffnung der Windenergie-Konferenz Dewek Bremen im Congresszentrum. Die Messe wird von Renewable Energy UL mitorganisiert.

Damit der Ausbau der Windenergie weiter wachse, „benötigen wir Leute wie Sie“, sagte Bailey ans Fachpublikum gewandt, das sich bis Mittwoch in zahlreichen Workshops über technische Optimierungen für Windenergieanlagen an Land und auf See austauscht. Etwa 60 Aussteller präsentieren sich auf der alle zwei Jahre veranstalteten Dewek-Messe – darunter Lieferanten von Windkraftanlagen, Zertifizierungsstellen, Forschungseinrichtungen, Projektentwickler und Zulieferer.

Branche benötigt neuen Schwung

Eine Fortsetzung der Windenergie in Deutschland hänge aber vor allem von der künftigen neuen Bundesregierung ab, machte Umweltstaatsrat Ronny Meyer in seinen Grußworten deutlich. Sie entscheide darüber, wie es mit der beschlossenen Energiewende weitergehe. Das Ziel sei erst erreicht, wenn die Energieversorgung zu hundert Prozent aus erneuerbarer Energie gewährleistet sei. „Und On- und Offshore-Anlagen sind bei der Energiewende die Leistungsträger.“ Allerdings benötige die Branche neuen Schwung. Statt die Ausbauziele zu deckeln, müsste der Ausbaukorridor schnellstmöglich wieder ausgeweitet werden.

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Die Bereiche Onshore und Offshore seien nach wie vor ein Wachstumsmarkt, teilte das Bremer Marktforschungsinstitut Windresearch auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Allerdings liege der Ausbau weit unter den früheren Erwartungen: Im Bereich Offshore seien die Ziele aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 in der Vergangenheit um 40 Prozent gesenkt worden. Außerdem erfolge der Ausbau von neuen Windparks nach dem aktuellen EEG später als geplant – voraussichtlich erst 2024.

Bei Onshore erwartet Windresearch „ein Hungerjahr“ auf Herstellerseite. Grund dafür seien die Ausschreibungsergebnisse der ersten beiden Ausschreibungsrunden für neue Windparks in diesem Jahr, bei denen 90 Prozent der Zuschläge an Bürgerenergiegesellschaften (BEG) gegangen sind. Für die BEG sei das zwar ein Erfolg, aber im Gegensatz zu großen Projektentwicklern mussten sie für ihre geplanten Anlagen keine Genehmigungen vorweisen und haben längere Fristen für die Umsetzung der Projekte, nämlich bis zu 54 Monate. Die durch Ausnahmeregelungen bedingte Bevorzugung von BEG führe zur Verzerrung des Marktes, so Windresearch.

Verunsicherung auf Hersteller- und Zuliefererseite

Unklar sei zudem, ob überhaupt Genehmigungen erteilt würden, was zu einer enormen Verunsicherung auf Hersteller- und Zuliefererseite führe. Das Institut geht von einer Auftragsdelle aus und vermutet, dass auch der Ausbaupfad mit einem jährlichen Volumen von 2800 Megawatt nicht erreicht wird. Denn in der Regel würde nur etwa die Hälfte der geplanten Windanlagen Genehmigungen erhalten.

Eine weitere Veränderung im Markt sowohl bei Onshore als auch bei Offshore wird aus Sicht von Windresearch durch die extrem niedrigen Werte für die Einspeisevergütung erfolgen, die bei den Ausschreibungen den Zuschlag bekommen hatten: Bei Onshore sind es bekanntlich 3,5 Cent pro Kilowattstunde, bei Offshore sogar nur null Cent. Damit die Rechnung bei diesen künftigen Windparks aufgingen, seien etwa bei Offshore Anlagen mit einer Leistung von 13 bis 15 Megawatt notwendig. Dadurch entstehe ein enormer Forschungs- und Entwicklungsdruck. „Durch diese Entwicklungen besteht inzwischen ein starker Verdrängungswettbewerb, der für viele Marktakteure zu Problemen führt.“

Die größte Offshore-Windanlage hat derzeit acht MW. Allerdings gibt es von dieser Anlage nur einen Prototypen, der für Testzwecke in Bremerhaven beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) steht. Dessen Leiter Andreas Reuter geht davon aus, dass zwar weitere noch größere Anlagen entwickelt werden, aber es gebe ein Ende des Wachstums – allein bei den aus Kohlefaser gebauten Rotorblätter gebe es Grenzen, was die Länge angehe.

Maximal 140 Meter seien möglich, so Reuter, der ebenfalls als Redner bei der Eröffnung der Dewek sprach. Größer gleich günstiger sei zudem nicht die ganze Wahrheit. Die Projektentwickler hätten auf die Zukunft gewettet. Um deren Ziele zu erreichen, müssten etwa 30 Prozent der Kosten reduziert werden. Potenzial sieht Reuter vor allem auch bei der Entwicklung von noch effizienteren Turbinen. „Es müssen insgesamt dicke Bretter gebohrt werden.“ Das zu erreichen, könne nur gemeinsam geschafft werden. Vernetzung, wie sie auf einer solchen Messe möglich sei, sei deshalb ungemein wichtig.

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