Eine Analyse

Zehn Jahre Waterfront: Shopping statt Space Park

Die Waterfront, das Einkaufszentrum auf dem Ex-Werftgelände der AG Weser, wird zehn Jahre alt. Wie sich Shopping-Center in Konkurrenz zum Online-Handel neu erfinden müssen, und warum es heute läuft.
27.06.2018, 21:07
Lesedauer: 4 Min
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Zehn Jahre Waterfront: Shopping statt Space Park
Von Florian Schwiegershausen
Zehn Jahre Waterfront: Shopping statt Space Park

Im Durchschnitt kommen täglich 23.500 Kunden in die Waterfront. An Spitzentagen ist es sogar das Doppelte.

Frank Thomas Koch

Die ersten Kunden kamen als Piraten verkleidet. Der Grund: Damals gab es für die ersten in diesem Kostüm einen Einkaufsgutschein. Im September ist das nun zehn Jahre her. Damals eröffnete das Einkaufszentrum Waterfront in Gröpelingen auf dem ehemaligen Werftgelände der AG Weser. Das Shopping-Center war aus der Not heraus geboren. Denn zuvor hatte im September 2004 der Space Park geschlossen – nach gerade mal zehn Monaten Betriebsdauer.

Die Besucher blieben aus, selbst Werbeaktionen in den Touristenorten an der Nordseeküste konnten das Objekt nicht retten. Eigentlich sollte es eine Mischung aus Freizeitpark und Einkaufszentrum werden. Doch während der Unterhaltungsbereich damals an den Start ging, fand der Einzelhandel auf den dafür vorgesehenen 44.000 Quadratmetern nicht statt.

Nun ist das Jahr 2018, und die Waterfront hat sich als Einkaufszentrum mit eigenem Multiplex-Kino etabliert. Täglich kommen hier im Durchschnitt 23 500 Besucher her. Für Gröpelingen und speziell für das Lindenhof-Viertel sei es ein Gewinn, sagt Stadtteilmanager Lars Gerhardt vom Verein Gröpeling Marketing: "Durch die Waterfront hat Gröpelingen wieder einen Zugang zur Weser bekommen. Das war vorher so nicht."

Von Anfang an gutes Miteinander

Negative Auswirkungen auf die Geschäfte im benachbarten Lindenhofviertel sieht Gerhardt ebenso wenig: "Da haben wir Glück gehabt. Bei anderen Einkaufszentren setzte irgendwann drumherum der Leerstand ein. Hier bei uns im Lindenhofviertel hatte nur irgendwann der Buchladen geschlossen." Heute ergänze man sich gut.

Das liege aber auch daran, dass es im Lindenhofviertel eher Läden für die Nahversorgung gebe – international ausgerichtet. Laut Gerhardt hat sich dort auch die Kundenfrequenz erhöht. Gröpelingen sei urban, es spiele sich viel auf der Straße ab. Die Konkurrenz sieht er auch nicht zwischen kleinen und großen Geschäften: "Heute geht es um stationären Handel gegen Online-Handel."

Das gute Miteinander mit der Waterfront sei von Anfang an gewollt gewesen und heute gebe es so einige aus dem Stadtteil, die im Shopping-Center arbeiten. Gerhardt sagt außerdem, dass man mit der Waterfront im Rücken viel besser agieren könne. Wer ebenso die Entwicklung über all die Jahre verfolgt hat, ist Ulrike Pala, die Leiterin des Ortsamts West.

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"Ich kann mich noch erinnern, wie damals die Rakete für den Space Park aufgestellt wurde", sagt Pala. "Aber damals für den ersten Anlauf fehlte der große Ankermieter. Ich bin echt froh, dass es jetzt so läuft." Der erste große Hype kam, als 2009 in der Waterfront die erste Primark-Filiale Deutschlands eröffnete. Da gab es Fahrgemeinschaften von überall, um zum irischen Billig-Modeladen nach Gröpelingen zu fahren.

"Ich habe mir sagen lassen, dass da damals ganze Reisebusse hinfuhren", so Pala. Sie lobt die Zusammenarbeit zwischen der Waterfront und den örtlichen Vereinen: "Da sponsert die Waterfront auch mal das Feuerwerk für das Feuerspuren-Festival." Die Vereine würden einen Input vom Shopping-Center erhalten und umgekehrt. Und so gebe es auch Synergie-Effekte von der Waterfront in den Stadtteil.

Center-Managerin Kirsten Jackenkroll unterstützt das aktiv – nicht nur, weil sie auch Mitglied bei Gröpeling Marketing ist: "Es geht nur mit den Nachbarn. Und im Stadtteil sind die Menschen positiv kreativ." Was sie nicht nur jetzt zum Gröpelinger Sommer am Sonntag und in den Sommerferien forcieren möchte, ist der Outdoor-Bereich zum Wasser hin. Darum beneidet sie manch andere Center-Manager innerhalb des Unternehmens ECE – Waterfront gehört seit 2015 dazu.

Neue Attraktion: Trampolin-Indoor-Park

Auch ist es ihr wichtig, dass die Weserfähre von Gröpelingen über die Überseestadt nach Pusdorf ihr Auskommen hat. Mit den Sandskulpturen und anderen Aktionen wird in den Ferien das zehnjährige Jubiläum gefeiert. "Sowohl Richtung Wochenende als auch in den Ferien oder an Brückentagen haben wir eine wesentlich höhere Kundenfrequenz", erläutert Jackenkroll, "die Leute kommen hierher und verweilen mehrere Stunden, auch wegen all der Restaurants."

Neue Attraktion wird im Herbst der Trampolin-Indoor-Park "Jump House". Die Center-Managerin erklärt das so: "Das ist die moderne Antwort auf Online-Shopping: eine Mischung aus Shopping, Gastronomie, Erlebnis und Unterhaltung." Vom ehemaligen Space-Park-Gelände stehe auch noch Fläche zur Verfügung für mögliche Erweiterungen.

Das zehnjährige Jubiläum ist für die Center-Managerin derzeit aber leider auch ein Kreuz: Einige Geschäfte stehen gerade leer, weil nach zehn Jahren der Mietvertrag ausgelaufen ist, und die Besitzer nicht verlängern wollten. Neue Mieter gebe es: "Die eröffnen aber erst zum September hin mit der Herbstkollektion", so Jackenkroll.

Und was für Gröpelingen nach einer späten Erfolgsgeschichte klingt, sieht Jan-Peter Halves mit gemischten Gefühlen. Der Geschäftsführer
der Cityinitiative Bremen sagt: "Die Eröffnung der Waterfront war vor zehn Jahren ganz klar ein Einkaufszentrum zu viel für die Region." Das habe damals der Innenstadt Kaufkraft abgezogen.

Das sieht Halves nun etwas differenzierter: "Die Waterfront zieht mit Geschäften wie Primark sehr viel jüngeres Publikum an als die Innenstadt." Auch wenn ein solches Geschäft natürlich auch in der Innenstadt gern gesehen sei, habe sich das über die Jahre so entwickelt. Die Konkurrenz sieht die Cityiniative mehr im Weserpark und bei Dodenhof.

Eine Chance sehen Waterfront-Chefin Jackenkroll und Stadtteilmanager Gerhardt in der neuen Linie 5, die ab April von Gröpelingen über die Überseestadt zum Hauptbahnhof fahren soll. Gerhardt denkt da schon einen Schritt weiter: "Am besten wäre, wenn die Linie 5 sogar bis zur Uni fahren würde. Dann würde Gröpelingen auch für Studierende noch viel attraktiver werden."

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