Grüne Orte: Besucher der Ökologiestation Schönebeck erleben ursprüngliche Natur / Attraktionen für Kinder

Wo die Bäume liegen bleiben

Zu den "grünen Orten" in Bremen zählt auch ein über hundert Jahre alter Laubwald: Auf dem Gelände der Ökologiestation Schönebeck im Bremer Norden können Familien einen ursprünglichen Wald entdecken. Hier wird nicht "aufgeräumt" – umgefallene Bäume laden zum Balancieren ein und Erforschen ein.
28.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Britta Schlesselmann

Zu den "grünen Orten" in Bremen zählt auch ein über hundert Jahre alter Laubwald: Auf dem Gelände der Ökologiestation Schönebeck im Bremer Norden können Familien einen ursprünglichen Wald entdecken. Hier wird nicht "aufgeräumt" – umgefallene Bäume laden zum Balancieren ein und Erforschen ein.

Bremen. Hat Bremen einen Urwald? "Auf dem Gelände der Ökologiestation in Schönebeck gibt es zumindest Teile, die sich in Richtung Urwald entwickeln", sagt Biologin Martina Schnaidt. Hier kann man einen Eindruck davon bekommen, wie norddeutsche Wälder aussehen, wenn sie nicht vom Menschen beeinflusst werden. Eine Besonderheit auf dem Gelände ist die Fülle an verschiedenen Biotopen und Pflanzen.

Das Gelände gehörte im vergangenen Jahrhundert einer Bremer Kaufmannsfamilie, die das Haus Gütpohl bewohnte. "Der Wald hier wird nicht bewirtschaftet", sagt die Biologin. "Wenn ein Baum umfällt, dann fällt er eben."

Zu den umgestürzten Bäumen gehört auch eine riesige Rotbuche. Normalerweise haben Rotbuchen lange Pfahlwurzeln, die tief in die Erde reichen. Sie dienen als "Anker" und zur Wasseraufnahme aus tieferen Erdschichten. Zusätzlich nimmt ein Wurzelnetz unter der Erdoberfläche die Nährstoffe auf. In den ersten Lebensjahren der Rotbuche wurde der Wald noch entwässert – inzwischen sind die Entwässerungsgräben verlandet, und der Grundwasserspiegel ist gestiegen. Da die Rotbuche keine Staunässe verträgt, faulten die langen Wurzeln ab, und ein Sturm fällte den Baum. Heute bietet die Buche vielen Insekten ein Zuhause – und für die Kinder ist sie ein beliebter Kletterbaum geworden.

Wer die Baumriesen im Wald aufmerksam betrachtet, entdeckt viele Spechthöhlen. "Spechte bauen mehrere Höhlen, zum Brüten und zum Wohnen", erläutert Martina Schnaidt. Dabei mögen es die Vögel gerne sauber und ordentlich: Die dreckige Höhle vom vergangenen Jahr kommt bei der Wohnungssuche nicht infrage; in jeder Saison bauen sich die Spechte neue Unterkünfte.

Nicht nur das Klopfen des Spechtes, auch die Geräusche anderer Vögel und Insekten sorgen für einen regelrechten Klangteppich. Wer den Wald ganz genau hören möchte, kann sein Ohr an den Schalltrichter halten, der am Naturerlebnispfad zu finden ist.

Ein Holzsteg auf diesem Pfad führt auch über Feuchtwiesen. Ein Teil der Wiesen wird jedes Jahr gemäht – ein anderer Bereich nicht. "In dem gemähten Stück gibt es eine größere Artenvielfalt", sagt die Biologin. Denn wenn eine Wiese nicht gemäht wird, verschwindet sie bald unter Büschen. Auf einer gemähten Wiese dagegen hätten alle Pflanzen die gleiche Chance, sich zu entwickeln, so Martina Schnaidt.

Die Ökologiestation hat auch einen Barfußpfad. Und an einem Waldxylophon können Kinder Musik auf Baumstämmen machen – das Instrument klingt im trockenen Zustand am besten. Den Kindern gefällt auch die Partnerschaukel für zwei Schaukler. Die Seile sind miteinander verknüpft, und jede Bewegung löst eine andere aus. "So kann man sich auch das Zusammenspiel der Natur vorstellen, bei dem alle Lebewesen eines Ökosystems miteinander verbunden sind", meint die Biologin.

Inmitten des etwa 170 Jahre alten Buchenwaldes liegt ein Garten, der beim Bau der Villa 1911/1912 angelegt wurde. Die Wege wurden seitdem nicht verändert, einige Äpfel- und Birnbäume stammen noch aus der Zeit. Neu ist ein Schnupperbeet: Hier dürfen die Besucher Blätter zerreiben und raten, ob die Düfte an Seife, Suppe, Kaugummi oder Zitrone erinnern.

Die Ökologiestation ist in der Sommerzeit von 7 bis 20 Uhr geöffnet.

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