"Circus Voyage" Zirkus reist mit Wildtieren an

Seit 2011 sind Zirkusse mit Wildtieren in Bremen nicht mehr willkommen – zumindest nicht auf öffentlichem Grund. „Circus Voyage“ kommt dennoch mit exotischen Tieren nach Bremen-Nord.
28.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Denker

Seit Dezember 2011 sind Zirkusse mit Wildtieren in Bremen nicht mehr willkommen. Zumindest nicht auf öffentlichem Grund. So will es die rot-grüne Koalition. Doch die politische Willensbekundung verhindert nicht, dass Unternehmen mit Wildtieren zu einem Gastspiel auf öffentlichem Gelände kommen. Momentan wirbt der „Circus Voyage“ aus Berlin in Bremen-Nord mit Elefanten, einer Giraffe und einem Flusspferd für seine Schau. Sogar ein Nashorn soll auf das ehemalige Brenor-Gelände nach Blumenthal kommen. Das Gelände gehört der Stadt.

Linda Neddermann (Grüne), Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und Initiatorin der Wildtier-Gesetzesinitiative ist sauer. „Das ist politischer Wille. Aber die Verwaltung setzt es wieder einmal nicht um“, ärgert sich die Abgeordnete. Für die Grünen-Politikerin ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen Tierquälerei, weil diese dort nicht artgerecht versorgt werden könnten, wie sie sagt.

Seitdem sich die Bremer Politik 2011 darauf verständigt hat, dass Wildtiernummern in der Hansestadt auf öffentlichem Boden nicht mehr erwünscht sind, habe es trotzdem einige Auftritte von Wildtieren in Zirkussen gegeben, so Linda Neddermann. Warum das so ist, hängt ihrer Einschätzung nach mit juristischen Problemen zusammen. „Das Verfahren für ein Wildtierverbot ist seitens der Behörde nicht richtig abgeschlossen worden“, erläutert die grüne Bürgerschaftsabgeordnete. Was sie nicht verstehen könne, „denn in anderen Kommunen ist das auch möglich.“

Unterstützung erhält Linda Neddermann im aktuellen Fall von der Nordbremer Bürgerschaftsabgeordneten Insa Peters-Rehwinkel (SPD). „Das ist für mich ein Zustand, der überhaupt nicht geduldet werden darf.“ Und einfach würdelos, was ein Zirkus mit Tieren veranstalte.

Das Brenor-Gelände an der Ermlandstraße – wenn es um Anmietungen geht, ist die Großmarkt Bremen GmbH hier Ansprechpartner. Auch der Berliner Zirkusbetrieb „Voyage“ hat dort nachgefragt und um Genehmigung für ein Gastspiel gebeten, bestätigt Thomas Ledwig von der Großmarkt GmbH. Allerdings, so Ledwig, habe das Unternehmen nichts von Wildtierdressuren verlauten lassen. Nach seiner Kenntnis wolle der Zirkus lediglich mit Hengsten anreisen; ansonsten seien Akrobatik-, Wasser- und Stuntman-Nummer angekündigt worden. Sollte es nun so kommen, dass ab 14. Mai auf dem Brenor-Gelände Elefanten und Nashörner grasen werden, wolle die Großmarkt GmbH den Vertrag mit dem Circus Voyage zurückziehen, so Ledwig.

Insa Peters-Rehwinkel findet das richtig. Sie plädiert darüber hinaus dafür, dass bei Vermietungen von stadteigenen Flächen an Zirkusse künftig konsequent nachgehakt werden müsse, ob Wildtiere mit anreisen.

Einer Vertragskündigung durch die Stadt Bremen aber wird der Zirkus womöglich nicht gelten lassen: Bettina Richter vom Tourneemanagement des „Circus Voyage“ beruft sich darauf, dass es, wie sie sagt, „im deutschen Rechtssystem kein offizielles Wildtierverbot gibt“. Selbstverständlich reise der Zirkus mit den Wildtieren an, „es sind ja immerhin unsere Tiere“. Und sie findet, dass die Bremer durch ein solches Verbot sogar „rechtlich benachteiligt werden“. Auf die Frage, ob ihr Unternehmen bei der Anmietung der Brenor-Fläche in Blumenthal die Tierrassen dezidiert aufgelistet habe, meinte Bettina Richter, man zähle bei 80 Tieren eben auch nicht jede Art auf.

An anderer Stelle ist in Bremen der politische Wille zu diesem Thema dann doch Wirklichkeit geworden. Im Sommer vergangenen Jahres zum Beispiel reiste der „Circus Carl Busch“ für ein Gastspiel auf der Bürgerweide an. Seine Elefanten hatte das Unternehmen allerdings zu Hause gelassen. Die Wirtschaftsförderung, die mit der Vermietung der Bürgerweide betraut ist, hatte sich seinerzeit im Vorfeld mit dem Zirkus darauf geeinigt, dass Wildtiere nicht mitgebracht würden.

Im Falle des Brenor-Geländes müsse sich laut Neddermann der Senat die Frage gefallen lassen, warum er den politischen Beschluss noch nicht einmal auf städtischen Grund durchsetze. Die Antwort der Behörde dürfte für die Tierrechtlerin ernüchternd ausgefallen sein: „Es gibt keine Rechtsgrundlage dafür, dass eine Kommune verbieten kann, dass Wildtiere in Zirkussen auftreten“, erläutert Stephanie Dehne vom Gesundheitsressort. Letztlich überprüfe das zuständige Amt – in diesem Fall der Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienst – die Einhaltung der Auflagen. „Dafür ist es unerheblich, ob hier ein Hund richtig gehalten wird oder ein Elefant“, so Dehne.

Bundesweit führen Tierschützer bereits seit mehreren Jahren Kampagnen gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen. Berichten zufolge musste ein Zirkus in München vor knapp zwei Jahren seine Aufführung am Premierentag mangels Publikums ausfallen lassen. 2013 gastierte

„Circus Belly“, der auch Bremen-Nord regelmäßige Besuche abstattete, in Osterholz-Tenever. Der Betreiber hatte für sein Gastspiel ein Privatgrundstück angemietet. Auch hier hatten sich kurz vor der ersten Vorstellung Tierschützer um Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, vor dem Manegenzelt postiert.

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