"Nicht drittes Mal bei 'Extra 3' landen" Zweifel an Entlastungseffekt der Stephanibrücke

Sind die Verkehrsbeschränkungen für die Bremer Stephanibrücke, die seit einigen Monaten gelten, tatsächlich sinnvoll? Darüber wurde am Donnerstag in der Deputation gestritten.
02.11.2017, 20:56
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Zweifel an Entlastungseffekt der Stephanibrücke
Von Jürgen Theiner

Was bringen die Maßnahmen, die vom Verkehrsressort des Senats für die Stephanibrücke angeordnet wurden? Mit dieser Frage sahen sich am Donnerstagabend die Vertreter der Behörde von Senator Joachim Lohse (Grüne) konfrontiert. Angesichts massiver Ermüdungserscheinungen an der Stahlkonstruktion waren im Spätsommer mehrere Einschränkungen sowohl für die Fahrbahn als auch für den Rad- und Fußgängerbereich auf der Unterseite der Brücke verfügt worden.

Für Lastwagen gelten seither auf der Brücke ein generelles Überholverbot sowie ein Mindestabstand von 50 Metern zum vorausfahrenden Lkw im Fall eines Staus. Die Breite der beiden Fußgänger- und Radfahrstreifen wurde mit Bauzäunen von 4,50 auf 2,50 Meter nahezu halbiert. So sollen größere Menschenansammlungen und damit eine Überlastung dieser Ebene verhindert werden.

Abstände der LKWs überwachbar?

Dass eine solche Situation tatsächlich eintreten könnte, daran meldete Ralph Saxe (Grüne) Zweifel an. „Da müssten sich ja 3000 übergewichtige Männer zu einem Flashmob verabreden“, lästerte Saxe. Die halbseitige Sperrung der Fußgänger- und Radfahrerebene sei aus seiner Sicht überflüssig. Das viel realere Problem durch den Schwerlastverkehr auf der Fahrbahn werde dagegen nicht wirksam angegangen, denn: „Das Überholverbot für Lkw und das Abstandsgebot wird nach meiner Wahrnehmung kaum beachtet.“ Eine Entlastungswirkung für die Stahlkonstruktion könne deshalb kaum eintreten. „Wir sollten aufpassen, dass wir mit der Stephanibrücke nicht ein drittes Mal in der Satiresendung ,Extra drei‘ landen“, mahnte Saxe. Da hatte Saxe den CDU-Verkehrspolitiker Heiko Strohmann ganz auf seiner Seite. „Wenn man nicht kontrolliert, ob die Lastwagenfahrer die Abstände einhalten, dann bringen die Schilder nicht viel“, sekundierte Strohmann. Auf ,Extra drei‘ müsse man allerdings nicht viel geben. Dort werde man so oder so durch den Kakao gezogen. „Das können ganz schöne Arschkrampen sein“, fasste Strohmann recht rustikal zusammen.

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Abteilungsleiter Thomas Sauer vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) trat Saxes Darstellung entgegen. Erstens sei es die Pflicht jedes Autofahrers, sich an die Verkehrsregeln zu halten. In welchem Maße das zurzeit auf der Stephanibrücke der Fall sei, lasse sich nicht genau sagen. Zweitens werde mit der rechnerischen Entlastung durch die angeordneten Beschränkungen vor allem Zeit gekauft. Im nächsten Frühjahr solle die Statik des Bauwerks erneut durchgerechnet werden, so dass anschließend möglichst bald Klarheit über die Restlaufzeit der Brücke bestehe. ASV-Chefin Brigitte Pieper will nach eigenen Worten prüfen, ob eine technische Überwachung der Lkw-Abstände möglich ist. Auch die Polizei soll in diese Überlegungen einbezogen werden.

Sowohl Thomas Sauer als auch Senator Joachim Lohse erklärten es zum wichtigsten Ziel, die Nutzung der Stephanibrücke so lange wie möglich zu erhalten. „Sie ist neben der Autobahnbrücke über die Weser die einzige Schwerlastbrücke in Bremen“, so Lohse. Die Häfen und das Güterverkehrszentrum seien auf die Verbindung angewiesen.

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