Pandemiefolgen Hunde und ausgesetzte Katzen: Tierheime an Belastungsgrenze

Als die Pandemie Reisen und Freizeitaktivitäten einschränkte, kauften sich viele Menschen ein Haustier. Doch einige wurden der Verantwortung nicht gerecht. Niedersächsische Tierschützer schlagen Alarm.
17.07.2022, 08:54
Lesedauer: 1 Min
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Von dpa

Zu Anfang der Pandemie haben sich viele Menschen einen Hund, eine Katze oder ein Kaninchen angeschafft, doch jetzt belasten wieder abgegebene Tiere die niedersächsischen Tierheime. „Die Lage in unseren Tierschutzvereinen ist derzeit durchgehend angespannt“, sagte Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen, der dpa. Hintergrund sei die Versorgung von „Corona-Rückgabetieren“. Teilweise müssten auch von Geflüchteten aus der Ukraine mitgebrachte Haustiere vorübergehend untergebracht werden.

Die betroffenen Tiere seien zuvor in der Regel unüberlegt im Internet, im Zoofachhandel oder beim Züchter erworben worden, sagte der Verbandschef. Dagegen hätten die Tierheime bei allen Anfragen in der Corona-Zeit intensiv geprüft, ob der Hund oder die Katze auch nach der Pandemie bei seinem neuen Besitzer bleiben könne. Zu den „Corona-Rückgaben“ zählten häufig verhaltensauffällige Hunde, aber auch Hauskatzen, Kaninchen oder Meerschweinchen.

Derzeit werden Ruhnke zufolge einige Kaninchen und Meerschweinchen einfach ausgesetzt. Auch die Zahl aufgefundener Hauskatzen sei gestiegen. Viele dieser Katzen seien weder kastriert noch gekennzeichnet. „Die fehlende Kastration sorgt für das weitere Problem der unkontrollierten Vermehrung“, sagte der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes. Bei vielen Tierschutzvereinen führe dies zu einer wahren Flut an Katzenwelpen. Es sei auch zu befürchten, dass viele Tiere nach dem Aussetzen verendeten, weil sie niemand versorge. Der Verband fordere eine landesweite Verpflichtung zur Kastration von Hauskatzen, denen Freigang gewährt wird.

Ruhnke befürchtet, dass sich die Situation der in Niedersachsen ohnehin unterfinanzierten Tierheime in den nächsten Monaten noch verschlechtert. Es gebe einen Modernisierungs- und Sanierungsstau, viele Heime seien in Altbauten untergebracht. „Neben der Erhöhung des Mindestlohnes gilt es auch die steigenden Energiekosten zu bewältigen“, sagte der Tierschützer. Für die energetische Sanierung seien staatliche Fördermittel notwendig.

In Niedersachsen gibt es laut Ruhnke rund 100 Tierheime beziehungsweise tierheimähnliche Einrichtungen. Davon seien 60 Einrichtungen im Landestierschutzverband organisiert. Dieser hat 83 Mitgliedsvereine, denen rund 23.000 Tierschützerinnen und Tierschützer angehören.

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