Tarifrunde IG Metall: „Lebensstandard fängt an zu bröckeln“

Lange nicht standen Tarifgespräche in den industriellen Kernbranchen unter einem so hohen Druck wie in diesem Jahr. Nachdem in der Chemie wegen Inflations- und Kriegsrisiken zunächst nur ein Teilabschluss gelang, will die IG Metall ihre Position schon beizeiten klarstellen.
17.05.2022, 07:30
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Die schwierige Balance zwischen Inflationsausgleich für die Beschäftigten und Kostendruck in den Unternehmen wird auch die Metall-Tarifrunde im Herbst entscheidend prägen. Vor einer Sitzung der Gewerkschaftskommissionen für die Gebiete Niedersachsen, Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und Sachsen-Anhalt betonte IG-Metall-Bezirkschef Thorsten Gröger am Dienstag, dass es eine „klare Forderung“ in Richtung deutlich höherer Löhne geben müsse. Die enormen Preissteigerungen seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine brächten Risiken für die Arbeitgeber und Volkswirtschaft. Aber auch die Beschäftigten müssten dringend finanziell bessergestellt werden.

Die Inflation - im April bundesweit bei 7,4 Prozent - versetze die Arbeitnehmer zunehmend in Ängste und Sorgen, erklärte Gröger. „Für viele bedeutet das zunehmend, dass der von ihnen erarbeitete Lebensstandard anfängt zu bröckeln.“ Demgegenüber gebe es immer noch zahlreiche Betriebe, die gute Geschäfte machten und hohe Gewinne erzielten. „Nicht nur die Politik, sondern auch die Arbeitgeber müssen endlich Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und nicht nur gegenüber den Aktionären übernehmen. An der Zapfsäule, im Supermarkt, bei der Nebenkostenabrechnung - der Druck auf die Beschäftigten und ihre Geldbeutel wächst.“ Er müsse endlich sinken.

Ende Juni will die IG Metall ihre konkrete Tarifforderung nach weiteren Beratungen nennen. Bis Mitte September sollen dann die Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie starten.

Gröger wandte sich gegen Mahnungen, die Gewerkschaften müssten wegen der rasanten Teuerung nun umso mehr Zurückhaltung an den Tag legen. Sollte es eine Lohn-Preis-Spirale geben - also ein gegenseitiges Aufschaukeln hoher Tarifabschlüsse und steigender Kosten sowie Verbraucherpreise -, so habe sich diese in eine Preis-Lohn-Spirale umgekehrt. Denn es sei doch „ziemlich deutlich, dass die hohen Preise schon da und keineswegs eine Folge der Entgeltpolitik sind“. Beschäftigte könnte sie zudem nicht wie Unternehmen weitergeben.

Bei der ersten großen Flächenrunde dieses Jahres einigten sich die Tarifpartner in der Chemie- und Pharmaindustrie Anfang April auf eine Übergangslösung. Die Beschäftigten bekommen eine Einmalzahlung von 1400 Euro, aber noch keine dauerhaft wirksame Erhöhung, die in die Entgelttabellen einfließt. Im Oktober soll weiter verhandelt werden.

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