Hannover Schweiß lockt Mücken an

Mücken kommen in den Tropen ebenso vor wie in den gemäßigten Breiten, im Flachland ebenso wie in mehreren Tausend Metern Höhe. Weltweit gibt es Expertenangaben zufolge mehr als 3500 Stechmückenarten.
10.06.2016, 00:00
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Schweiß lockt Mücken an
Von Jürgen Wendler

Mücken kommen in den Tropen ebenso vor wie in den gemäßigten Breiten, im Flachland ebenso wie in mehreren Tausend Metern Höhe. Weltweit gibt es Expertenangaben zufolge mehr als 3500 Stechmückenarten. Noch vor wenigen Jahren hieß es, dass 46 davon in Deutschland heimisch seien.

Inzwischen werden auch höhere Zahlen genannt. Schon lange ist bekannt, dass bestimmte Arten Krankheitserreger übertragen, so etwa das West-Nil-Virus. Doch selbst wenn dies nicht der Fall ist – lästig sind Mückenstiche allemal. Was aber veranlasst Mücken überhaupt, einen bestimmten Menschen oder ein bestimmtes Tier zu stechen? Und vor allem: Wie lässt sich das Risiko, gestochen zu werden, verringern?

Antwort: Wenn Mücken stechen, handelt es sich grundsätzlich um weibliche Tiere. Diese benötigen das proteinreiche Blut, um Eier bilden zu können. An das Blut gelangen sie, indem sie feine Blutgefäße in der Haut mit ihrem Rüssel anstechen. Beim Blutsaugen geben die Mücken Speichelflüssigkeit mit Stoffen ab, die unter anderem bewirken, dass sich Blutgefäße erweitern und die Stichstelle betäubt wird. Mückenmännchen saugen kein Blut. Sie ernähren sich – wie nach der Eiablage auch die Weibchen – von zuckerhaltigen Pflanzensäften.

Wie die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt, spielen Blutgruppe, Alter und Geschlecht für die Wahl der Mückenweibchen keine Rolle. Ob eine Mücke steche oder nicht, hänge vor allem vom Körpergeruch ab. Der typische Geruch entstehe, wenn Schweiß zersetzt werde. Auf Mücken wirke er wie ein Magnet. Besonders die Füße haben auf die Tiere nach Darstellung der Wildtier Stiftung eine große Anziehungskraft. „Wer also einen ungestörten Grillabend genießen will, sollte vorher duschen und frische Socken tragen“, erklärt die Sprecherin der Stiftung, Eva Goris. Auch beim Duschen sei allerdings Vorsicht geboten. Duftstoffe in Duschgels, Seifen oder Shampoos lockten Mücken an. Mit Blick auf diese Tiere sei es ratsam, im Sommer parfümfreie Kosmetika zu verwenden. Auch vom Atemgeruch eines Menschen hängt es Expertenangaben zufolge ab, ob er gestochen wird oder nicht. Menschen, die mehr Kohlendioxid abgeben, werden demnach eher gestochen. Wie viel Kohlendioxid abgegeben wird, hängt von Stoffwechselvorgängen im Körper ab. Mit einer erhöhten Abgabe ist zum Beispiel nach dem Verzehr von Reis zu rechnen. Der Verzehr von Kohl, so heißt es, führe hingegen dazu, dass Mücken fernblieben.

Für Mücken ist es kein Problem, durch eng anliegende Kleidung hindurch zu stechen. Eine Möglichkeit, Mückenstiche zu vermeiden, besteht deshalb darin, im Freien lange Kleidung zu tragen. Je dünner die Kleidung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Insekten durch die Kleidung hindurch stechen. Keinen zuverlässigen Schutz vor Mücken bieten Expertenangaben zufolge ätherische Öle von Zitronen, Lavendel, Minze oder Basilikum. Immerhin aber werde durch sie die eine oder andere Mücke ferngehalten.

Hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze begünstigen die Vermehrung von Stechmücken. Als Orte zur Eiablage nutzen Mückenweibchen in der Regel stehende Gewässer. Dabei kann es sich um Teiche handeln, aber auch um Pfützen oder überschwemmte Wiesen. Nur selten entwickelt sich der Nachwuchs in Uferbereichen von Fließgewässern. Die Weibchen, die vier bis sechs Wochen alt werden können, legen in kurzer Zeit bis zu 300 Eier ab. Die Larven ernähren sich von Mikroorganismen und Stoffen aus dem Wasser. Bis eine junge Mücke fertig entwickelt ist, vergehen bei den klimatischen Bedingungen in Deutschland etwa gut zwei Wochen. Bei höheren Temperaturen verläuft die Entwicklung schneller. Zu den häufigsten Arten in Europa und auch im Raum Bremen/Niedersachsen gehört die Gemeine Stechmücke. Sie hat einen drei bis sieben Millimeter langen schlanken Körper, schmale Flügel und lange Beine.

Um einen besseren Überblick über Mückenvorkommen in Deutschland zu bekommen, haben Fachleute vor einigen Jahren das Projekt „Mückenatlas“ (www.mueckenatlas.de) gestartet. Es gibt interessierten Bürgern die Möglichkeit, Stechmücken einzusenden und von Fachleuten bestimmen zu lassen. Verantwortlich für das Projekt sind das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und das Friedrich-Loeffler-Institut. Nach ihren Angaben war das Interesse an der Stechmückenforschung in Deutschland weitgehend erlahmt, nachdem ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts hierzulande keine Fälle von Malaria mehr registriert worden waren. Der Erreger der Malaria wird durch Mücken übertragen. Neu erwacht ist das Interesse an der Stechmückenforschung erst vor einigen Jahren – nicht zuletzt, weil Arten auftauchten, die früher nicht in Deutschland heimisch waren. Zu den neu hinzugekommenen Arten zählt die Asiatische Tigermücke, von der bekannt ist, dass sie mehr als 20 Arten von Viren übertragen kann. Mit ihr werden Krankheiten wie Chikungunya- und Denguefieber in Verbindung gebracht.

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