Symptome, Häufigkeit, Therapie Was wir über Long Covid wissen

Nach Monaten noch erschöpft oder gar herzkrank? Eine Corona-Infektion kann lange nachwirken. Wir geben eine Übersicht der Symptome, Häufigkeit und Behandlung von Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion.
06.01.2022, 14:22
Lesedauer: 4 Min
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Was wir über Long Covid wissen
Von Patrick Reichelt

Nicht nur akute Symptome, sondern auch die Angst vor monatelangen Beschwerden treibt viele um, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Mittlerweile gibt es auch einige Studien zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Während bei einigen Patienten die Beschwerden eher moderat sind, haut es andere zumindest vorübergehend völlig aus dem Leben. Wir geben eine Übersicht der Symptome, Häufigkeit und Behandlung von Long Covid beziehungsweise Post Covid.

Was ist der Unterschied zwischen Long Covid und Post Covid?

Als Long Covid definieren die deutschen Patientenleitlinien Beschwerden, die länger als vier Wochen nach der Infektion bestehen, als Post Covid, wenn die Beschwerden länger als 12 Wochen nach der Infektion den Alltag einschränken. 

Welche Langzeitfolgen sind nach einer Corona-Infektion möglich?

„Der Wissenszuwachs in den vergangenen Monaten war enorm“, sagt der Mediziner Dominik Buckert vom Universitätsklinikum Ulm. „Das Gesamtbild der Erkrankung ist heute nicht mehr so nebulös, wie es zu Beginn der Pandemie war.“ Die Beschwerden lassen sich demnach grob in zwei Gruppen einteilen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen seien Schäden an Organen wie Herz oder Lunge nachweisbar. Deutlich mehr kämpften mit eher funktionellen Beeinträchtigungen wie einer geringeren Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen oder anhaltenden Riech- und Schmeckstörungen.

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Zu den häufigsten bislang berichteten oder in Studien beobachteten Symptomen gehören laut Robert-Koch-Institut (RKI) außerdem Kopfschmerzen, Atembeschwerden, kognitive Beeinträchtigungen (sog. Gehirnnebel, engl.„brain fog“), depressive Verstimmungen, Schlaf- und Angststörungen.

Welche Rolle spielt dabei das Chronische-Fatigue-Syndrom?

Fatigue gehört zu den am häufigsten auftretenden Symptomen im Zusammenhang mit dem Post Covid-Syndrom. Als Fatigue bezeichnet das Fatigue Centrum der Charité eine Erschöpfung, die im Zusammenhang mit Erkrankungen auftritt. Laut Scheibenbogen kommen bei Post Covid-Patienten häufig auch Kopf- und Muskelschmerzen oder geistige Beeinträchtigungen wie Konzentrationsschwäche hinzu.

Die Behandlung der Patienten mit Fatigue richtet sich an den individuellen Symptomen aus, für die es Behandlungskonzepte gibt. Dazu zählen Reha-Maßnahmen, Physiotherapie, Atemtherapie und Medikamente. „Bei vielen bessern sich die Beschwerden, bei anderen halten sie an“, sagt Carmen Scheibenbogen, Leiterin des Fatigue Centrums.

Wie häufig ist Long Covid?

In den ersten Wochen nach der Erkrankung haben nach derzeitigen Expertenschätzungen etwa zehn Prozent der Covid-Patienten mit anhaltenden Beschwerden zu tun, die direkt auf die Krankheit zurückgehen.

Wie sind die Heilungsaussichten und gibt es bereits Therapien?

Die Heilungsaussichten sind bei vielen Menschen - zumindest auf lange Sicht - gut. „Wenn sich nachweislich ein Organ verändert hat, muss das nicht immer dramatisch sein“, sagt der Mediziner Dominik Buckert vom Universitätsklinikum Ulm. Entzündliche Veränderungen am Herzen etwa könnten zwar den Herzmuskel dauerhaft schädigen, heilten aber häufig vollständig aus. Und: „Es gibt für die Behandlung der Beschwerden etablierte Therapiekonzepte“, sagt Buckert.

Schützt die Impfung vor Long Covid?

Erste Studien zur Schutzwirkung der Impfungen deuten zumindest ein vermindertes Risiko für anhaltende Symptome an. In einer im Fachmagazin „ The Lancet Infectious Disease“ veröffentlichten Untersuchung hatten Forscher Daten aus einer App ausgewertet, über die Covid-Patienten Beschwerden melden konnten. Zweifach geimpfte Menschen klagten nach einer Durchbruchsinfektion deutlich seltener über anhaltende (mehr als 28 Tage nach Infektion) Symptome als ungeimpfte Menschen, häufig ging die Erkrankung ganz ohne Symptome vorbei. Eine zweite, noch nicht veröffentlichte Studie, kommt zu dem Schluss, dass eine zweifache Impfung nach einer Durchbruchsinfektion vor vielen, aber nicht vor allen Long Covid-Beschwerden schützt.

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Wie sieht es bei symptomfreien Corona-Infektionen aus?

Einer Studie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) zufolge, können auch milde bis moderate Krankheitsverläufe mit COVID-19 den Körper schädigen. Patienten hatten laut den Forschern nach überstandener Krankheit vermehrt Beinvenen-Thrombosen. Zudem waren bei ihnen die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren beeinträchtigt. 

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit gibt es Berichte über anhaltende Gedächtnisstörungen oder Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns noch lange nach einer milden Erkrankung. Beobachtet werden Langzeitfolgen selbst bei symptomfreier Infektion - etwa Müdigkeit, Gedächtnisprobleme oder Wortfindungsstörungen – allerdings deutlich weniger häufig als bei schweren Verläufen.

Gibt es Risikofaktoren für Long Covid?

Bestimmte Risikofaktoren könnten Long Covid begünstigen, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dazu zählen demnach ein hohes Alter, sehr starkes Übergewicht (Adipositas) sowie Vorerkrankungen der Lunge und des Herzens. Langzeitfolgen können aber auch bei Kindern, jungen Menschen sowie ohne Vorerkrankung auftreten. Frauen sind stärker vom Erschöpfungssyndrom betroffen.

Sind diese Langzeitfolgen ungewöhnlich?

Langzeiteffekte gibt es laut RKI auch bei anderen Infektionskrankheiten, sie sind also nicht ungewöhnlich. Auch bei ihnen kann es wie bei Covid-19 teilweise Monate dauern, bis der Körper wieder die Form aus der Zeit vor der Ansteckung erreicht. Die Grippe dauert in der Regel fünf bis sieben Tage, doch kann es auch lange und lebensgefährliche Verläufe bis hin zum Tod geben - vorwiegend bei älteren Menschen und Kleinkindern. Eine Impfung bietet oft Schutz.

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In der Regel ist man nach einer ersten Erkrankung lebenslang gegen Windpocken immun. Doch bleiben die Erreger im Körper. Noch Jahrzehnte später können sie reaktiviert werden und bei Erwachsenen mit abnehmender Immunität etwa eine Gürtelrose auslösen. Ungeschützte stecken sich sehr leicht bei einem Erkrankten mit Windpocken an. Daher wird bereits im Kleinkindalter eine Zweifach-Impfung empfohlen.

Etwa sechs Wochen lang ist das Immunsystem nach einer Infektion mit dem hochansteckenden Masernvirus geschwächt. Dabei können weitere Erreger in den Körper eindringen und etwa Mittelohrentzündungen, Bronchitis und Lungenentzündungen auslösen. In den meisten Fällen heilen Masern problemlos aus.

Der Artikel wurde zuletzt am 6. Januar 2022 aktualisiert.

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