Kommentar über Geisterfahrer

Technik soll schützen

Verhindern kann auch moderne Technik die Falschfahrten nicht. Am Ende bleibt der Autofahrer dafür verantwortlich, sich und andere Menschen nicht zu gefährden, schreibt Aljoscha-Marcello Dohme.
05.02.2018, 22:08
Lesedauer: 1 Min
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Technik soll schützen
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Technik soll schützen

Auch wenn sie den Autofahrern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, verringern die Tafeln die Zahl der Geisterfahrer nicht.

dpa

Jahr für Jahr werden etwa 2200 Falschfahrer in Deutschland gemeldet. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. 2016 starben in der Bundesrepublik zwölf Menschen bei Zusammenstößen mit Geisterfahrern. Nach wie vor ist diese Zahl viel zu hoch.

Doch die Behörden scheinen das Problem nur schwer in den Griff zu bekommen. Große Warnhinweise, wie sie beispielsweise in Österreich oder in der Schweiz zu finden sind, gibt es in Deutschland an den meisten Autobahnabfahrten nicht. Dass solche Schilder hierzulande nicht flächendeckend vor Falschfahrern warnen, hat einen guten Grund.

Auch wenn sie den Autofahrern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, verringern die Tafeln die Zahl der Geisterfahrer nicht. Ein Pilotprojekt nach österreichischem Vorbild hat in Bayern gezeigt: Auf der A3 zwischen Deggendorf und der Grenze zu Österreich gab es ohne die Geisterfahrerwarntafeln weniger Falschfahrer als mit den Hinweisschildern.

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Auch in der Schweiz ist die Zahl der Unfalltoten durch die Warnhinweise nicht signifikant gesunken. Die Bundesrepublik geht hier genau den richtigen Weg. Anstatt Systeme aus den Alpenrepubliken zu kopieren, suchen die Behörden nach eigenen Lösungen.

Vielversprechend ist das Projekt „Digitales Testfeld Autobahn“, das das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gemeinsam mit dem Freistaat Bayern initiiert hat. Das System erkennt umgehend, wenn ein Auto die Fahrbahn in falscher Richtung befährt und warnt nicht nur den Falschfahrer selbst, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer via Radio, Navi oder Internet.

Bis dieses Warnsystem vom Test- in den Regelbetrieb übergehen kann, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Denn gänzlich verhindern kann auch moderne Technik die Falschfahrten nicht. Deshalb darf sie nur ein Hilfsmittel sein. Am Ende bleibt der Autofahrer dafür verantwortlich, sich und andere Menschen nicht zu gefährden.

aljoscha-marcello.dohme@weser-kurier.de

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