Rabba regt sich auf über ...

Wilde Pinkler und Müll-Rowdies

Immer mehr Müll und Schmutz in Bremens guter Stube, nicht nur Rathausmauern dienen als öffentliches Pissoir. Darüber regte sich jüngst eine Gästeführerin auf. Und darüber rege ich mich gerne mit ihr auf.
23.06.2016, 12:03
Lesedauer: 2 Min
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Wilde Pinkler und Müll-Rowdies
Von Michael Rabba

Immer mehr Müll und Schmutz in Bremens guter Stube, nicht nur Rathausmauern dienen als öffentliches Pissoir. Darüber regte sich jüngst eine Gästeführerin auf. Und darüber rege ich mich gerne mit ihr auf.

Vor allem im Sommer kann einem der Bummel durch die City echt stinken. Dass diese komische Mauer in Höhe der Bürgermeister-Smidt-Brücke Passanten mit Druck im Kessel als Erleichterungsort anlockt, kann ich vielleicht gerade noch verstehen. Guter Sichtschutz. Aber im Ernst: Wie besoffen, bekifft oder schlicht bekloppt muss man sein, um das Rathaus als Urinal zu missbrauchen? Nun, wohl sehr besoffen, sehr bekifft und vor allem - sehr bekloppt. Auch wenn man von der dort gemachten Politik noch so angepisst ist ...(gut, das ist ein anderes Thema zum Aufregen).

Die Gästeführerin schäme sich für Bremen, war zu vernehmen. Ich schäme mich für meine wild pinkelnden Geschlechtsgenossen. Dass Frauen ..., nein, das kann und will ich mir gar nicht vorstellen (aber wer weiß).

Doch nicht nur im öffentlichen Raum fließt der Nierensaft oft ungeniert und unkontrolliert. Auch in Toiletten in Lokalen, und sind sie auch noch so nett, kann man sich oft nur noch gruseln. Weil es Vollpfosten gibt, in deren Sozialisation Hygiene ein unverstandenes Fremdwort geblieben ist. Und die glauben, dass die Bürste neben der Schüssel nur zur Dekoration dient (oder die erst gar nichts mit einer solchen Bürste anzufangen wissen, weil sie zuhause nie eine benutzen).

Und ja - immer noch drücken Quarzer ihre Kippen auf Klobrillen aus, und immer noch meinen ganz lustige Gesellen, sich mit dummen Sprüchen in den Klos dieser Stadt verewigen zu müssen. "Kevin war hier"? Ja klar, kann man noch riechen und sehen! Zumindest auf den Aborten für die Herren der Schöpfung offenbaren sich Abgründe menschlichen (männlichen) Verhaltens.

Doch Klotüren und -fliesen genügen dem übersteigerten Mitteilungsbedürfnis vieler Zeitgenossen nicht. Es gibt ja jede Menge Hauswände, die man vollsprayen kann. Wer durch das ach so bunte und szenige Viertel spaziert, bekommt zahllose dieser "Gemälde" zu sehen. Auch im Ostertorsteinweg und an vielen anderen Orten in dieser schönen Stadt gibt es massenhaft Anschauungsmaterial.

Nichts gegen ein gut gemachtes und in Abstimmung mit dem jeweiligen Hauseigentümer entstandenes Graffiti. Aber irgendwelche hingesprühten Kürzel und Sprüche sind und bleiben Schmierereien. Urban Art? Was für ein Euphemismus!

Flankiert wird der optische vom anfassbaren Müll. Aber es muss ja heutzutage auch alles "to go" geben. Und so rennen überall Leute mit Pappbechern und Plastikschüsseln durch die Gegend. Ausgetrunken und aufgegessen, aber dummerweise kein Mülleimer in Wurfnähe? Dann eben einfach wegschmeißen, irgendjemand macht den Dreck schon weg? Es ist tatsächlich ganz einfach, ihr Hirnis: Wenn kein Mülleimer da ist, hat man Müll to go - Ziel ist der heimische Abfalleimer.

Apropos to go - für das kleine Geschäft gibt es Urinale to go. Doch halt, diese Empfehlung ist wohl doch keine gute Idee. Dann würde das Müllaufkommen in der Stadt durch weggeschmissene gefüllte Pissbeutel sicher nur noch verschärft.

Alle "Rabba regt sich auf"-Beiträge gibt es in unserem Dossier.

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