Vierte Staffel "Game of Thrones" Erobern ist anders als regieren

Krieg, Machtkämpfe, Blut und endlich auch richtige Drachen – die vierte Staffel von „Game of Thrones“ bietet alles, wofür die Fans die Serie lieben.
06.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Erobern ist anders als regieren
Von Jan Raudszus

Krieg, Machtkämpfe, Blut und endlich auch richtige Drachen – die vierte Staffel von „Game of Thrones“ bietet alles, wofür die Fans die Serie lieben. Neben dem Unterhaltungswert ist sie allerdings auch ein gutes Beispiel dafür, dass Fernsehserien heute fester Bestandteil der Popkultur sind und intellektuelle Debatten anstoßen können.

„Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“ hat eine weltweite Anhängerschaft. Während die Serie des Bezahlsenders HBO in den USA Ende März in die fünfte Staffel geht, ist die vierte Staffel ab 13. Januar erstmals im deutschen Free-TV zu sehen. Die komplexe Serie über den Machtkampf zwischen verfeindeten Adelshäusern war schon immer etwas für anspruchsvolle Fernsehzuschauer. Das bleibt auch in der vierten Staffel so.

Es sind dramatische Zeiten für das Adelshaus Stark aus dem hohen Norden. Nach dem Hochzeitsmassaker am Ende der dritten Staffel ist nichts mehr übrig von ihrer Rebellion. Die meisten Familienmitglieder der Starks sind tot oder verschollen. Ihre Feinde, die Familie Lennister, hingegen scheinen zusammen mit dem Haus Tyrell in der Lage, sich endlich die Kontrolle über den Königsthron sichern zu können.

Mit dem skrupellosen Lennister-Patriach Tywin zurück in seiner Rolle als „Hand“ (Premierminister), scheint endlich jemand in der Hauptstadt Königsmund eingetroffen zu sein, der dem jungen König Joffrey und seinen bösartigen Eskapaden Einhalt gebieten kann. Tyrion Lennister versucht währenddessen in der Hauptstadt seine neue Rolle zu finden, nachdem er auf Geheiß seines Vaters Tywin Sansa Stark heiraten musste. In Essos setzt Daenerys Targaryen ihre Kampagne der Sklavenbefreiung fort, und im Norden ist Jon Schnee gerade noch so den Wildlingen entkommen. Das sind die Startpunkte, von denen aus die beiden Produzenten David Benioff und D.B. Weiss ihre Protagonisten in die neue Staffel schicken.

Und die liefert alles, wofür „Game of Thrones“ bekannt ist. Komplexe Geschichten, blutige Schlacht- und Zweikampfszenen, Dreck, Schmutz, Zynismus und Sex. Recht klar umrissene Handlungsstränge treiben die Erzählung in den verschiedenen Weltregionen voran. In der Hauptstadt Königsmund steht die Hochzeit zwischen dem jungen König Joffrey Lennister und Margaery Tyrell bevor. Unter den Gästen ist ein Prinz aus dem südlichen Fürstentum Dorne, der auf Rache am Haus Lennister sinnt. Die Hochzeit legt die Grundlagen für die Ereignisse in der Hauptstadt in dieser Staffel, bis hin zum gewohnt blutrünstigen Ende.

In Essos muss Daenerys lernen, dass erobern und regieren zwei verschiedene Dinge und Drachen keine Babys sind. Im Norden bereitet sich die Nachtwache auf den Angriff der Wildlinge vor, dazwischen muss der mit seinen Gefühlen ringende Jon Schnee Führungsstärke beweisen. Der Gegenkönig Stannis Baratheon muss nach seiner vernichtenden Niederlage in der dritten Staffel entscheiden, wie sehr er sich auf die magische Macht einer fremden Religion einlässt. Die vierte Staffel ist voller mächtiger und beeindruckender Szenen, mit denen „Game of Thrones“ bei der Umsetzung mal wieder neue Maßstäbe setzt. Aber es sind auch die kleinen Geschichten und besonders die ausgedehnte Reise von Arya Stark und Bluthund Sandor Clegane, die Höhepunkte bilden. Die verbalen Wortgefechte zwischen den beiden sind hervorragend geschrieben und umgesetzt.

Viele der Charaktere durchlaufen in der vierten Staffel einen Wandlungsprozess, manche werden in der fünften nicht wieder erscheinen. Viele ändern ihre Rollen, werden im Spiel um den Thron von Spielfiguren zu Spielern oder legen endlich ihre komplexen Pläne offen. Dabei gibt es allerdings ein paar Abweichungen von der Romanvorlage, die den Machern teilweise heftige Kritik einbrachten. Während Staffel vier viel gelobt wurde, führte eine Sexszene zu langen Debatten zwischen Fans, Journalisten und Serienmachern. Was viele als eine Vergewaltigung sahen, wollten die Produzenten als einvernehmlich verstanden wissen.

Die breite Debatte unterstreicht, wie sehr die „neuen“ qualitativ hochwertig produzierten Fernsehserien Teil der amerikanischen Popkultur geworden sind. Die Fans wenden sich direkt über die sozialen Medien an die Serienmacher und diese reagieren darauf, rechtfertigen sich. Debatten über Themen wie Feminismus, Gewalt, Sex und Politik entspringen heute oft diesen Serien – zum Beispiel kritisieren Feministinnen „Game of Thrones“ oft dafür,l dass Frauen nur als Objekte vorkommen. In der vierten Staffel lobten sie allerdings dann doch einmal eine Szene: Diese habe die sexuellen Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt.

Derzeit wiederholt RTL2 die ersten drei Staffeln von „Game of Thrones“. Am 13. Januar läuft die vierte Staffel an.

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