Aus dem Camp - Teil 1 Hurricane-Kolumne: Auf die Plätze, fertig, Spaß!

Vier Tage mitten drin statt nur dabei. Und mit mittendrin ist gemeint: im Zelt, im Matsch, im Regen. Wie man dabei trotzdem Spaß haben kann, schreibt Alice Echtermann im ersten Teil ihrer Kolumne.
22.06.2018, 12:01
Lesedauer: 2 Min
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Hurricane-Kolumne: Auf die Plätze, fertig, Spaß!
Von Alice Echtermann

Es ist eigentlich witzig. Vier Wochen brannte die Sonne über Norddeutschland, das Gras vertrocknete, die Blumen in den Gärten welkten – und dann kommt das Hurricane. Sturmböen, Regen, plötzlicher Kälteeinbruch mitten im Sommer. Nomen est omen. Alle waren ja gewarnt, trotzdem wird gehadert. Die Frage, weshalb man das Festival bloß so genannt hat – da muss das Wetter ja mies sein – verschafft den Besuchern Jahr für Jahr einen Sündenbock. An Lösungen verzweifeln aber selbst die klügsten Köpfe. Mehr als der Vorschlag, man solle dem Hurricane-Festival einfach einen sonnigeren Namen geben, kam dabei bisher nicht heraus.

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Dicke Tropfen prasseln auf die Windschutzscheibe, als wir uns Scheeßel nähern. Da kommt Freude auf. Am Straßenrand laufen vereinzelte Gestalten, die Schultern gebeugt, nasse Haarsträhnen im Gesicht. Auf dem Zeltplatz dann reißt der Wind Planen aus den Händen, verbiegt Zeltstangen oder nimmt ganze Pavillons mit sich. Keiner hier sieht besonders glücklich aus.

Der Mensch erinnert sich normalerweise besonders gut an negative Dinge. Bei Festivals ist es ganz anders. Jedes Mal wieder verdrängt der Spaß (unterstützt durch Bier, Schnaps und noch mehr Bier) die Tatsache, dass man drei Tage lang keine trockenen Füße hatte. Auf Festivals hat man Spaß – etwas anderes wird gar nicht akzeptiert. Spätestens wenn das Zelt steht, geht der Mensch im Einhornkostüm auf Streife auf der Suche nach Ablenkung. Und davon gibt’s genug. Das Hurricane ist eigentlich ein riesiger Jahrmarkt, mit Riesenrad, Riesenrutsche und einem Animationsprogramm wie im Cluburlaub. Es soll ja Besucher geben, die sich das Line-up vorab gar nicht anschauen. Alles Nebensache, schließlich ist man umgeben von Freunden, Melitta macht Torwandschießen und Red Bull jagt mit Rauch gefüllte Seifenblasen in die Luft. Man trinkt Bier um die Wette, tanzt im Matsch, quatscht stundenlang mit Fremden, ohne sich hinterher an Namen oder Inhalte zu erinnern. Was hängen bleibt: War mal wieder geil.

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Und das ist es auch. Ausnahmslos immer. Warum? Das ist hier doch gar nicht die wichtigste Frage. Sondern die, die am Nachmittag aus den riesigen Musikboxen der Nachbarn dröhnt, und auf die es zum Glück eine einfache Antwort gibt: „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda? Mama laudaaaa!“

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