Datenkolumne Die Schattenseiten des Online-Datings

Die große Liebe findet sich heutzutage immer öfter im Internet. Doch allen Schmetterlingen im Bauch zum Trotz ist Vorsicht geboten. Das Online-Dating birgt auch so manche Gefahr.
09.06.2022, 12:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker

Mittlerweile ist es für viele Paare ganz natürlich und das Normalste auf der Welt, die Partnerin oder den Partner online kennengelernt zu haben. Warum denn auch nicht? Online treffen sich viele Singles auf verschiedenen Plattformen jeweils an einem Ort, man kann seine Interessen teilen und vorab filtern, im Bus oder in der Mittagspause lassen sich schnell einige Nachrichten wechseln und vorab hat man meistens schon eine Fotogalerie des zukünftigen Schwarms zur Hand. Dass Online-Partnerbörsen gut funktionieren, belegen auch die Statistiken vieler erfolgreich im Internet vermittelter Paare. Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2019 geht sogar noch weiter und gibt an, dass jeder dritte Deutsche Dating im Internet betreibt. Doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Um die gefährlichsten Fallstricke beim Online-Dating und wie man sich davor schützt geht es deshalb in dieser Ausgabe der Datenkolumne.

Viele haben es schon einmal erlebt: Man registriert sich neu auf dem Dating-Portal seiner Wahl und kaum dass man sein Profil ausgefüllt hat, gehen schmeichelhafte Nachrichten im Sekundentakt ein. Doch Vorsicht ist geboten, denn schon hier lauern die ersten Gefahren. Man sollte sich zuvorderst überlegen, bei welchem Dating-Portal man sich anmeldet. So gibt es nicht nur Portale für verschiedene Interessen, um Gleichgesinnte zu finden, sondern auch Anbieter unterschiedlicher Größe und Bekanntheit sowie kostenlose und kostenpflichtige Angebote. Hier gilt, dass man sich nicht bei völlig unbekannten oder ungeprüften Seiten registrieren beziehungsweise die entsprechende App herunterladen sollte. Zudem schadet es nicht, vor der Nutzung einen Blick in das Impressum, die AGB und die Datenschutzerklärung zu werfen und wie gut es um den Kundenservice bestellt ist. Manche Portale sind zusätzlich unabhängig geprüft und zertifiziert, zum Beispiel durch den Tüv. Außerdem sollte man einen Blick auf die Kosten des Portals werfen, denn bei dem einen oder anderen „Premium“-Portal kommt schnell ein Jahresabo für mehrere Hundert Euro zustande und vorzeitige Kündigungen gestalten sich oftmals schwierig.

Schon bei der Registrierung sollte ein gutes Dating-Portal sicherstellen, dass die Identität der Mitglieder geprüft wird, um Identitätsdiebstähle und sogenannte Fake-Profile zu enttarnen. Ganz natürlich ist es, dass sich jedermann beim Online-Dating von der bestmöglichen Seite darstellen möchte. Aber manche Mitglieder gehen hier zu weit und laden Fotos von anderen Menschen hoch, die ihnen vermeintlich ähnlichsehen oder schlimmstenfalls ein völlig anderes äußeres Erscheinungsbild haben. Zur Erkennung solcher schwarzer Schafe gibt es kein Universalrezept. Aber Indizien können nicht zueinander passende Fotos oder das Hochladen nur eines einzigen Bildes sein, wobei die- oder derjenige auch auf Nachfragen hin keine weiteren Fotos von sich preisgibt. Manche Suchmaschinen bieten Rückwärtssuchen von Fotos an, um den Ursprung eines Bildes ausfindig zu machen.

Beim Ausfüllen des eigenen Profils sollte man sich vorher genau überlegen, was man mit Fremden teilen möchte und was nicht. Nicht ohne Weiteres online gestellt gehören deshalb Telefonnummern, Anschriften, E-Mail-Adressen oder private Messenger-IDs sowie der Nachname. Auch sollte man sparsam mit den Fotos umgehen, die man teilt. Interessen und Hobbys anzugeben mag zwar wichtig sein, hier jedoch sollte es keine Hinweise auf spezielle Orte oder gar konkrete Vereine geben, in denen man tätig ist. Genau so wenig spielt der Arbeitgeber in öffentlichen Profilen eine Rolle. Aus den Informationsschnipseln lassen sich ansonsten schnell komplette Persönlichkeitsprofile rekonstruieren, selbst wenn der volle Name unbekannt ist.

Vielleicht der wichtigste Tipp: Ein gesundes Misstrauen schadet nie! Obwohl wir online dazu neigen, schneller als im realen Leben Informationen über uns preiszugeben, sollte man sich immer bewusst sein, dass man mit Fremden schreibt, die man noch nie zuvor gesehen hat. Regelmäßig werden Fälle von Dating-Schwindlern bekannt, die das Vertrauen anderer nur ausnutzen, um ihnen Schaden zuzufügen. Bei Kriminellen im Trend ist das sogenannte Romance Scamming: Hier täuschen die Betrüger eine Verliebtheit vor, befinden sich jedoch angeblich in einer finanziellen Notlage und bitten um Geldüberweisungen, die man nie wiedersieht oder vermitteln angebliche Bitcoin-Anlagemöglichkeiten. Damit ist jedoch nicht Schluss: Stalking, Mobbing, Erpressung und das Bedrängen und die Manipulation von Menschen gehören ebenso zum Repertoire der Online-Straftäter. Die Folgen für die Opfer sind oftmals erheblich und reichen vom Verlust ganzer Ersparnisse bis hin zu Schamgefühlen und posttraumatischen Stresssymptomen.

Wenn es denn zu einem Offline-Treffen kommt, ist auch hier Vorsicht geboten, denn nach wie vor begegnet man einem Fremden. Es kommt immer wieder vor, dass auf einmal eine ganz andere Person auftaucht als diejenige, mit der man geschrieben hat. Daher sollten für das erste Date am besten öffentliche und gut besuchte Orte ausgesucht werden. Auch sollte man sich nicht abholen lassen. Sinnvoll ist es überdies, Freunde in die Pläne einzuweihen, damit sie wissen, wo man sich aufhält, und im Zweifel eine feste Uhrzeit zu vereinbaren, zu der man sich über das Handy in jedem Falle zurückmeldet. Auch nach einem gelungenen ersten Date sollte man außerdem besser noch alleine nach Hause gehen, denn so schützt man sich vor Stalking, sollte es später wider Erwarten doch nichts Ernstes werden. 

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