Bundesstraße 51 Entschieden gegen 2+1

Politik und Verwaltung in Bassum sind sich einig: Der Ausbau der Bundesstraße 51 zwischen Bassum und Fahrenhorst ist Quatsch. Entsprechend scharf wurden die Planungen der Straßenbaubehörde kritisiert.
18.06.2021, 11:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Entschieden gegen 2+1
Von Tobias Denne

Bassum. Christiane Weitzel von der Grünen-Fraktion sprach von einem "antiquierten Konzept von Verkehrsentwicklung", Christoph Lanzendörfer (SPD) ist überzeugt, dass die Planungen für den Ausbau der Bundesstraße 51 "im Dunst von Benzingasen verfasst" sein müssten, und Thomas Becker (FDP) räumte zwar ein, dass 2+1 eine gute Lösung sein kann, aber "hier nicht. Das ist einfach eine schlechte Planung." Fraktionsübergreifend begrüßten die Politiker im Bassumer Ausschuss für Stadtentwicklung die Stellungnahme der Verwaltung gegen den geplanten Ausbau der B51 zwischen Bassum und Fahrenhorst.

Wie schon seit mehreren Jahren bekannt, wird vonseiten der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) geplant, die Straße zwischen Diepholz und Bremen auszubauen - der Teil zwischen Klenkenborstel und Fesenfeld soll mit seinen 5,5 Kilometern den dringlichsten Bedarf an einer 2+1-Lösung haben - also an einem Ausbau der Fahrbahnen zu beiden Seiten. Zu Beginn der Planungen Anfang des Jahrtausends sind etwa erhöhte Unfallzahlen und ein Überholdruck festgestellt worden. Der Bund ordnete den Ausbau auf drei Spuren an – mit jeweils zwei wechselnden Überholstreifen je Fahrtrichtung.

Wer schon mal auf der Strecke mit dem Auto (oder besser natürlich mit dem Rad) unterwegs war, wird feststellen: Bei einem Ausbau muss der Versiegelung viel Natur weichen. "Es wird viel Landschaft für wenige Minuten kaputt gemacht. An der Straße stehen gesunde Eichenbäume", betonte Weitzel. Außerdem könne es nicht sein, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen, den Verkehr noch auszubauen. "Da muss etwas passieren", sagte sie.

Es ist vollkommen unnötig,
Millionen von Steuergeldern
für ein paar Minuten auszugeben.
Hermuth Straßburg (Bürger-Block)

Um etwa sieben Minuten Zeitersparnis soll es übrigens gehen, das geht nicht nur Weitzel zu weit, auch den anderen Fraktionen. "Es ist vollkommen unnötig, mehrere Hektar zu versiegeln und Millionen von Steuergeldern für ein paar Minuten auszugeben", machte Hermuth Straßburg vom Bürger-Block deutlich. Schließlich führe die Straße unter anderem durch ein Wasserschutzgebiet und die Wildeshauser Geest. Er wies darauf hin, dass die Grundlage für die 2+1-Planung noch aus dem Jahr 2003 stamme. "Man sollte Daten aktualisieren, ehe man Geld ausgibt", fand er.

Die Kritik am Aus- und Umbau der B51 ist nicht neu, die Bürgerinitiative Nordwohlde-Fahrenhorst, die auch aus Anwohnern an der Straße besteht, moniert seit Jahren die Planungen. Die Stadt Bassum selbst hat sich unter anderem im Zuge des Beteiligungsverfahrens gegen das Vorhaben ausgesprochen. Grundsätzlich wird die Planung für nicht erforderlich gehalten. „Die Notwendigkeit der Straßenbaumaßnahme ist bei Abwägung aller Vor- und Nachteile aus Sicht der Stadt Bassum nicht zu erkennen“, führt Bauamtsleiter Martin Kreienhop in der Stellungnahme aus. 

Lesen Sie auch

Christoph Lanzendörfer erinnerte an den schweren Verkehrsunfall in Stühren vor etwa zwei Jahren, bei dem ein Autofahrer bei durchgezogener Linie im Kurvenbereich und während einer Steigung überholt hatte und mit einer entgegenkommenden Autofahrerin zusammengestoßen war. Die 30-Jährige starb noch am Unfallort. Der Verursacher kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Auch ein Ausbau der Bundesstraße hätte den Unfall kaum verhindern können, denn es gebe genug "Deppen", die trotzdem ständig versuchen wollen zu überholen. "Das Schlimmste an der Planung ist die ohnmächtige Wut", gab Lanzendörfer zu. 18 Jahre seien in der Straßenentwicklung sehr viel Zeit, "wir haben Probleme genug, dieses gehört nicht dazu".

Bereits in der Stellungnahme wird bezweifelt, ob die Ziele des Ausbaus (Verbesserung der Verkehrssicherheit, Steigerung der Verkehrsqualität durch die Reduzierung des Überholdrucks und Erhöhung der Reisegeschwindigkeit) erreicht werden. Für die Sicherheit etwa seien die Überholspuren zu kurz, „um in angepasster Geschwindigkeit überholen zu können“, heißt es vonseiten der Stadt. Ein spätes Einscheren mit hoher Geschwindigkeit könne zu einem erhöhten Unfallrisiko führen. Ob allerdings die Argumente fruchten, das wird zumindest bezweifelt, wie Jürgen Falck (Bürger-Block) sagte: "Die Stadt ist ohnmächtig und die Einwände werden weggewischt." Das Problem ist, dass es sich um eine Bundesstraße handelt und die NLStBV plant.

Die Stellungnahme, die übrigens einstimmig befürwortet wurde, muss noch durch den Verwaltungsausschuss und den Stadtrat. Danach geht sie an den Landkreis Diepholz.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+