Stiftskirche Bassum Der Bremer Ratschor und das Barockorchester spielen in Bassum

Eine wunderbare Aufführung des Bremer Rathschores und des Bremer Barockorchesters in der Bassumer Stiftskirche erinnert die Zuhörer daran, dass die Welt nicht untergegangen ist in der Pandemie.
17.10.2021, 18:10
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Von Dorit Schlemermeyer

Bassum. „Sagen Sie es Ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn weiter: Wir musizieren wieder, Sie können sich wieder auf Konzerte freuen“, appellierte Antonius Adamske an die Besucher in der Stiftskirche. Gerade hatte der künstlerische Leiter den Zuhörern zusammen mit dem Bremer Rathschor, dem Bremer Barockorchester und fabelhaften Solisten eine grandiose Aufführung geboten.

„Der Tag des Gerichts“, ein Alterswerk Georg Philipp Telemanns (1681 - 1767), ein furioses Drama per musica, so das Programmheft, wurde von den Musikern und Sängern in seiner ganzen dramatischen, leidenschaftlichen und schönen Ausdruckskraft dargeboten. Das Publikum applaudierte genauso vehement und erhob sich von den Plätzen, um Sängern und Musikern Anerkennung zu zollen für die erstklassige Aufführung eines Dramas biblischen Ausmaßes, das sich mit nichts weniger als dem Weltuntergang zufriedengibt.

In einem musikalischen Feuerwerk lässt Telemann in vier Betrachtungen den Unglauben und die Vernunft, den Spötter und die Andacht, den Evangelisten Johannes und Jesus persönlich miteinander diskutieren. Und schon in der Ouvertüre kündigen die Posaunen vom jüngsten Gericht. So weiß das Werk in seiner Dramatik von Anfang an zu fesseln, als der Chor der Gläubigen singt: „Der Herr kommt mit vieltausend Heiligen, Gericht zu halten über alle.“ Dann hat der Unglaube seinen Auftritt: „Einst wird die Welt ihr Ende sehen…", gesungen von Frederik Schauhoff (Bass), die Vernunft in Person von Angela Postweiler (Sopran) entgegnet: "Schweig, du jedes Glück Verwüsteter." Dann folgt der Spötter mit dem Schlusssatz: „Was half's? Wir mussten schweigen“, dargeboten von Tenor Michael Connaire. Und wieder antwortet die Vernunft, dieses Mal gesungen von Mezzosopran Magdalena Hinz: „Genug der Schande bloßgestellt, doch wenn, Unglaube, die noch mein Besitz gefällt: O so erröte hier!“ Eine besondere Rolle nimmt die Person von Jesus Christus ein, der nicht als Verzeihender, sondern Strafender auftritt, angekündigt durch den Chor: „Wer ist's? Es ist Jesus! Auf Blitzen getragen, fährt er zum Weltgericht daher.“

Es folgen die zweite, dritte und vierte Betrachtung des nahenden Weltuntergangs und ohne dass es ein Bühnenbild gibt, erschaffen ein hervorragendes Orchester und alle Sänger ein fesselndes musikalisches Szenario, das alle Zuhörer in den Bann zieht, um mit Spannung zu verfolgen, wer den Sieg davon tragen wird. Am Ende feiert das Werk die Erlösten oder „vernünftig“ Glaubenden, sagt die Broschüre und hat damit nichts über das absolut furiose Finale unter Mitwirkung aller Beteiligten ausgesagt, das die Zuhörer so ergriffen hat, dass erst mit kurzer Verzögerung der Beifall losbricht und die Leistungen, auch des künstlerischen Leiters Antonius Adamske, mit stehenden Ovationen auszeichnet.

Angefangen hatte das Konzert mit der Begrüßung durch den Fördervereinsvorsitzenden Knut Lämmerhirt, der sich auch noch mehr Gäste gewünscht hätte, die zum Erhalt der Stiftskirche beitragen und dem Werk eines französischen Komponisten, Jean-Philippe Rameau, der sein Werk „In Convertendo“ als 30-Jähriger komponiert hat. Und auch bei diesem Werk wurden die großartigen Leistungen von Musikern und Sängern vom Publikum gefeiert, ebenso wie das Werk selbst, dessen Komponist seit Ende des 20. Jahrhunderts eine Renaissance erlebt, wie den Spielplänen der Opernhäuser und Konzertsäle zu entnehmen sei, so werde es auch gerade in Oldenburg aufgeführt, erläuterte Adamske nach der Aufführung.

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