Reparatur-Café im Brinkumer MGH Neustart mit neuem Werkzeug

Passend zum Neustart hat das Reparatur-Café im Brinkumer MGH neue Werkzeuge erhalten. Das Geld dafür stammt aus einer Sammlung über die Crowdfunding-Plattform der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Bassum.
10.08.2021, 17:49
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Neustart mit neuem Werkzeug
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Brinkum. Das Reparatur-Café im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) ist eine echte Erfolgsgeschichte. Seit März 2013 reparieren dort fast ununterbrochen ein- oder zweimal im Monat ehrenamtliche Helfer kleine Elektrogeräte, Möbel oder Spielzeug. Nur die Corona-Pandemie machte den Hobbybastlern einen Strich durch die Rechnung. Am Sonnabend, 14. August, soll das Angebot aber wieder starten. Bei ihrem Neuanfang können die Helfer nun auch auf neues Equipment und Werkzeug zurückgreifen.

Das notwendige Geld dafür ist in den vergangenen Wochen über die neue Crowdfunding-Plattform "AWG – bewegt" der Abfallwirtschaftsgesellschaft in Bassum zusammengekommen. Dort hatte sich das MGH mit seinem Projekt beworben. Zustande gekommen ist der Kontakt zur AWG dabei über das Projekt "Spenden statt Entsorgen", berichtet MGH-Leiterin Daniela Gräf. Auch dabei kooperieren das MGH und die AWG. So steht seit Kurzem auf dem AWG-Wertstoffhof an der Margarete-Steiff-Straße 9 in Melchiorshausen ein Behälter für kleine Elektrogeräte. Vor Ort können Menschen entscheiden, ob ihr Gerät komplett entsorgt werden soll oder nicht. Was in dem Korb landet, wird dann über das MGH wieder aufgearbeitet und später über den Flüchtlingstreff B5 an der Bremer Straße in Brinkum an Bedürftige weitergegeben, erzählt Gräf.

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Im Zuge dessen ist sie auf die Crowdfunding-Plattform aufmerksam geworden. Über die Plattform möchte die AWG ökologische und soziale Projekte im Landkreis Diepholz fördern, berichtet deren Sprecher Dominik Albrecht. Erste Erfahrungen mit geförderten Projekten hat die AWG zum Beispiel schon mit dem Reparatur-Café in Bassum gesammelt. Dort wurde ebenfalls Geld für Hilfsmittel gebraucht. Auch die Bürgerparkgesellschaft in Sulingen hat bereits von der neuen Spendenplattform profitiert. Vor Ort war das Geld für einen Mulcher gedacht, so Albrecht.

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Im Brinkumer Reparatur-Café ging es um die Anschaffung von Werkzeug. "Die meister Handwerker haben ihr eigenes Werkzeug", erzählt Bernd Wolff, einer der ehrenamtlichen Schrauber im MGH. Manches habe dem Team aber auch gefehlt. Rund 500 Euro hatten die Handwerker für die Spendensumme veranschlagt, am Ende sind dann sogar 885 Euro zusammengekommen, kann Albrecht verkünden. Darunter fanden sich sogar zwei anonyme Großspender mit 400 und 300 Euro.

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Von diesem Geld sind Wolff und seine Mitstreiter dann einkaufen gegangen. So habe schon lange ein sogenanntes Labornetzgerät gefehlt, erklärt der Ingenieur. "Bei vielen Elektrogeräten, die zu uns gebracht werden, fehlt das Netzteil oder die Batterie", sagt er. Oft könne das Team dann nicht richtig reparieren oder den Fehler finden. Mit dem neuen Gerät können die Helfer nun die mitgebrachten Problemfälle unter Strom bringen und diesen auch messen. "Das wird eine Riesenhilfe sein", sagt Wolff freudig. Des Weiteren haben sich die ehrenamtlichen Schrauber einen vollausgestatteten Werkzeugkoffer und ein sogenanntes Crimp-Tool, mit dem Kabelenden in Hülsen verbunden werden können, gegönnt. Das übrige Geld soll dann für weitere Anschaffungen genutzt werden. "Das Reparatur-Café hat jetzt einen kleinen Kredit bei uns", sagt Daniela Gräf schmunzelnd und bedankt sich für die vielen Spenden.

Das Reparatur-Café erfüllt alle Voraussetzungen für das AWG-Crowdfunding. Da ist zum einen der ökologische Aspekt. "Uns ist der Gedanke der Nachhaltigkeit wichtig", sagt Bernd Wolff. So versuchen die Helfer, alten Geräten neues Leben einzuhauchen. "Ältere Geräte sind meistens einfacher zu reparieren", hat Wolff dabei beobachtet. Oftmals seien es nur kleine Fehler. Die Menschen kommen dabei mit allerlei verschiedenen Geräten ins Reparatur-Café. Auf der Hitliste stehen Radios, CD-Player, Staubsauger, Bügeleisen oder Kaffeemaschinen. "Auch ein Mixer kann einen emotionalen Wert haben", sagt Wolff über die Geräte und die Menschen dahinter.

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Zum anderen erfüllt das Reparatur-Café auch einen sozialen Aspekt. Manche Kunden würden auch einfach zum Schnacken kommen, sagt Bernd Wolff. Dazu gibt es dann einen Kaffee und manchmal wird auch gemeinsam repariert oder gefachsimpelt, erzählt er. Zusätzlich unterstützt das Angebot auch Menschen mit etwas weniger Geld. Und auch der Regionalitätsaspekt sei erfüllt. So kamen die Gäste zum Anfang des Angebots auch mal aus Bremen und von weiter weg nach Brinkum, so Daniela Gräf. "Das Reparatur-Café war geradezu prädestiniert für unser Crowdfunding", sagt auch AWG-Sprecher Dominik Albrecht.

Das Reparatur-Café im Brinkumer MGH an der Bremer Straße 9 startet am Sonnabend, 14. August, wieder mit der Arbeit. Defekte Kleingeräte, Möbel oder Spielzeug können in der Zeit von 9.30 bis 11.30 Uhr abgegeben werden. Dabei sollten die Geräte nur so groß sein, dass sie noch zu tragen sind. Der Einlass ins MGH ist aufgrund der Corona-Pandemie nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete erlaubt. Ein Nachweis muss mitgebracht werden. Innerhalb des Hauses gilt eine Maskenpflicht sowie das Abstandsgebot. Das Reparatur-Café soll ab sofort wieder jeden zweiten und vierten Sonnabend im Monat angeboten werden. Die sonst angeschlossene Näh-Werkstatt kann noch nicht wieder starten, so Daniela Gräf.

Zur Sache

AWG-Crowdfunding-Plattform

Im vergangenen Jahr hat die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Bassum ihre kostenlose Crowdfunding-Plattform "AWG - bewegt" gestartet. Unter www.awg-bewegt.de können sowohl gemeinnützige Institutionen als auch Privatpersonen Spendensammlungen für konkrete Projekte starten. Diese sollen vor allem regionale, soziale und ökologische Hintergedanken haben. Vor Start der Sammlung prüft die AWG das Anliegen. Auf der Internetseite können dann Interessierte über einen Account oder auch anonym für das Projekt spenden, denn das Wort "Crowdfunding" bedeutet so viel wie „Schwarmfinanzierung“ - also die Praxis, dass viele Geldgeber mit kleinen Beträgen eine große Geldsumme zusammenbekommen.

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