Gartenkultur-Musikfestival Lauschiger Sommerabend mit Jazz-Klängen

Die Jazz-Formation Radio Retro hat am Sonntag auf Gut Varrel ein Konzert gegeben. Das Publikum dankte es mit kräftigem Applaus.
08.08.2022, 16:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Jola Horschig

Stuhr-Varrel. Ambiente, Musik, Wetter und Atmosphäre – beim Konzert, das die Band Radio Retro am Sonntagabend auf dem Gut Varrel gegeben hat, passte einfach alles: „Es ist die erste Aufführung, die wir draußen ohne Corona-Einschränkungen durchführen können“, sagte Laura Schriefer, Mitarbeiterin im Kulturbereich der Gemeinde Stuhr. Das stieß auf großen Zuspruch, denn rund 400 Zuhörer und Zuhörerinnen hatten sich auf den Weg gemacht, um die Musik der Hamburger Jazzband zu genießen. Der idyllische Innenhof – eingerahmt von Gutsscheune, Wassermühle und Gutshaus – bildete das perfekte Ambiente für das Konzert und die langsam untergehende Sonne schuf die Basis für einen lauschigen Sommerabend mit Musik.

„Radio Retro gibt es seit mehr als 20 Jahren, in dieser Formation jedoch treten wir seit drei Jahren auf“, erzählte Johannes Hirt. Er spielt Saxofon und ist – wie seine drei Bandkollegen – Berufsmusiker. Hirt arbeitet als Komponist und schreibt zum Beispiel Musik für Filme und Podcasts. Florian Kiehn (Gitarre), Jérôme Lellouche (Schlagzeug) und Henning Schiewer (Kontrabass) musizieren im Alltag unter anderem in Musical-Orchestern. Als Radio Retro spielen sie Jazz- und Soulstücke, Pop-Klassiker und – ihr Name ist Programm – aktuelle Songs im Retrogewand. Auf dem Gutshof zogen sie das Auditorium mit Jazzklängen in ihren Bann.

Jazz ist eine Mischung aus afrikanischer und europäischer Musik und entwickelte sich im Laufe der Jahre aus den Liedern, die die aus Afrika verschleppten Menschen während ihrer Sklavenarbeit auf den amerikanischen Baumwollfeldern sangen. Aus den starken Rhythmen entstanden mit der Tonleiter der europäischen Musik zuerst der Blues und dann unter anderem der Jazz – ein Oberbegriff für unterschiedliche Stilrichtungen wie Bebop, Swing oder Dixieland. Zu den Merkmalen des reinen Jazz zählt die Improvisation, das freie Spielen der Musiker miteinander. „Und genau das lieben wir, weil wir die Stücke frei und spontan spielen und jedes Mal anders entwickeln können“, beschrieb Hirt die Spezialität von Radio Retro.

Die gemeinsame Basis bilden der Rhythmus und das Notenblatt mit Tonart und Akkorden. „Während des Spielens entstehen immer wieder überraschende Variationen und genau das lieben wir.“ Wie faszinierend das sein kann, erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer während des Konzerts hautnah. Auf ihre ganz eigene Weise interpretierten die Musiker unter anderem „Caravan“ von Duke Ellington, den Bossa Nova „Wave“ von Antônio Carlos Jobim und „Lucky Southern“ von Keith Jarett. Das bekannte „Summertime“ von George Gershwin spielte das Quartett mit unerwarteten, fremden und doch sehr gefühlvollen Klängen und jeder Musiker improvisierte das Leitmotiv mit seinem Instrument anders. Man merkte deutlich, dass sie gut aufeinander eingespielt sind und die Spielkunst ihrer Mitspieler sehr wertschätzen. Mal übernahm Johannes Hirt mit dem Saxofon die Führung, mal Florian Kiehn, der mit abwechslungsreichem und teilweise hellem Gitarrenspiel die Parts des normalerweise zu Bands gehörenden Keyboards eindrucksvoll ersetzte. In nahezu jedem Stück beeindruckte jeder Musiker mit einem Solopart, den die offensichtlich sehr jazz-affinen Zuhörerinnen und Zuhörer jedes Mal mit reichem Beifall belohnten. Rund zwei Stunden begeisterten die vier Hamburger Musiker das Publikum, das sich mit kräftigem Applaus für den gelungenen musikalischen Sommerabend bedankte.

Die Veranstaltungen des 19. Gartenkultur-Musikfestivals, das der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen organisiert, finden noch bis zum 28. August statt. Sie umfassen insgesamt 40 Konzerte in 19 Städten und Gemeinden und bieten auch in diesem Jahr eine große Bandbreite an Musikrichtungen: von Pop und Swing über Rock und Jazz bis hin zu klassischer Musik, von Soul und Blues über internationale Folkmusik bis zu Chansons. Das Programmheft liegt in den Mitgliedskommunen des Kommunalverbunds sowie an vielen weiteren öffentlichen Stellen aus und ist auf www.gartenkultur-musikfestival.de einzusehen.

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