Jugendfeuerwehr Stuhr Digitale Feuertaufe

Damit in den Zeiten der Corona-Pandemie der Kontakt innerhalb der Stuhrer Jugendfeuerwehr nicht abbricht, gibt es wöchentliche Online-Dienste: Neben theoretischen Inhalten werden auch Experimente gezeigt.
15.12.2020, 15:52
Lesedauer: 4 Min
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Digitale Feuertaufe
Von Desiree Bertram

Stuhr. Zwei Laptops, jede Menge Kabel und eine auf einem Stativ stehende Kamera sind in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Fahrenhorst bereits aufgebaut. Henrik Hansen, der stellvertretende Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Fahrenhorst, macht die letzten Ton- und Bildchecks, damit alles wie geplant stattfinden kann. Denn die Jugendfeuerwehren der Gemeinde Stuhr bieten allen Jugendfeuerwehrmitgliedern in Pandemie-Zeiten wöchentlich einen einstündigen Onlinedienst an. Am Mittwoch hat der letzte Online-Dienst vor der Winterpause stattgefunden.

Die Heiligenroder Jugendfeuerwehrwartin Melina Waßmann hat einen kleinen Vortrag zu dem Thema „Brennen und löschen“ vorbereitet. Dazu gehören beispielsweise die drei Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig. Die Jugendlichen lernen zudem, wie ein Feuer überhaupt entsteht und auch, wie es wieder gelöscht werden kann. Im Anschluss zeigt Maik Hollwedel, Betreuer bei der Jugendfeuerwehr in Fahrenhorst, Experimente vor der Kamera, um die zuvor theoretisch behandelten Themen aufzugreifen: Erst füllt er Wasser und Spülmittel in einen Behälter und sprüht daraufhin Feuerzeuggas, das Schaum entstehen lässt, hinein. Anschließend taucht Hollwedel seine Hand in das Gemisch, sodass seine Hand komplett davon bedeckt ist. Er hebt die Hand vorsichtig heraus und zündet sie mit einem Feuerzeug an – eine große, helle Feuerflamme rund um seine Hand herum entsteht und erlischt nach ein paar Sekunden wieder. „Die Kinder lernen, dass das Wasser die Hand gleichzeitig abkühlt“, erklärt Hollwedel.

Weitere Experimente zeigt er beispielsweise mit einem Luftballon, der sich mittels eines Kohlenstoffdioxid-Konzentrats aufpustet, und einem Teelicht, dessen Flamme unter einem Glas erstickt wird. „Die Themen sind ganz unterschiedlich, es sind viele neue dabei und auch welche zum Auffrischen“, verrät Waßmann und erklärt, dass sich nicht jedes Thema für den Online-Dienst eigne, weil die Jugendlichen die Inhalte nur erzählt bekommen und nicht mitmachen können: „Themen, die Interaktionen erfordern, sind deshalb nicht geeignet. Aber sehr theorielastige Themen sind auch schwer, weil die Konzentration über den Bildschirm nicht so lange anhält.“

Zudem ist die Situation auch für den Betreuer, der den jeweiligen Dienst gestaltet, sehr anspruchsvoll. Zum einen, weil alle Mitglieder der Jugendfeuerwehren dabei sind und damit auch verschiedene Altersklassen bedient werden müssen. Zum anderen, weil dem Redner die Rückmeldungen der Kinder fehlen, schildert die Jugendfeuerwehrwartin und sagt: „Sonst sieht man entweder Fragezeichen in den Gesichtern, Lachen oder Langeweile und kann darauf eingehen.“ Online haben die Zuschauer nur die Möglichkeit, in einem Nachrichtenfeld Fragen oder Anmerkungen zu schreiben. Dadurch, dass die Echtzeitübertragung aber etwa um eine Minute verzögert bei den Kindern ankommt, sei es manchmal schwierig, die Fragen zuzuordnen, erzählt sie schmunzelnd.

Als im Sommer absehbar war, dass die Corona-Lage länger dauere, haben sich die Jugendwarte Gedanken darüber gemacht, was sie trotz der Umstände anbieten können und wie die Umsetzung aussehen soll, erzählt der Gemeindejugendwart Jens Kleemeyer rückblickend. Daraufhin gab es bereits in den Sommerferien die ersten Online-Abende. Das erste Thema behandelte die „Fahrzeugkunde“ und den Zuschauern wurde über den Bildschirm die Drehleiter aus Brinkum und der neue Rüstwagen aus Groß Mackenstedt gezeigt. Die Online-Dienste kamen gut an und die Anzahl der Teilnehmer stieg an, sagt er und berichtet, dass beim zweiten Lockdown vor Kurzem schnell klar gewesen sei, dass sie wieder diese Dienste anbieten.

„Wir wollen den Kontakt aufrecht erhalten“, sagt Kleemeyer über die Online-Alternative. Dadurch, dass die digitalen Dienste von allen drei Jugendfeuerwehren organisiert werden, sehen die Kinder auch neue Gesichter. Er schätzt, dass rund 70 Stuhrer Jugendfeuerwehrmitglieder am Mittwoch zugesehen haben. In der Woche zuvor war den Jugendlichen die Brandmeldeanlage vorgestellt und ein Alarm simuliert worden. Von den Eltern bekommen die engagierten Feuerwehrleute viele positive Rückmeldungen, freut sich Kleemeyer: „Ihnen hat gefallen, dass überhaupt etwas angeboten wurde. Wir haben Lob und Dank bekommen.“

Normalerweise treffen sich die drei Stuhrer Jugendfeuerwehren Brinkum/Stuhr, Fahrenhorst/Seckenhausen und Groß Mackenstedt/Heiligenrode wöchentlich für zwei Stunden separat für ihren Dienst. Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren lernen theoretische Grundlagen kennen, indem die Betreuer die Themen praxisbezogen aufbereiten – etwa mit Experimenten. Aber auch auf dem Sportplatz findet Programm statt, wie beispielsweise Volleyball und die Jugendfeuerwehrmitglieder nehmen gemeinsam an Wettbewerben teil.

Das alles ist abhängig von den Jahreszeiten, erzählt Kleemeyer: „Es ist wirklich ein sehr breites Hobby. Die Kinder lernen etwas über die Feuerwehr, aber es wird auch mal gebacken oder man trifft sich für Theaterabende.“ Zudem gibt es für dieses Angebot keinen Mitgliedsbeitrag. Die Schnuppertage für interessierte Kinder können derzeit auch nur online angeboten werden. Im Schnitt schließen sich jährlich rund acht bis zehn Jugendliche der Feuerwehr an – coronabedingt fällt dieser Nachwuchs weg. „Die Jugendarbeit ist sehr wichtig. Die Kinder brauchen Beschäftigung und wir bieten eine Abwechslung zum Alltag“, sagt Kleemeyer.

Kontakt ist per E-Mail an jens.kleemeyer@feuerwehr-stuhr.de möglich.

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