Weyher Kriminalstatistik Polizei legt Fokus auf Prävention bei Sexualdelikten

Die Zahl der Straftaten ist in Weyhe 2021 gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Aufklärungsquote gestiegen. Dennoch registrierten die Beamten auch einen Anstieg der Sexualdelikte und der Angriffe gegen Beamte.
23.06.2022, 16:54
Lesedauer: 2 Min
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Polizei legt Fokus auf Prävention bei Sexualdelikten
Von Alexandra Penth

Weyhe. In Weyhe ist es sehr sicher, sagte Domenico Corbo am Mittwoch im Weyher Ausschuss für Ordnung und Soziales. So liegen die Straftaten pro 100.000 Einwohner bei 3700 und damit deutlich unter dem Landeswert von 5899 und dem des Landkreises Diepholz von 4813. Der Chef des Polizeikommissariats in Leeste stellte die Weyher Kriminalstatistik für 2021 vor. Die Zahl der Straftaten betrug 1147 und ist um rund 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Aufklärungsquote verbesserte sich von 62 auf rund 65 Prozent. 

Die Zahl der Rohheitsdelikte, wozu Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit zählen, ist innerhalb eines Jahres um etwa ein Drittel auf 138 Fälle gestiegen. Darunter auch viele Fälle von Nötigung und Bedrängung. Insgesamt kam es 2021 zu neun Raubtaten. "Wir haben hier eine sehr hohe Aufklärungsquote", sagte Corbo. Dreiviertel der Fälle werden aufgeklärt. Einbrüche in Büros, Firmengebäude oder Wohnungen sind während der Corona-Pandemie merklich um 78 Prozent zurückgegangen – ein Hoch habe es dabei zwischen 2016 und 2018 gegeben. Die Zahl der Fahrraddiebstähle hat sich halbiert. Vermögens- und Fälschungsdelikte sind im Bereich Falschgeld um ein Fünftel zurückgegangen. Jedoch hat sich ein ganz neues Kriminalitätsfeld eröffnet. "Um 72 Prozent sind die Fälle der Urkundenfälschung gestiegen", sagte Corbo. Dies war häufig im Zusammenhang mit gefälschten Impfzertifikaten der Fall. Viele Apotheken und Bürger hätten ihren Verdacht mitgeteilt. Laut Corbo werde "jeder Verstoß zur Anzeige" gebracht. 

Während der Pandemie hat es auch vermehrt Situationen gegeben, in denen Widerstand gegen Beamte geleistet wurde. 24 Fälle gab es in Weyhe 2021. "Das heißt, dass alle zwei Wochen jemand von Gewalt betroffen ist." Der Fall der erschossenen Polizeibeamten in Kusel hatte auch auf der Leester Wache große Betroffenheit ausgelöst. "Unsere Kollegen machen solche Verkehrskontrollen zig mal am Tag", verdeutlichte Corbo. Mit den jungen Kollegen, die frisch von der Akademie kommen, seien viele Gespräche geführt worden. Auch Bürger hatten ihre Anteilnahme ausgedrückt und Karten auf die Wache gebracht. Andererseits sei die Dienststelle im März mehrfach mit Eiern beworfen und das Trafo-Haus vor der Wache mit Hassparolen beschmiert worden. 

Sorge bereitet der Polizei auch die Zunahme von Sexualdelikten. 2021 waren 69 Opfer sexueller Gewalt registriert worden. Die Dunkelziffer sei hier sicherlich hoch, sagte Corbo. Die Aufklärungsquote ist bei den Delikten wiederum hoch mit 97 Prozent. Zumeist befinden sich die Täter im sozialen Nahbereich des Opfers. Die Polizei möchte daher intensiv in die Prävention einsteigen und Opfern und deren Umfeld Hinweise geben, welche Rechte sie haben. Die Weyher Polizei hat von einer Regisseurin einen Präventionsfilm erhalten, der nun insbesondere in den neunten Klassen gezeigt werden soll. Darin werden sexuelle Gewalt, Übergriffe und das Recht am eigenen Körper thematisiert. "Wir zeigen 15 Minuten den Film und sprechen dann einzelne Szenen durch", erklärte Corbo den Ablauf im Schulunterricht. Derzeit läuft bereits eine Zusammenarbeit mit den Kooperativen Gesamtschulen (KGS) in Weyhe, an die in Stuhr will die Polizei noch herantreten. Corbo könnte sich vorstellen, das Präventionsprogramm künftig mit Verbündeten noch weiter auszubauen.

Der Polizeichef appellierte angesichts der zunehmenden Hasskriminalität an die politischen Vertreter, bei Hasskommentaren und Bedrohung im Netz die Beamten zu kontaktieren. "Das, was Sie sich privat nicht gefallen lassen müssen, müssen Sie sich auch nicht in Ausübung Ihres Mandates gefallen lassen."

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