Mittagessen in Kitas und Schulen

Bio-Catering ist beliebt

Immer mehr Kinder und Jugendliche essen mittags außer Haus, in der Schule oder Kita. Das Angebot an Bioessen ist dabei nicht sehr groß. Wie sieht es in Lilienthal aus?
26.02.2018, 10:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Irene Niehaus
Bio-Catering ist beliebt

Immer mehr Kinder essen mittags in der Kita oder Schule. Die Einrichtungen in Lilienthal gehen bei der Versorgung unterschiedliche Wege.

DPA

Fertigflocken und Soßen aus der Tüte? Bloß nicht. Auch Konservierungsstoffe, Tiefkühlware und Geschmacksverstärker haben bei Dorothea Reckers keine Chance. „Die Kinder sollen ein gutes, schmackhaftes Bio-Essen bekommen“, sagt die 57-Jährige. Sie arbeitet in der Küche des Niels-Stensen-Hauses, das in Lilienthal Kindergärten und eine Schule mit Mittagessen versorgt.

Jeden Morgen ab 7 Uhr steht die Hauswirtschaftsmeisterin mit ihrem Team in der Küche und verarbeitet biologische Produkte. An diesem Morgen schälen sie Erdäpfel für Kartoffelbrei, backen gesunden Lachs, stellen verschiedene Öko-Salate zusammen und bereiten Vanillecreme zu. Dorothea Reckers, Koch Hansa De Silva und ihre anderen Kollegen von der Behinderteneinrichtung machen alles von Hand. Soll es Bratensoße geben, setzen sie sie aus Knochen selbst an, Schwein, Huhn oder Rind sind Bio, meist aus der Region, die Milch und Milchprodukte liefert eine Lilienthaler Hofmolkerei.

Ob Fleisch, Kartoffel, Gurke oder Möhre – in der Behinderten-Einrichtung wird nur verarbeitet, was nachhaltig erzeugt wurde und ökologisch vertretbar ist. Die Produkte kommen von zertifizierten Bio-Erzeugern. „Es ist schon ein Unterschied, Bio schmeckt man raus, es ist intensiver im Geschmack“, sagt Werkstattleiterin Dorothea Reckers. Im Sommer kommt das Gemüse auch aus dem eigenen Garten.

Ernährung als Teil der Pädagogik

Immer mehr Kinder und Jugendliche essen mittags außer Haus. Mehr als zwei Millionen Kinder im Vorschulalter stillen mittags ihren Hunger nicht zu Hause, sondern in der Kita, hinzu kommt die wachsende Zahl der Schüler in Ganztagsschulen, die ihr Mittagessen in der Schulmensa bekommen. Das Angebot an Bioessen ist dabei nicht sehr groß.

Die Hansestadt Bremen will den Anteil von Bio-Lebensmittel in den städtischen Einrichtungen erhöhen. Schulen und Kitas sollen bis 2022 ihre Gemeinschaftsverpflegung zu 100 Prozent auf Bio umstellen. Die schrittweise Umstellung auf Öko-Produkte soll nicht nur einer ausgewogenen Ernährung dienen, sondern wendet sich laut Senat auch gegen die Massentierhaltung mit ihren negativen Folgen für das Grundwasser oder Klima.

Die Gemeinde Lilienthal überlässt es ihren Kindergärten und Schulen, ob sie Bio-Produkte oder konventionell erzeugte Lebensmittel auf die Teller bringen. „Die Debatte wie in Bremen hatten wir noch nicht“, sagt Fachbereichsleiter Andreas Cordes. Die Wende hin zu biologischen und regionalen Produkten war innerhalb der anthroposophischen Ausrichtung des Niels-Stensen-Hauses jedoch nur konsequent.

Teil der pädagogischen Ausrichtung

„Die Qualität der Produkte und die Zubereitung haben bei uns einen großen Stellenwert“, betont Dorothea Reckers. Alles sei frisch zubereitet, alles auf den Punkt gegart. Zu ihrem Team gehören der Koch, eine weitere Hauswirtschaftsmeisterin, Küchenangestellte und Werkstattkollegen. „Auch unsere betreuten Kollegen achten sehr auf Qualität“, weiß Dorothea Reckers, die auch eine Ausbildung als Fachkraft für Arbeit- und Berufsförderung hat.

Sie und ihre Kollegen geben jeden Tag rund 250 Essen aus, davon rund 190 an Kinder. Das Konzept ist so erfolgreich, dass im Moment alle Kapazitäten erschöpft seien, sagt Dorothea Reckers. Ihre Küche beliefert die Worphauser Schule, den Kindergarten Langenmoor in Grasberg, die Kita am Wald, den Waldorfkindergarten, die Kindergärten Wiesenbuttjer und Frankenburg und gelegentlich den St. Marien-Kindergarten.

Die Stiftung Leben und Arbeiten bringt das Essen in 86 Grad warmen Boxen. Die Kindergärten und die Schule wissen das Essen, das drei oder 3,50 Euro kostet, zu schätzen. „Ernährung ist uns sehr wichtig, sie ist Teil unserer pädagogischen Ausrichtung“, sagt Susanne Böhnke, Leiterin des Wührdener Kindergartens Wiesenbuttjer und der Kita Frankenburg. „Kinder sollten so aufwachsen, dass sie den Wert von Lebensmitteln schätzen lernen und dass auch Qualität wichtig ist.“

Möglichst hoher Grad an Naturbelassenheit

Das sieht Minou Hamedani, Leiterin des Trupermoorer Kinderkahns, genauso. In der betriebseigenen Küche der Kita kümmern sich Mitarbeiterinnen um die Umsetzung des Speiseplans. Im Mittelpunkt stehe eine gesunde, ausgewogene und kindgerechte Ernährung, es sei eine Mischform von überwiegend konventionell und biologisch erzeugten Lebensmitteln.

„Wenn alles Bio sein soll, wäre das teurer“, sagt Hamedani. Eine Mahlzeit kostet in ihrer Kita zwei Euro. Die Grundschule Trupermoor und mehrere Kindergärten lassen sich von der Freundlichen Küche der Diakonischen Behindertenhilfe Lilienthal beliefern. Bei der Zu­be­rei­tung ihrer Es­sen setzt sie Le­bens­mit­tel mit ei­nem mög­lichst ho­hen Grad an Na­tur­be­las­sen­heit ein.

"Wir sind sehr zufrieden"

„Wir verarbeiten neben konventionell erzeugten Produkten auch Bioprodukte“, berichtet Küchenleiter Thomas Brüger. Gemüse komme unter anderem vom Großmarkt Bremen. Gerade stecke er aber in Verhandlungen mit einem Bio-Großverbraucher-Service in Uelzen, der Produkte aus kontrolliert-ökologischem Anbau liefert. Tiefkühlware kommt bei Brüger durchaus in die Töpfe, „sie ist ja meistens frisch vom Feld“.

Für den Caterer haben sich unter anderem die Kindergärten Schatzkiste und Schoofmoor sowie der Kindergarten Seebergen entschieden. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Tanja Bode-Mehrtens, Leiterin der „Lüttjen Lüüd“. Die Grundschule Falkenberg und die IGS Lilienthal/Grasberg werden von der gemeinnützigen Teufelsmoor-Gastronomie GmbH, einem Unternehmen der Maribondo-Stiftung, mit der warmen Mahlzeit versorgt, die aus einem kleinen Öko-Anteil besteht, zwölf bis 15 Prozent, sagt Denis Götze, Gruppenleiter und Küchenmeister der Stiftung. „Wir beziehen nahezu alle Lebensmittel von Edeka“, so Götze.

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