Bauausschuss Lilienthaler Politiker stimmen gegen Erdgassuche

Klarer hätte das Votum nicht ausfallen können: Über alle Parteigrenzen hinweg ist sich der Bauausschuss der Gemeinde Lilienthal darüber einig, dass die Nutzung der Gemeindestraßen für die Erdgassuche tabu ist.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Lilienthaler Politiker stimmen gegen Erdgassuche
Von Silke Looden

Eigentlich waren sich alle einig und doch schlug die für Anfang kommenden Jahres geplante Erdgassuche durch die Deutsche Erdöl AG (Dea) in Lilienthal am Montagabend Wellen im Bauausschuss der Gemeinde. Aufmerksam verfolgten zahlreiche Zuschauer die Debatte im Ratssaal. Einstimmig votierten die Bauausschussmitglieder dafür, die Erdgassuche – soweit es in ihrer Macht steht – zu verhindern. Konkret wollen sie die Sondernutzung der Gemeindestraßen für die Erkundung verweigern.

„Wir sind uns einig, dass wir versuchen wollen, die seismische Messung in der Gemeinde zu verhindern“, betonte der Ausschussvorsitzende Pascal Holz (CDU). Hanno Dehlwes (Grüne) forderte die Ratsmitglieder auf, eine Petition an das Land Niedersachsen zu richten, damit das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Genehmigung für die Durchfahrt der sogenannten Vibro-Trucks nicht erteilt. Mit den Spezialfahrzeugen werden Schwingungen in den Boden geschickt, deren Echo am Ende eine Art Ultraschallbild vom Untergrund ergibt und so Hinweise auf etwaiges Erdgasvorkommen in der Tiefe liefern.

„Erdgas ist eine Brückentechnologie. Das weiß auch die Dea“, erklärte Reinhard Seekamp (Die Linke). „Wir wollen für den kurzfristigen Profit nicht die langfristigen Folgen tragen.“ Er forderte die Ratsmitglieder von CDU und SPD auf, auf die Abgeordneten im Landtag und im Bundestag hinzuwirken, damit diese die Region im Kampf gegen die Erdgasindustrie unterstützen. Marcel Habeck von der CDU betonte, dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt seit Jahren an der Seite der Erdgasgegner steht. Ingo Wendelken von den Querdenkern indes unterstrich, dass es in Niedersachsen politischer Wille sei, heimisches Gas zu fördern. „Wir haben keine Hoheit über die Landesstraßen“, so Wendelken mit Blick auf die Seeberger Landstraße, über die die Dea ihre Trucks schicken will.

Einfache Bohrung sei kein Fracking

SPD-Ratsfrau Andrea Vogelsang stellte klar, dass eine einfache Bohrung etwas anderes sei als Fracking. Beim Fracking wird Erdgas mithilfe von Wasser und chemischen Zusätzen aus Gesteinsporen gepresst. Sie lobte die Bevölkerung für ihr Engagement: „Die Menschen haben den Protest in sehr kurzer Zeit organisiert. Das ist beeindruckend.“ Eine Bürgerinitiative hat sich bereits gegründet, und an den Straßen stehen rote Kreuze, die vor der Erdgasindustrie warnen. „Es ist nicht einzusehen, dass in Lilienthal gebohrt wird“, unterstrich Rolf Nordmann (SPD). „Wir hier im Norden haben genug regenerative Energie.“

Ralf Gohlisch von der CDU betonte, dass bis heute nicht klar sei, ob die Erdgasförderung der Grund für die Häufung der Krebserkrankungen im Raum Rotenburg sei. Er erklärte: „Solange nicht klar ist, ob es gesundheitliche Bedenken gibt, sollten wir alles gegen die Erkundung durch die Dea tun. Wenn das Land der Dea die Genehmigung erteilt“, so Gohlisch, „müssen wir eben dagegen vorgehen. Das geht gar nicht.“

Bislang kein Antrag auf Sondernutzung

Hanno Dehlwes erklärte, dass die Grünen nicht grundsätzlich etwas gegen die Erdgasförderung hätten. Unter den fossilen Energieträgern sei Erdgas eine sauberere Energie. „Aber wir leben hier in einem dicht besiedelten Gebiet. Das ist etwas anderes, als wenn im mittleren Westen der USA gefrackt wird“, unterstrich er. In den Nachbarlandkreisen Verden und Rotenburg habe es bereits Erdbeben gegeben. „Das ist nicht tragbar.“ Außerdem, so Dehlwes, verlängere das Fracking die Erdgasförderung nur um ein paar Jahre. Fossile Energieträger seien nun einmal endlich.

Bauamtsleiter Stephen Riemenschneider erklärte, dass der Rat nur in Bezug auf die Gemeindestraßen eine Durchfahrt der Messfahrzeuge verhindern könne. Dafür müsse die Dea eine Sondernutzung beantragen, das habe der Landkreis Osterholz klargestellt. „Der Antrag auf Sondernutzung liegt uns noch nicht vor“, so Riemenschneider. Einstimmig beschloss der Bauausschuss, der Dea die Genehmigung für die Durchfahrt der Vibro-Trucks auf Lilienthals Straßen zu verweigern. Eine entsprechende Empfehlung geht nun an den Gemeinderat, der am 11. Dezember tagt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+