Kampagne gestartet

Kommunen werben für Wasserstoff

Der Kreis Osterholz wirbt mit einigen Partnern für Wasserstoff als Energieträger. Großformatige Beschriftungen kommunaler Fahrzeuge weisen auf eine neue Internet-Seite hin, die Projekte und Nutzungen vorstellt.
12.10.2021, 19:00
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Kommunen werben für Wasserstoff
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Das Thema Wasserstoff soll raus aus den Hinterzimmern und Expertenzirkeln: Der Landkreis Osterholz wirbt mit einigen Partnern seit dieser Woche für einen "Energieträger der Zukunft". So steht es auf den großen Aufklebern mehrerer Kommunalfahrzeuge sowie auf einer neuen Internet-Website namens www.h2ohz.de. Dort soll in einfachen Worten erklärt und aufgeklärt werden, was es mit der Technologie auf sich hat und wie sie in der Region künftig genutzt werden soll. "Wir wollen ein Leuchtturm für die Wasserstoffwirtschaft in der Region werden", bekräftigte Landrat Bernd Lütjen beim Fototermin.

Er verwies auf die geplante Bioabfallvergärungsanlage, die um eine Wasserstoff-Produktion mit -Tankstelle erweitert werden soll, sowie auf den Kauf eines Abfallsammelfahrzeugs mit Brennstoffzellenantrieb. "Wir sind Wasserstoffregion", bekräftigte Osterholz-Scharmbecks Bürgermeister Torsten Rohde. "Wenn wir nicht Werbung dafür machen, wer denn sonst?" Damit spielte er an auf den Landkreis-Vorsitz im Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung (Artie): Die elf Landkreise im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg, die darin organisiert sind, bilden zusammen mit den Kammern zwischen Elbe und Weser das Wasserstoffnetzwerk Nordost-Niedersachsen (H2-N.O.N.).

Die neue Kampagne soll Lütjen zufolge gegen mögliche Vorbehalte und Unsicherheiten wirken: "Wir wollen die Menschen mitnehmen, damit sie sich informieren können, was nötig ist und was möglich ist." Die Beteiligten setzten dabei wegen des Klimaschutzes auf Wasserstoff aus erneuerbaren Energien, also grünen Wasserstoff. "Wir haben auf dem Feld ordentlich was vor", so der Landrat. Dafür werben nun ein Sprinter des Schwaneweder Bauhofs, ein Kontrollfahrzeug der Kreisstraßenmeisterei, ein Müllauto der Abfall-Service Osterholz Gmbh (Aso) und eine Straßenkehrmaschine der Stadt Osterholz-Scharmbeck.

Erste Weichen gestellt

Mit einer B-Plan-Änderung und dem Flächenangebot im Gewerbepark Heilshorn ebne die Kreisstadt der Vergärungsanlage den Weg, erklärte Torsten Rohde. Es sei denkbar, dass die Stadt in ein paar Jahren auch Teile des Lkw-Fuhrparks auf Wasserstoffantrieb umstelle, der heute noch mit Diesel fährt. Aso-Geschäftsführer Christof von Schroetter sagte, die Aso bekomme dank üppiger Bundesförderung das erste Müllauto mit Wasserstoff-Komponente bereits im nächsten Jahr geliefert; Ende 2023 werde die Vergärungsanlage in Betrieb gehen. Diese werde so viel Biomethangas für die Netzeinspeisung produzieren, dass ein Teil davon ab 2024/25 für die Wasserstoff-Umwandlung abgezweigt werden könnte.

"In drei oder vier Jahren sind wir soweit", glaubt von Schroetter, der gerade den Zuschussantrag für ein zweites Wasserstoff-Müllauto vorbereitet. "Das wird dann etwas ganz Normales sein." Daher lautet die Fahrzeugaufschrift der neuen Kampagne: "Nächster Halt 2025". Aso-Kraftfahrer Sebastian Rychert teilt den Optimismus seines Chefs. Die Wasserstoff-Brennstoffzelle macht die Elektromobilität aus seiner Sicht erst rund, wenn die Erzeugung auf erneuerbaren Energien beruhe. "Dann entsteht ein Kreislauf", so Rychert.

Emissionsfrei zum Vorgarten

Aso-Geschäftsführer von Schroetter ist sicher: Die Müllabfuhr in Wohngebieten, die mit Lärm und Abgasen einhergehe, werde dank Emissionsfreiheit und Rekuperation des E-Antriebs zu einer sauberen Sache: "Für das Stop-and-go brauchen wir im Moment 30 Prozent des Energieeinsatzes", so das Argument. Der grüne Wasserstoff verlängere die Reichweite auf 150 Kilometer und das sei für eine Tagestour allemal ausreichend. Zumal die Fahrzeugbatterie bei der Mittagspause an einer Schnellladesäule nach 30 Minuten schon wieder bei 80 Prozent sei.

H2-N.O.N.-Regionalmanager Jan-Eicke Meyer unterstrich, allmählich werde ein sperriges Thema sinnlich fassbar. Wasser auf die Mühlen des grünen Lastverkehrs könnte aus einer Studie kommen, die in dieser Woche veröffentlicht werden soll.

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