Serie „Mein Traumteam“

Der Typ aus der Telefonzelle

Fast jeder Mannschaftssportler hat viele gute Mitspieler gehabt. In unserer Serie „Mein Traumteam“ bitten wir ehemalige oder noch aktive Sportler, ihre beste Truppe zusammenzustellen. Heute: Bülent Kurtulus.
08.03.2021, 09:23
Lesedauer: 6 Min
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Von Tobias Dohr und Bülent Kurtulus
Der Typ aus der Telefonzelle

Der Ball war sein Freund: Bülent Kurtulus (links) im Sommer 2001 im Trikot des FC Worpswede.

ERWIN DUWE

Als sich Bülent Kurtulus im Sommer 2015 aus der hiesigen Fußballszene zurückzog, da konnten sich die wenigsten vorstellen, dass der damals 42-Jährige nicht über kurz oder lang ohnehin wieder irgendwo auf der Trainerbank landen würde. Zu eng waren die Verbindungen in den Landkreis Osterholz und zu den Vereinen, zu gut der Ruf des besonnenen Coaches, der sowohl beim TSV Eiche Neu Sankt Jürgen als auch beim SV Lilienthal-Falkenberg bewiesen hat, dass er Mannschaften entwickeln kann. Doch jener Sommer 2015 markierte tatsächlich das Ende einer 21-jährigen Ära als Spieler oder Trainer. Kein Wunder also, dass ein ziemlich buntes Sammelsurium herausgekommen ist, nachdem wir Bülent Kurtulus gebeten haben, einmal seine ganz persönliche Traumelf zusammenzustellen. Selbst ein Deutscher A-Jugend-Meister und ein ehemaliger Bundesliga-Profi sind mit dabei.

Tor

Mehmet Özkul: Anderthalb Jahre habe ich mit Mehmet beim FC Worpswede Anfang des Jahrtausends zusammengespielt. Er war damals gerade 20 Jahre alt und war kurz zuvor mit der A-Jugend des SV Werder Bremen Deutscher Meister geworden – und man hat auch gesehen, warum. Ein vergleichbares Torwarttalent habe ich danach kein zweites Mal in meiner Laufbahn erlebt. Normalerweise sagt man ja, der Fünfmeterraum gehört dem Torwart. Bei Mehmet war es der ganze Sechzehner. Er hatte eine unglaubliche Präsenz und Wahnsinnsreflexe. Mehmet hätte von der Begabung her sicherlich auch eine Profilaufbahn einschlagen können, aber er war eben auch ein sehr spezieller Typ.

Abwehr

Jens Wöltjen: Ich hatte das große Vergnügen, Jens als Führungsspieler in meiner Mannschaft beim TSV Eiche Neu Sankt Jürgen zu haben. Ein Typ, der immer 100 Prozent gegeben hat und definitiv zu den zweikampfstärksten Spieler im Landkreis gehörte. Seine Disziplin und sein Trainingseifer waren überragend, zudem war er auch abseits des Platzes ein klasse Typ, der sich immer komplett in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Er war eine ganz wichtige Säule für die Mannschaft in Neu Sankt Jürgen.

Arne Schlüter: Auf ihn trifft Ähnliches zu, wie auf Jens Wöltjen. Enorm zweikampfstark und zudem variabel einsetzbar in der Defensive. Er war während meiner Trainerzeit beim SV Lilienthal-Falkenberg dank seines sehr genauen Passspiels ein starker Sechser, aber auch ein ebenso verlässlicher Innenverteidiger. Zudem war Arne immer wissbegierig, wenn es um neue taktische Ausrichtungen und Systemumstellungen ging, da wollte er sich immer weiterentwickeln.

Björn Schierenbeck: Die längste Zeit standen Björn Schierenbeck und ich auf unterschiedlichen Seiten des Fußballplatzes. In meinen ganz frühen Herrenjahren war ich der Stürmer beim SC Vahr, während Björn als Abwehrspieler beim SC Weyhe kickte. Immer wieder kreuzten sich unsere Wege fortan. Später spielten wir dann auch gemeinsam in der Bremer Stadtauswahl. Zudem trafen wir uns beim Trainerlehrgang zur UEFA-B-Level-Lizenz wieder. Sportlich muss man zu Björn Schierenbeck nicht viel sagen: Es war kein Vergnügen, gegen ihn zu spielen. Immer wenn ich dachte, ich bin an ihm vorbei, kam von hinten noch eines dieser langen Beine – und der Ball war doch wieder weg.

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Mittelfeld

Sascha Jütting: Ich kann mich nur glücklich schätzen, einmal eine kurze Zeit einen Spieler und Menschen wie Sascha trainiert zu haben. Das war in der Zeit in Neu Sankt Jürgen, als Sascha nach seiner Zeit als Stammspieler in Bornreihe und beim VSK plötzlich über einen Freund in Neu Sankt Jürgen landete. Seine Passgenauigkeit lag sicher bei annähernd 100 Prozent, sein Schuss suchte in der Kreis- und Bezirksliga seinesgleichen. Er hat auf dem Platz natürlich sofort das Kommando übernommen und die Mannschaft spielerisch geführt. Das war als Trainer einfach nur eine große Freude.

Luca Bischoff: Er kam als 18-Jähriger in die erste Herren beim SV Lilienthal-Falkenberg und man hat sofort gesehen, was er für ein Tempo mit dem Ball am Fuß hat. Vermutlich ist er der schnellste Spieler, den ich je als Trainer gehabt habe. Obendrein ist er ein Linksfuß und konnte mit seiner Explosivität immer wieder Überraschungsmomente kreieren und war nur schwer zu stoppen. Natürlich fehlte ihm damals noch ein bisschen die Erfahrung, aber wie man sieht, hat Luca seinen Weg beim TSV Bassen zu einem Top-Bezirksligaspieler längst gemacht.

Andreas Rüter: Mit Andi habe ich noch beim FC Worpswede zusammengekickt. Er kam damals als Spielmacher vom SV Blau-Weiß Bornreihe ,und was soll ich sagen? Er war wirklich der klassische Spielmacher. Durch seinen doch etwas tiefer liegenden Körperschwerpunkt hatte er die optimalen Voraussetzungen für Dribblings – und das konnte er ideal ausnutzen. Zudem war Andreas ein Freistoßspezialist sondergleichen. Ich habe von Andi, der mir als Stürmer zahlreiche Treffer aufgelegt hat, wirklich mehr als einmal profitiert.

Stefan Rademacher: Gleiches gilt für „Ratsche“ Rademacher. Ein solcher Mitspieler ist einfach ein Traum für jeden Stürmer. Unnachahmlich, wie er die Eins-gegen-Eins-Situationen gesucht und gelöst hat. Er ist dann meist bis zur Grundlinie durchgebrochen und ich brauchte in der Mitte nur zu warten – weil ich ja genau wusste, dass „Ratsche“ am Ende den Ball auch wirklich reinbringt. Es gibt ja diesen Spruch mit der Telefonzelle, und ich finde, für Spieler wie Stefan Rademacher ist dieser Spruch erfunden worden: Er konnte dich wirklich in einer Telefonzelle schwindelig spielen.

Sturm

Sören Pols: Ein toller Spieler und fantastischer Mensch. Ich habe selbst noch mit dem ganz jungen Sören Pols in Lilienthal zusammengespielt, später hatte ich ihn dann auch noch als Lilienthaler Trainer in meiner Mannschaft. Wenn er ins Dribbling gegangen ist, war er nur schwer zu stoppen. Oft war er der sogenannte Spielentscheider. Was ich aber ebenso großartig fand: Obwohl er eigentlich jedes Jahr ausreichend Angebote hatte, ist er seinem Verein immer treu geblieben. Und Sören hätte definitiv auch höher spielen können.

Vladimir Winschu: Ein echtes Phänomen, dieser Typ. Egal, ob du ihn mit 20 Jahren oder mit 30 Jahren hast spielen sehen, oder eben jetzt mit fast 40 Jahren – man hat das Gefühl, da hat sich eigentlich gar nichts im Bewegungsablauf verändert. Und ich glaube ganz fest, Vladi wird mit 50 Jahren immer noch irgendwo in der Kreisliga seine Tore knipsen. Das Verrückte an ihm ist seit jeher: Man weiß im Prinzip genau, was er auf dem Platz vorhat – und trotzdem kann man es am Ende nicht verhindern. Zumindest nicht immer. Er hat ein fantastisches Tempodribbling und ist immer noch richtig fit. Und vor allem: Er ist ein tadelloser Sportsmann, immer fair und freundlich.

Hassan Jaber: In meinen ersten Osterholzer Jahren standen wir uns oft als Gegner gegenüber, später habe ich ihn dann als Leistungsträger beim SV Lilienthal-Falkenberg trainiert. Was ich an Hassan immer geschätzt habe, war seine taktische Flexibilität. Er ist bei uns als Linksaußen, als Innenverteidiger oder zentraler Mittelfeldspieler aufgelaufen – und hat das alles richtig gut gespielt. Zudem war und ist er immer sehr motiviert, wollte immer das Maximum aus sich und seinen Mitspielern herausholen. Ich habe ihn drei Jahre in Lilienthal trainiert und man hat zu dieser Zeit ganz deutlich gemerkt, dass er auch höherklassig seine Erfahrungen gesammelt hat. Aber natürlich war und ist Hassan auch ein Spieler, der polarisiert. Er war ja auch schließlich nie ein Leisetreter und war relativ viel auf dem Platz zu hören.

Info

Zur Person

Bülent Kurtulus (48)

begann seine fußballerische Laufbahn beim Bremer Klub SC Vahr. Dort durchlief er alle Jugendteams und sammelte dort auch seine ersten Erfahrungen im Herrenbereich. 1992 wechselte Kurtulus dann für ein halbes Jahr zum ATSV Sebaldsbrück, ehe eine eineinhalbjährige Station bei KSC International folgte. 1994 kam dann der Wechsel in den Landkreis Osterholz, Kurtulus schloss sich dem FC Worpswede an, wo er zehn Jahre eine prägende Rolle in der ersten Herren einnahm. Von 2004 bis 2007 folgten noch einmal drei Jahre beim SV Lilienthal-Falkenberg, ehe Kurtulus bei den Gelb-Blauen erste Erfahrungen als Co-Trainer sammelte. Nach einem weiteren halben Jahr als Assistenzcoach beim TSV Eiche Neu Sankt Jürgen stieg Kurtulus dann im Sommer 2008 bei den „Eichen“ zum Chefcoach auf. Nach drei Spielzeiten schlossen sich ab Sommer 2011 noch einmal vier Jahre als Trainer des SV Lilienthal-Falkenberg an, ehe sich Kurtulus schließlich 2015 zurückzog. Der 48-Jährige gehört zum Vorstand der Volksbank Worpswede, ist verheiratet und hat drei Kinder. Kurz vor der Corona-Pandemie hatte der in Borgfeld lebende Kurtulus wieder mit dem Kicken angefangen. Bei der Ü50 des TV Eiche Horn will er auch nach Ende des Lockdowns wieder vermehrt gegen den Ball treten.

Weitere Informationen

Der pfeilschnelle Flügelstürmer oder der treffsichere Angreifer. Der ruhende Pol in der Verteidigung oder der Ideengeber im Mittelfeld. Fast jeder Mannschaftssportler hat in seiner aktiven Zeit viele gute Mitspieler gesehen. In unserer Serie „Mein Traumteam“ bitten wir ehemalige oder noch aktive Sportler und Trainer, die für sie beste Mannschaft von ehemaligen Weggefährten zusammenzustellen.

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