Sottrumer Schwimmmeister im Interview „Ich bin nicht der Trillerpfeifen-Typ“

Am 1. Mai startet das Freibad Sottrum in die neue Saison. Im Interview verrät Schwimmmeister Henry Kraft, worauf er sich besonders freut und was ihm an seinem Beruf und seinem Arbeitsplatz am meisten gefällt.
24.04.2019, 16:21
Lesedauer: 4 Min
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„Ich bin nicht der Trillerpfeifen-Typ“
Von Lars Köppler

Herr Kraft, warum sind Sie Schwimmmeister geworden?

Henry Kraft: Das ist einfach mein Beruf und ich war schon immer Rettungsschwimmer. Ich bin auf Umwegen dazu gekommen. Denn eigentlich bin ich gelernter Tischler und habe damals in einem Bauhof in Hessen als Tischler angefangen. In den Sommermonaten habe ich dann im Freibad ausgeholfen. Dann hat es sich umgekehrt und ich bin immer tiefer in diese Badgeschichte gerutscht. Ich habe dann meinen Facharbeiter nachgemacht und die Meisterschule besucht. Ich bin halt kein Bürotyp. Hier ist es abwechslungsreich, ich habe mit Badegästen zu tun, bin Klempner und Gärtner – einfach alles. Das macht mir Spaß.

Was sind Ihre Aufgaben als Schwimmmeister?

Das Problem bei Schwimmmeistern ist: Sie können ganz viel, aber nichts ganz richtig (lacht). Wir decken alles ab, machen einfache Elektroarbeiten und ich habe unter Wasser auch schon Fliesen gelegt. Meine Hauptaufgabe ist aber die Badeaufsicht. Und die Aufsicht über die technischen Abläufe. Die Einhaltung der Wasserqualität gehört auch dazu. Ich muss Erste Hilfe leisten und ab und zu auch mal ein Kind trösten, wenn es von einer Wespe gestochen wurde. Kurzum: Ich habe dafür zu sorgen, dass die Menschen wieder gesund nach Hause kommen und einen schönen Tag hier verlebt haben.

Wie oft müssen Sie selbst ins Wasser?

Wenn normaler Betrieb ist, am besten gar nicht. Denn das würde bedeuten, dass schon etwas passiert ist. Ich muss nur ins Wasser, um jemandem zu helfen. Ansonsten gehe ich ins Wasser, wenn ich Schwimmkurse habe. Sicherlich müssen wir auch trainieren, weil wir unseren Rettungsfähigkeitsnachweis erbringen müssen. Das müssen und wollen wir, um auch selbst zu sehen, wie fit wir noch sind. Wir wollen unseren Leistungsstand halten.

Wann mussten Sie das letzte Mal ins Wasser, um jemanden zu retten?

Wir haben jedes Jahr immer mal etwas, was meistens draußen passiert. Es kommt vor, dass jemand umfällt. Wir haben schon mal einen aufgeklappten Zehennagel oder ein gebrochenes Schienbein. Es ist mal ein Junge vom Drei-Meter-Brett gefallen und mit dem Kopf auf den Beckenrand geschlagen. Eine ganz traurige Geschichte war, als bei einer Frau ein Aneurysma im Kopf geplatzt ist und sie daran starb. Im Wasser selber sind es meist Krämpfe, wenn wir helfen müssen. Wir verhindern aber auch vieles im Vorfeld, weil wir durch unsere Erfahrung vorausschauend arbeiten können. Was allerdings problematisch ist und auch immer mehr zunimmt, ist die Unaufmerksamkeit der Eltern. Viele sind doch eher in ihr Handy vertieft, als auf ihre Kinder aufzupassen. Die kriegen dann gar nicht mit, was ihre Kinder machen.

Können Sie einem Badegast ansehen, dass er nicht schwimmen kann?

Das sieht man, wenn der Badegast ins Wasser geht. Ich lasse zum Teil auch die Leute vorschwimmen, die am Beckenrand hängen und bei denen ich mir nicht sicher bin. Man sieht aber an den ersten Zügen, ob jemand schwimmen kann. Wer den Nachweis nicht erbringt, dass er schwimmen kann, der muss raus dem Schwimmerbecken. Es sei denn, die Eltern sind beim Üben dabei.

Haben Sie einen Trick, wie man Kindern am besten das Schwimmen beibringen kann?

Nein, die Kinder müssen das wollen und dann heißt es: üben, üben, üben. Wir können nur die Technik vermitteln und immer wieder kontrollieren. Wichtig ist uns, dass wir ihnen die Angst vor dem Wasser nehmen. Dass sie zwar den Respekt vor der Tiefe behalten, aber keine Angst mehr haben. Wenn sich die Leute über Wasser halten können, dann haben sie ihr Erfolgserlebnis.

Sind Sie eher der strenge Schwimmmeister, oder mehr der Kumpeltyp?

Ich bin nicht der Trillerpfeifen-Typ. Wir behandeln unsere Gäste als Gäste, solange sich sich wie ein Gast benehmen. Sie können von uns alles haben, müssen sich aber an unsere drei, vier Regeln des menschlichen Miteinanders halten, die wir hier haben. Wir stehen auf die persönliche Ansprache. Nicht von oben herab, wir versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und schauen, wie das Gespräch verläuft. Aber wir mussten auch schon Hausverbote aussprechen.

Was ist das Besondere an Ihrem Beruf?

Die Vielfältigkeit. Das Jahr teilt sich in mehrere Abschnitte. Das Vorbereiten, die Saison, die Nachbereitung und der Winter, wo wir dann Überstunden abfeiern. Man weiß morgens nicht, was einen am Tag erwartet.

Am 1. Mai startet die Saison im Freibad Sottrum. Wie groß ist die Vorfreude?

Ich habe gestern den Wetterbericht gesehen, leider wird das Wetter pünktlich zur Eröffnung nachlassen. Aber klar, wir freuen uns, dass wir das Bad wieder aufmachen können.

Sind Sie für den Badebetrieb gewappnet?

Das Schwimmerbecken steht. Wir sind jetzt gerade dabei, das Bad aufzuheizen, sodass wir nächste Woche auf Betriebstemperatur sind. Jetzt sind wir so bei 18 Grad. Wir hatten zum Glück einigen Vorlauf in diesem Jahr.

Apropos Vorlauf: Wann starten die Arbeiten?

Es geht Anfang März los. Wir erledigen aber schon im Februar einige Arbeiten, die zum Beispiel im Keller anfallen. Je nach Wetterlage schneiden wir im Februar auch schon die Hecken. Im März machen wir die Becken sauber und dann kommt auch schon der Fliesenleger.

Was muss noch erledigt werden?

Es sind noch einige Restarbeiten zu machen. Wir haben die Liegefläche im Nichtschwimmerbereich erweitert und dort eine Sitzecke eingerichtet. Es war hier doch ziemlich eng und es gab wenig Schatten. Wir müssen noch den Spielplatz auf Vordermann bringen. Derzeit kümmern wir uns um unsere Wassertechnik. Denn wir müssen dem Gesundheitsamt eine perfekte Wasserqualität nachweisen.

Gibt es weitere Neuerungen?

Das meiste, was wir neu machen, sehen die Besucher nicht. Wir mussten im Winter viel Arbeit investieren, weil wir im Herbst einen erheblichen Wasserschaden im Keller hatten. Hier draußen für unsere Badegäste ist nur die Sitzecke im Nichtschwimmerbereich neu. Mit Rutschen können wir nicht aufwarten.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf die Besucher, denn die sind hier in Sottrum richtig nett. Hier spielen zum Beispiel verschiedene Nationalitäten zusammen Fußball. Hier herrscht wirklich ein gutes Klima.

Das Gespräch führte Lars Köppler.

Info

Zur Person

Henry Kraft (54)

ist seit 1992 als Schwimmmeister tätig und seit 16 Jahren im Freibad Sottrum beschäftigt. Mit seinem Kollegen Patrick Wallbaum bildet Kraft seit Jahren ein eingespieltes Team. Der Hesse lebt in Hassendorf, ist verheiratet und hat eine elfjährige Tochter.

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