Interview zum Festival

Hurricane-Chef: "Das Herzstück bleibt die Musik"

Nach dem Hurricane-Festival in Scheeßel spricht Festival-Macher Stephan Thanscheidt über den Besucherrückgang. Im Interview verspricht er, dass die Musik das Herzstück bleiben wird.
29.06.2018, 20:10
Lesedauer: 4 Min
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Hurricane-Chef:
Von Pascal Faltermann
Hurricane-Chef: "Das Herzstück bleibt die Musik"

Auch 2019 wird es eine neue Auflage des Hurricane-Festivals geben.

Pascal Faltermann

Nur 65.000 statt 78.000 Besucher beim Hurricane-Festival in diesem Jahr. Sind rund 15 Prozent weniger Fans nicht ein bitterer Rückgang?

Stephan Thanscheidt: Das Wetter in den vergangenen Jahren hat Auswirkungen auf die Verkäufe für 2018 gehabt, und so haben wir in diesem Jahr ein Endergebnis erzielt, das nicht ideal ist, das wir aber durchaus verkraften können. Dieses Jahr war das Hurricane ein Erfolg, darum rechnen wir fest damit, dass wir im nächsten Jahr wieder mehr Tickets verkaufen.

Bedeutet das nicht auch einen enormen finanziellen Verlust für den Veranstalter? Bekommen Sie das Hurricane-Festival so überhaupt finanziert?

Wir haben weniger Einnahmen durch Eintrittsgelder als im Vorjahr. Das ist aber immer nur ein Faktor in der gesamten Kalkulation. Wir bitten um Verständnis, dass wir an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gehen können.

War das Schwesterfestival Southside in Neuhausen ob Eck denn besser besucht?

Das Southside hat mit 60.000 Besuchern eine kleinere Kapazität als das Hurricane. Demnach war es nicht besser besucht, jedoch im Gegensatz zu dem Zwilling im Norden ausverkauft.

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Lag es an den stürmischen vergangenen Jahren, an den Terrorwarnungen oder wie erklären Sie sich den Rückgang der Besucher? Liegt es am Wetter im Juni?

Wir erklären uns das vor allem durch das teilweise extreme Wetter in den vergangenen beiden Jahren. Vielen jüngeren Besuchern wurde so ihre zum Teil erste Festivalerfahrung buchstäblich verhagelt und sie verknüpfen nicht ausschließlich positive und euphorische Momente mit dem Festival. Diesen Eindruck haben wir mit dem Hurricane 2018 jedoch wieder ein Stück weit revidieren können. Die Besucher in diesem Jahr sind glücklich nach Hause gefahren und die Frühbuchertickets waren in der Folge quasi sofort vergriffen.

Fehlen auf dem Festivalmarkt die ganz großen Zugpferde, die Headliner, die die Festivals ausverkaufen?

Es gibt durchaus noch zugkräftige Headliner, jedoch wird der Pool dieser Bands insgesamt nicht größer. Die Folge ist, dass sich dadurch die verfügbaren Acts verteuern.

Das „Rock am Ring“-Festival war, das in Wacken ist noch nicht ausverkauft. Ziehen die Rock- und Metalfestivals die Besucher nicht mehr an?

In diesem Jahr war der Ticketverkauf branchenübergreifend für Musikfestivals aller Art etwas schwächer als in den Vorjahren. Unserer Einschätzung nach liegt das nicht so sehr daran, dass die Festivals nicht mehr ziehen, sondern dass die Besucher ob der Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel dem Wetter, vorsichtiger geworden sind bei der Entscheidungsfindung.

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Sind andere Festivalkonzepte mittlerweile erfolgreicher?

Der Festivalmarkt differenziert sich. Gerade darum muss man an dieser Stelle aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Indoor-Festivals funktionieren zum Teil sehr gut, wie wir mit unseren Festivals Plage Noire, Rolling Stone Weekender und Rolling Stone Park merken. Hierbei handelt es sich aber um gänzlich andere Events als das bei den großen Open Airs der Fall ist. Die Besucherkapazität ist stark limitiert, die Rahmenbedingungen sind völlig anders. Hier einen Vergleich mit zum Beispiel dem Hurricane anstreben zu wollen, wäre darum nicht zielführend.

Auf der Pressekonferenz haben Sie sich als Veranstalter trotzdem zufrieden gezeigt. Was war denn dieses Jahr so gut? War es eine kleine Verschnaufpause für das Hurricane?

Wir bewerten das Hurricane-Festival 2018 als vollen Erfolg, weil unsere Besucher eine sehr gute Zeit hatten, sorglos feiern konnten und uns tolle Feedbacks gegeben haben. Auch für die auftretenden Künstler und alle Mitarbeiter war das ein wirklich schönes Wochenende. Wir sind äußerst zufrieden mit dem reibungslosen Ablauf.

Wie schätzen Sie allgemein die Entwicklungen auf dem Festivalmarkt ein? Wie ist es bei anderen Veranstaltungen von FKP Scorpio wie Highfield, A Summers Tale?

Der Festivalmarkt ist heutzutage vor neue Herausforderungen gestellt, die es so vor einigen Jahren noch nicht gab. Hier sind vor allem steigende Ausgaben für Künstlergagen, die sich mehr als verdoppelt haben, wie auch Sicherheitsmaßnahmen zu nennen. Auch die Personalkosten sind gestiegen. Zudem gibt es mittlerweile recht viele Festivals auf dem deutschen Markt und ein Publikum, das anspruchsvoller wird.

Es reicht nicht mehr, eine Bühne auf eine Wiese zu stellen und Bier dazu zu verkaufen. Das ist uns vollkommen bewusst und dementsprechend entwickeln wir unsere Festivals laufend weiter. Unser Service-Angebot vor Ort ist mittlerweile sehr gut mit eigenem Festival-Supermarkt, sauberen Campingflächen im Grüner Wohnen, WLAN und Strom im Komfortcamping und so weiter. Auch das Essensangebot ist immer hochwertiger und besser geworden. Jedes unserer Festivals hat so sein ganz eigenes Profil. Das Herzstück ist und bleibt bei allen die Musik.

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Liegt es vielleicht auch am Preis?

Der Preis ist immer ein wichtiger Faktor und wir haben uns zur Preisgestaltung in diesem Jahr viele Gedanken gemacht und sehr sorgfältig kalkuliert, damit wir den bestmöglichen Preis für das Festivalticket anbieten können.

Die Fragen stellte Pascal Faltermann.

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Zur Person

Stephan Thanscheidt ist Geschäftsführer von FKP Scorpio und verantwortlich fürs Festivalbooking beim Hurricane. Zusammen mit Folkert Koopmans leitet der 41-Jährige mit der Hamburger Konzertagentur den größten Festivalveranstalter Europas.

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Zur Sache

Das Hurricane-Festival 2019

Auch 2019 wird es eine neue Auflage des Hurricane-Festivals geben. Die Großveranstaltung ist vom Freitag, 21. Juni, bis Sonntag, 23. Juni, terminiert. Der Vorverkauf der Tickets startete direkt nach der Veranstaltung.

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