Aus dem Camp – Teil 3 Pro und Kontra zum Hurricane-Festival: Warum tut man sich das an?

Hurricane-Festival: Das bedeutet drei Tage frieren, Schlafmangel, nasse Socken. Warum nimmt man diese Strapazen in Kauf? Eine Bilanz von unserer Reporterin vor Ort.
24.06.2018, 15:31
Lesedauer: 2 Min
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Pro und Kontra zum Hurricane-Festival: Warum tut man sich das an?
Von Alice Echtermann

Drei Tage Ausnahmezustand. Drei Tage frieren, schmerzende Beine, Schlafmangel. Warum nimmt man so etwas wie das Hurricane-Festival auf sich? Das fragen sich viele, die sich vielleicht sogar gerne die Konzerte im Livestream auf der Couch anschauen. Zeit für eine schonungslose Bilanz.

Kontra:

Sagte ich schon, dass das Wetter nervt? Ja, das ewige Jammern nervt auch, aber das Wetter ist nun mal der Knackpunkt eines jeden Festivals. Man ist ihm ausgeliefert. Scheint die Sonne, ist alles wunderbar. Versinkt man im Matsch und hat keinen trockenen Fetzen mehr am Körper, zehrt das an den Nerven. Da hilft nur Alkohol, um bei Laune zu bleiben.

Womit wie bei Punkt zwei sind: Nirgends erlebt man so viele Grenzüberschreitungen wie bei Festivals. Besoffene, pöbelnde Menschen überall. Nackte Menschen auch. Die ihre Musik im Camp die ganze Nacht aufdrehen, obwohl sie selbst schon im Suffkoma liegen und gar nichts mehr davon mitkriegen. Mutwillige Zerstörung von Zelten, Pavillons, Dixi-Klos. Muss ich noch mehr über die Dixi-Klos sagen?

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Da könnte man den Eindruck bekommen, dass das Hurricane nur mit immensem Alkoholkonsum erträglich sei. Weil man dann nur noch die Hälfte mitbekommt. Tatsächlich hat Alkohol für viele Besucher einen wesentlichen Anteil am Erlebnis. Aber das heißt nicht, dass man sich das alles schönsaufen müsste. Oh nein!

Pro:

Wer Livemusik und Konzerte liebt, der muss einfach auf Festivals gehen. Natürlich muss man sich ein Hurricane-Ticket für mindestens 160 Euro überhaupt leisten können, und Jahr für Jahr werden die Tickets teurer. Das ist nicht abzustreiten. Aber seht es mal so: Sonst bekommt man für 30 Euro ein Konzert, hier sind es über 100. Die Rechnung ist einfach.

Aber die Musik ist nicht der einzige Grund. Nirgends findet man schneller Freunde als auf Festivals. Nirgends sind die Menschen offener, vorurteilsloser. Das klingt vielleicht kitschig, aber im Schlamm sind alle gleich. Der Ingenieur feiert neben dem Bankangestellten und dem Klempner, die Mechanikerin neben der Politikerin oder Journalistin. Es spielt keine Rolle. Einmal im Jahr lassen alle die Sau raus, und das ist auf seltsame Art erholsam. Zugegeben nicht für den Körper, aber den Geist. Vier Tage lang muss man sich nicht benehmen, nicht auf den eigenen Ruf achten, keine Leistung erbringen. Internetempfang gibt es auch kaum – obwohl ich sagen muss, dass sich da die Bedingungen in den vergangenen Jahren leider verbessert haben.

In unserer Gesellschaft, in der alle immer verfügbar sein und funktionieren müssen, sind Festivals wie das Hurricane eine Pause vom Alltag. Kopf aus, runter von der Couch und mitten rein ins Getümmel. Man muss es mal gemacht haben, um das zu verstehen.

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