Kein Veranstaltungszentrum in Sudweyhe Pläne für alte Ziegelei geplatzt

Eigentümer Hans-Heinrich Meier muss sich einen neuen Käufer für die ehemalige Ziegelei Wehrmann suchen. Der abgesprungene Investor Ferhat Aktas hat derweil offenbar bereits eine Alternative gefunden.
19.03.2018, 18:29
Lesedauer: 3 Min
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Pläne für alte Ziegelei geplatzt
Von Sebastian Kelm

Weyhe-Sudweyhe. Letztlich soll es nicht am Geld gelegen haben – sondern an der Zeit. Fakt ist: Das Millionenprojekt, das Investor Ferhat Aktas auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Wehrmann geplant hatte, ist gescheitert. An diesem Standort jedenfalls. Wie mehrfach berichtet, wollte der in Weyhe wohnhafte Unternehmer den Ende des Jahres 2015 aufgegebenen Betrieb aufkaufen, um auf dem Gelände einen Sitz für seine Firmen AK Food und Fella Drinks einzurichten. Neben einem Lebensmittel-Großhandel sollte bekanntlich auch ein Veranstaltungszentrum entstehen. Das scheitert nun an einer Einrichtung direkt neben dem Areal in Sudweyhe.

Denn die angrenzenden Biogas-Anlagen erschwerten eine Änderung des Flächennutzungsplanes, die für die Ansiedlung einer Vergnügungs- oder Versammlungsstätte notwendig gewesen wäre. Das erklärt Bürgermeister Andreas Bovenschulte auf Anfrage. Man habe Interessent Ferhat Aktas und Eigentümer Hans-Heinrich Meier daher mitteilen müssen, dass die Ergebnisse der Vorprüfung auf ein langwieriges Verfahren hindeuteten. Die nebenan im Bau befindliche Klärschlamm-Trocknungsanlage soll übrigens keine Rolle spielen.

Es gehe vor allen Dingen um Abstände, die bei einem solchen Event-Center zu Biogas-Anlagen einzuhalten sind. "Da streiten sich die Experten", sagt der Verwaltungschef. Etwaige gesundheitliche Belastungen seien nicht der ausschlaggebende Punkt, eher Sicherheitsaspekte. In jedem Fall sei daher von "besonderen Anforderungen" auszugehen – und von vielen Gutachten, die hier vonnöten wären. Kurzum: Ob das Vorhaben in der vorgesehenen Form letztlich zulässig sein würde, war zumindest fraglich.

Diese Ungewissheit in Verbindung mit den zu erwartenden Verzögerungen bewogen Aktas jetzt, Abstand vom Erwerb der alten Ziegelei zu nehmen. "Es hieß, eine Änderung des B-Planes sei kurzfristig nicht machbar und könnte ein bis zwei Jahre dauern. So lange wollen wir nicht warten", begründet der Geschäftsmann seinen Rückzieher. Er weiter: "Wir hatten uns einen Zeitrahmen gesetzt, diesen auch offen kommuniziert. Irgendwann mussten wir dann überlegen, ob sich das Ganze für uns noch lohnt."

Natürlich sei er enttäuscht darüber, dass sich die Überlegungen damit zerschlagen haben. "Herr Meier fand das auch schade", berichtet Aktas aus Gesprächen mit dem letzten Wehrmann-Geschäftsführer, der sich nun einen anderen Käufer für seine Fläche suchen muss. Für eine Auskunft, wie weit Verhandlungen mit anderen potenziellen Investoren sind, war Hans-Heinrich Meier am Montag nicht zu erreichen.

Dass die ersten Prüfungen solche Probleme offenbarten, bedauert Aktas. "Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht", betont er, will das aber nicht als Vorwurf an die Gemeinde Weyhe verstanden wissen. So früh Klarheit über die bestehenden Unklarheiten zu haben, wisse er zu schätzen: "Ich danke für diese Ehrlichkeit." Durch die habe er sich umorientieren können.

Und dass er die Sache so entspannt sieht, liegt auch daran, dass er bereits eine Alternative gefunden hat. Details kann er indes noch nicht preisgeben. "Wir stehen da noch ganz am Anfang", sagt er zur angestrebten Einigung mit dem Eigentümer der fraglichen Fläche. Eines kann Aktas aber verraten: Diese soll gar nicht weit von Wehrmann entfernt und somit auch in Weyhe liegen. Dorthin möchte er wie gehabt – sollte diesmal alles passen – seine Unternehmenssitze von Bremen verlagern. Und auch an dem Veranstaltungszentrum wolle er dort weiter festhalten.

Wo auch immer das sein könnte – zunächst einmal sind das gute Nachrichten für die Bürgerinitiative Dreye. Die hatte in erster Linie das Veranstaltungszentrum in ihrer Nachbarschaft zu verhindern versucht. Schließlich mit Erfolg. Sprecher Hans Röhrs ist daher erfreut: "Eine gute Entwicklung, ein toller Ausgang." Er und seine Mitstreiter hätten schon Kontakte bis Hannover spielen lassen und darüber herausbekommen, dass sich die Biogas-Anlagen als Hindernis erweisen könnten. Sie sollten damit nicht falsch liegen.

Was dann auf das Ziegelei-Gelände kommt, sehen Röhrs und der Rest der beteiligten Dreyer Bürger locker. "Hauptsache kein nächtlicher Lärm", sagt er. Vor allem die bis zu 1000 befürchteten Besucher bei Veranstaltungen störten die Gruppe. "Gewerbliche Nutzungen sind für uns okay", bekräftigt er.

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