Landkreis Verden Alles muss raus: Am Sonntag schließt letzte Videothek in Achim

20 Jahre gab es in Achim eine Videothek. Doch das ist nun vorbei. Inhaber Sascha Schrader schließt die Filiale. Damit gibt es im gesamten Landkreis Verden nun keine Videothek mehr.
17.07.2017, 17:47
Lesedauer: 2 Min
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Alles muss raus: Am Sonntag schließt letzte Videothek in Achim
Von Elina Hoepken

Zum Schluss wird es noch einmal richtig stressig für Sascha Schrader. Zum Schluss ist der Andrang noch einmal richtig groß. Am Sonntag ist dann endgültig Schluss in der Videothek in Achim. Und damit ist auch Schluss mit den Videotheken im gesamten Landkreis Verden. Denn die Filiale in Achim war die letzte ihrer Art.

„Wir schließen für immer“, prangt in großen Buchstaben auf einem Plakat am Eingang der Videothek an der Lerchenstraße. Doch noch ist es nicht soweit. Noch verkauft Schrader die letzten DVDs, Blu-rays und Videospiele. Überall in der Videothek hängen neongelbe Zettel mit den Preisen für den Räumungsverkauf. Es ist kurz vor 15 Uhr und vor der Videothek bildet sich bereits eine lange Schlange. „Es ist natürlich schade, dass es nun bald vorbei ist“, sagt Schrader und schaut auf die Plakate in seiner Hand. 20 Jahre lang hat er die Videothek geführt. Doch am Ende musste er sich geschlagen geben. Die Bequemlichkeit vieler Menschen ist einfach zu groß.

Denn so voll wie zum ersten Tag des Räumungsverkaufs war es hier in Achim schon lange nicht mehr. „Bei unseren Neukunden gab es immer weniger junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren“, sagt Schrader. „Und von Stammkunden allein kann ich natürlich auch nicht leben.“ Viele Leute holten sich ihre Filme heute über Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome via Internet direkt ins Wohnzimmer.

„Schade ist natürlich, dass die Persönlichkeit dabei völlig verloren geht“, sagt Schrader. Denn die Videothek in Achim war immer auch ein Treffpunkt. „Ich habe in den vergangenen Jahren viele Lebensgeschichten gehört und war immer auch ein bisschen Seelenklempner“, sagt Schrader und lacht.

Rund 15 000 Filme hatte er in seiner Videothek, darunter Klassiker wie Terminator (bekanntestes Filmzitat: „Hasta la vista, baby!“). Nachdem er um Punkt 15 Uhr die Ladentür öffnet, sind es schnell einige weniger. Manch einer kommt mit großen Tüten, andere mit Klappkisten, um ihre Lieblingsfilme noch zu ergattern.

Sarah Haendel balanciert einen ganzen Stapel DVDs auf ihrem Unterarm und streift durch den Laden auf der Suche nach weiteren Schätzen. „Ich war bestimmt zehn Jahre Kundin hier und finde es wirklich schade, dass die Videothek nun schließt“, sagt die 22-Jährige. Sie selbst mag es noch old school: „Es ist einfach ein schöneres Gefühl, die DVD noch in der Hand zu halten als sich nur durch irgendwelche Mediatheken zu klicken.“ So sehen es viele, die an diesem Nachmittag an die Lerchenstraße gepilgert sind. „Seit ich ein kleiner Junge war, bin ich regelmäßig hierher gekommen“, sagt Dennis Schneider. „Samstagabend eine DVD ausleihen, das gehörte zum Wochenend-Programm einfach dazu.“

Die Videotheken-Schließung in Achim ist jedoch bei Weitem kein Einzelfall. Vor zehn Jahren gab es nach Angaben des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland noch 385 Videotheken in Niedersachsen, 2016 waren es nur noch 99. Erst zum Ende des vergangenen Jahres musste die Videothek in Verden nach 25 Jahren ihre Türen schließen. Im benachbarten Bremen sieht es nicht besser aus. Die Zahl der Videotheken sei in zehn Jahren von 35 auf elf geschrumpft. Schrader will in der Hansestadt jedoch weiter sein Glück im Videotheken-Geschäft versuchen. Hier betreibt er eine zweite World-of-Video-Filiale. „In Bremen ist alles etwas kompensierter“, sagt er. Dort gebe es mehr Menschen auf engem Raum – und damit auch mehr potenzielle Kunden. Einige seiner alten Achimer Kunden wollen ihm auch bis dahin folgen. „Ich werde sicherlich auch in Bremen weiter meine DVDs ausleihen“, verspricht Schneider. „Für einen guten Film nehme ich gerne mal einen weiteren Weg auf mich.“

„In den vergangenen Jahren habe ich hier viele Lebensgeschichten gehört.“ Sascha Schrader, Betreiber Videothek
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