Deutsches Pferdemuseum

Legenden mit Hufen

Die neue Sonderausstellung im Deutschen Pferdemuseum in Verden widmet sich den berühmtesten Zossen der Geschichte. Natürlich darf auch das "Millionenpferd" Totilas nicht fehlen.
14.06.2021, 18:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann
Legenden mit Hufen

Ina Rohlfing (l.) und Christine Rüppell präsentieren die neue Ausstellung im Pferdemuseum.

Björn Hake

Auch wenn Pippi Langstrumpf und Bibi Blocksberg darin vorkommen: Die neue Sonderausstellung im Deutschen Pferdemuseum (DPM) in Verden ist keine Schau speziell für Kinder. Sie ist allerdings – auch – bestens geeignet, bei älteren Besuchern Kindheitserinnerungen zu wecken. Zum Beispiel an Göre Pippis gepunkteten Kumpel Kleiner Onkel, Hexe Bibis Schimmelstute Sabrina, den frühen vierbeinigen Fernsehstar Fury oder Winnetous Iltschi („Wind“). Sie gehören zu den insgesamt 32 ganz unterschiedlichen „Helden mit Hufen“, die von diesem Dienstag an gemeinsam im Blickpunkt stehen.

„Legendär! Berühmte Pferde aus Mythologie, Geschichte und Populärkultur“ – so lautet der offizielle Titel der Ausstellung, die im Museum am Holzmarkt bis zum 31. Oktober zu sehen sein wird. Er gibt schon gleich einen Hinweis darauf, wie breit der Bogen gespannt ist. „Sie verfügen über göttliche Kräfte, sind heldenhafte Kriegspferde, geduldige Helfer, treue Gefährten, geschundene Kreaturen, sportliche Supertalente, humorvolle und selbstbewusste Persönlichkeiten oder vermenschlichte Abbilder unserer Welt“, heißt es in der Broschüre zu der äußerst gelungenen Präsentation, die wie ein „begehbares Lexikon“ gestaltet ist.

Konzept und Realisation der mit teils hochkarätigen Exponaten bestückten Extra-Schau liefen beim Museumsteam unter dem schlichten Arbeitstitel „Pferdestars“. So berichteten es die beiden Chefinnen Ina Rohlfing und Christine Rüppell bei der Präsentation der Ausstellung. Auch eine treffende Bezeichnung für all die Rösser, die auf irgendeine Weise Bewunderung hervorgerufen und unvergessen geblieben sind. Trotz der Vielzahl „nur eine Auswahl der bekannten Pferdefiguren“, wird dabei betont. „Ihre Geschichten regen zum Nachdenken über unseren Umgang mit den Tieren an, offenbaren sie doch unter anderem auch, wie sehr wir zu deren Vermenschlichung neigen.“

Wer den Ausstellungsbereich betritt, geht direkt auf Don Quichottes Reitpferd Rosinante und Sancho Panzas Esel zu, die tragenden Tiere aus dem 1605 erschienenen Roman um den gegen Windmühlen kämpfenden „Ritter von der traurigen Gestalt“. Rosinante und Esel dominieren gut geschützt in Lebensgröße, und es handelt sich um Marionetten, die einst für Aufführungen am Wuppertaler Theater verwendet wurden. Seit einigen Jahren stehen sie im „Stall“ des Verdener Pferdemuseums.

„Echte“ Größe hat auch Kleiner Onkel, der in der Nähe vor einem riesigen Foto einer typischen schwedischen Sommerlandschaft Aufstellung genommen hat. In Astrid Lindgrens Büchern über die unerschrockene, starke und kesse Pippi Langstrumpf hatte deren Pferd, das auf der Terrasse zu logieren pflegte, noch keinen Namen. Den soll 1969 erst Schauspielerin Inger Nilsson kreiert haben, die Pippi in den weltweit erfolgreichen Verfilmungen. Im Museum ist Kleiner Onkel ein profanes Kunststoffpferd, das einst braun war, weiß gestrichen und mit schwarzen Punkten versehen wurde. Wer mag, kann sich kurzfristig wie Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf kostümieren und mit dem Pferd ablichten lassen. Rothaarperücke und Klamotten liegen bereit. Das Anheben von Kleiner Onkel, wie es das Original gerne tat, ist aber nicht vorgesehen.

Eine kleine Leseecke lädt zum Schmökern in Comics ein, die einst millionenfach „verschlungen“ wurden. Zum Thema „Jimmy das Gummipferd“ gibt es eine Mappe, die die Abenteuer des aufblasbaren Pferds und seines Reiters Julio wieder lebendig werden lassen. Sie waren die Hauptdarsteller einer von 1953 bis 1977 in „Sternchen“, dem Kinderteil einer bekannten Zeitschrift, laufenden Serie. Eine Originalzeichnung von Roland Kohlsaat zählt zu den besonderen Exponaten, eine Leihgabe des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover.

Weitere Leihgaben hat das DPM auch für die Komplexe erhalten, die zwei außergewöhnlichen Sportpferden gewidmet sind. Selbstredend darf Halla bei den „Legenden“ nicht fehlen, jene Springstute, die ihren verletzten, nur noch im Sattel hängenden Reiter Hans Günter Winkler bei Olympia 1956 in Stockholm quasi im Alleingang zu Gold trug. Diese Goldmedaille – noch nicht am Bande, wie heute üblich – sowie die Urkunde dazu sind von der Hans-Günter-Winkler-Stiftung zur Verfügung gestellt worden. Zum „Millionenpferd“ Totilas, dem Dressurhengst mit extremen Höhen und Tiefen, gibt es eine 2013 entstandene Bronzestatuette zu sehen, die Ann-Kathrin Linsenhof beisteuerte.

Weitere „Pferdestars“, denen in der Ausstellung ein Platz gebührt, sind beispielsweise der geflügelte Pegasus, der achtbeinige Sleipnir, Schattenfell aus „Herr der Ringe“, Condé, das Lieblingspferd Friedrich des Großen, TV-und Filmgrößen wie Black Beauty, Mr. Ed, Ostwind und Iltschi sowie Jolly Jumper, Falada und Old Billy. Zu der Sonderausstellung gibt es Begleitprogramm mit öffentlichen Führungen, auch eigens für Familien, Angebote zu Geburtstagspartys, Kinoevents sowie einer Vortragsveranstaltung über „Das Pferd im Comic“ (14. Oktober). Infos gibt es auch im Internet unter www.dpm-verden.de.

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