Krabbenfischer haben Sorgen „Größtes Problem sind die Monopolisten auf Händlerseite“

Bilanz Krabbenfischer
24.10.2021, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gregor Teichmann

Rund zwei Drittel des üblichen Jahresdurchschnitts hat Krabbenfischer Söhnke Thaden in diesem Jahr gefangen. Vor allem das Wetter hat ihn 2021 von häufigeren Ausfahrten abgehalten. Sein größtes Problem sind allerdings keine Stürme, sondern schwankende Preise und holländische Großhändler.

Der Wind lässt die Möwen wild über dem Kutterhafen in Fedderwardersiel auf und ab tanzen. Die „Christine“ – der Krabbenkutter von Söhnke Thaden – läuft nach sieben Tagen auf See ein. Eigentlich hätte er gemeinsam mit dem Auszubildenden Kevin Schöpe noch länger unterwegs sein sollen. Doch der aufziehende Sturm färbt nicht nur den Himmel über dem Kutterhafen bedrohlich dunkel, sondern macht das Krabbenfischen auch gefährlich.

Gefährlicher, sollte man wohl sagen. Denn die regelmäßigen Ausfahrten, die der Fischer in fünfter Generation beinahe wöchentlich unternimmt, sind bereits riskant genug. Einmal auf dem Wasser, könne man, wenn was am Kutter ist, nicht einfach rechts ranfahren, Warnblinker anstellen und auf Hilfe warten. „Wir sind da auf uns allein gestellt.“ Ein Problem, dass die Situation für Söhnke Thaden verschlimmert: „Uns fehlen aktuell die Mittel, um Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen.“ Dem Fischer fehlen die Erträge. „2018 war das letzte gute Jahr“, sagt Thaden, „seither liegt der jährliche Ertrag bei plus/minus null.“ Keine Erträge, keine Rücklagen für Instandhaltungsmaßnahmen.

Als die „Christine“ festmacht, bildet sich eine Traube von Menschen vor dem Kutter. Die meisten zücken aber keine Geldbörse, sondern die Kamera oder das Smartphone. 175 gelbe Kisten mit dem Fang werden aus dem Bauch des Kutters direkt in den Kühltransporter eines holländischen Händlers geladen. „Unser größtes Problem sind die Monopolisten auf Händlerseite", sagt Söhnke Thaden. 2018 seien die Preise noch stabil gewesen. Damals hätten die holländischen Händler aber bereits begonnen, Krabben einzufrieren. „Diese Frostware wurde 2019 auf den Markt geworfen und hat die Preise deutlich gedrückt“, erinnert sich Söhnke Thaden. Dann kam das Corona-Jahr: Keine Touristen, keine Restaurants und die kleinen Schalentiere konnten nicht in Marokko gepult werden. In der Folge stabilisierten sich 2021 die Preise. Zumindest bis zum Sommer. „Dann ist der Kilopreis innerhalb kürzester Zeit gefallen. Wöchentlich um einen Euro, teilweise zwei“, sagt Thaden. Von etwa acht, neun Euro pro Kilo auf etwa 3,50 Euro. „Als etwas mehr Krabben auf den Markt kamen, haben die Händler direkt auf den Preis gedrückt."

Einen Eindruck, den die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven auf Anfrage bestätigt. 2020 sei Marokko der Flaschenhals gewesen. In diesem Jahr sei vor allem das Wetter Ursache für rückläufige Fangergebnisse. Im Einzelhandel zahlen die Verbraucher rund 50 Euro pro Kilo für die gepulten Krabben. Für ein Kilo gepulte Krabben brauche man etwa drei Kilo fangfrische Schalentiere, rechnet der Fischer vor. Die hohen Gewinnmargen landen nicht bei den Krabbenfischern, sagt Söhnke Thaden.

Harry Thaden springt an Bord der „Christine“. Der 85-Jährige hat vor 36 Jahren den Kutter gebaut, mit dem sein Sohn heute über das Wattenmeer fährt. Trotz der holländischen Händler und ihrer Monopolstellung blickt der Senior zuversichtlich in die Zukunft. „Wir haben ein tolles, nachhaltiges und regionales Produkt“, meint er. Außerdem setzt er seine Hoffnung in das Patent eines Ostfriesen, der das Krabbenpulen mit Ultraschalltechnologie revolutionieren will. Würde davon in jedem Kutterhafen eine Maschine stehen, würde es auch wieder mehr Händler geben und die holländische Monopolstellung aufgebrochen werden, hofft Söhnke Thaden.

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