Hoher Berg Ristedt

Beste Aussicht auf höchster Erhebung des Bremer Umlands

Hoch hinaus: Der Hohe Berg nahe Syke misst stattliche 58,2 Meter und ist damit fast doppelt so hoch wie Bremens höchste natürliche Erhebung im Friedehorstpark mit 32,5 Metern. Eine Reise ins Bergland.
05.11.2017, 13:33
Lesedauer: 3 Min
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Beste Aussicht auf höchster Erhebung des Bremer Umlands
Von Micha Bustian
Beste Aussicht auf höchster Erhebung des Bremer Umlands

Harald Witt am Hohen Berg in Ristedt.

Udo Meissner

Immer wieder hört man Weyerberg als Antwort auf die Frage nach der höchsten natürlichen Erhebung des Bremer Umlandes. 51 oder gar 54 Meter – je nach Quelle – ist der Hügel nahe Worpswede hoch. Und um mit diesem über Jahrzehnte zementierten Vorurteil nun endlich einmal endgültig aufzuräumen: Das reicht nicht! Der künstlich aufgeschüttete Utkiek in Bassum ist 87 Meter hoch, der Weser-Tower 82 Meter, der auf der Blocklanddeponie aufgeschichtete Müll 62 Meter. Alles höher als der Weyerberg. Aber alles nicht natürlich. Doch es gibt eine Erhebung, die stellt den vermeintlichen Branchenprimus in den Schatten: der Hohe Berg nahe Syke. Er misst stattliche 58,2 Meter und ist damit fast doppelt so hoch wie Bremens höchste natürliche Erhebung im Friedehorstpark mit ihren 32,5 Metern.

Das 4,8 Hektar große Gelände rund um den lange Zeit gar nicht richtig wahrgenommenen Hohen Berg rückte erstmals ins Interesse der Öffentlichkeit, als dort zu Zeiten des Kalten Krieges von den US-amerikanischen Streitkräften eine Flugabwehr-Raketenstation errichtet wurde. „Da hatte sie die Hand auf dem Raketenknopf“, findet Harald Witt dramatische Worte. Zudem wurde der Hohe Berg noch weiter aufgeschüttet – auf 63 Meter, damit darauf die Radarkugeln den Feind besser orten konnten.

Harald Witt ist der Mann, der den Hohen Berg als Erster als potenziellen touristischen Anziehungspunkt erkannt hat. Etwa 20 Jahre sei das her, merkt der 81-Jährige an. Die Soldaten waren 1987 abgezogen, hatten die Gebäude einfach dort stehen lassen. Zwischenzeitlich wurde das Areal landwirtschaftlich genutzt. „Der Nato-Zaun stand noch“, als Witt den Hohen Berg erklomm. „Die Aussicht hat mir den Atem geraubt. Mir war sofort bewusst, dass man daraus etwas machen könnte.“

Kurzum: es kam anders

Also marschierte Harald Witt zu Ludwig Stöver, dem damaligen Ortsbürgermeister von Ristedt, und erzählte ihm von diesem „Landschaftsjuwel“ direkt vor seiner Haustür. Nur: Zu dieser Zeit war der Bau von Windkraftanlagen in der Streitheide beschlossen worden, „direkt in der Blickachse vom Hohen Berg nach Bremen“. Witt, damals noch Direktor der Volksbank in Syke, sprach beim Rat vor, begleitete den Bauausschuss gemeinsam mit Stöver auf den Hohen Berg. „Sie sollten sehen, was sie da beschlossen haben.“

Kurzum: Es kam anders. Die Stadt Syke kaufte das Gelände rund um den Hohen Berg im Jahr 2004 und machte daraus mit Unterstützung von EU-Mitteln nach und nach ein Naherholungsparadies. Eine Schutzhütte für Fußgänger und Radfahrer wurde errichtet, eine Grillstelle, ein kleiner Spielplatz, eine Rodelschanze. Auf der anderen Seite des Geländes haben sie ein Denkmal für den in der Nähe gefundenen Gesseler Goldschaft aufgebaut: ein auf die Fundstelle ausgerichtetes Stück einer Ölpipeline. Von Zeit zu Zeit ändert der Hohe Berg seinen Namen, wird zum Astroberg. Dann kommen Hobby-Astronomen aus ganz Norddeutschland, um fern von Beleuchtung und Lichtverschmutzung Sonnenstürme zu beobachten, Meteoritenschauer zu bestaunen, einfach in die Sterne zu gucken.

Darüber hinaus wurde ein guter Teil des Areals dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zur Pflege überlassen. Dort jagen nun Fledermäuse, brüten Steinkäuze, essen verschiedene Insektenarten. Streuobstwiesen wurden angepflanzt, Storchschnabel gesetzt, Feld- und Hasenklee, Rainfarn, Hahnenfuß, Beifuss und mehrere Distelarten wieder heimisch gemacht. Eine kleine Herde vom Aussterben bedrohter Schafrassen weidet auf dem Gelände. Die Herde mit rauhwolligen Pommerschen Landschafen und Coburger Fuchsschafen wird vom naheliegenden Archehof Evers betreut.

Aussicht noch einmal verbesssert

Unbestrittenes Zentrum auf dem Hohen Berg ist allerdings der zwölf Meter hohe Aussichtsturm, den die Stadt Syke 2011 eingeweiht hat. Er verbessert die Aussicht noch einmal. Aus 75 Metern Höhe kann bei entsprechender Sicht über die Geestlandschaft bis nach Bremen und darüber hinaus geschaut werden. Harald Witt ist oft dort oben, „ich weiß auch bei Nebel, was wo zu sehen wäre“. So berichtet er von Delmenhorstern, die von der Aussichtsplattform ihre eigene Stadt nicht erkannt hätten. Die Kirche in Ganderkesee könne man erkennen, den Bremer Dom, die Türme von insgesamt 21 Gotteshäusern. „Die Menschen staunen immer über die Weite und Tiefe“, sagt Witt. Auch die Bremer Bürgermeister Henning Scherf und Jens Böhrnsen. Ebenso wie der aktuelle Bremer Umweltsenator Joachim Lohse, der auf dem Aussichtsturm in Harald Witts Buch „Radwandern rund um Bremen“ blätterte. Weiter schwenkt der Blick auf das Kraftwerk Farge, die Grohner Dühne, die Masten des Schulschiffs Deutschland, die Roland-Mühle, das Aalto-Hochhaus – und natürlich den Weyerberg.

Der übrigens wird von zwei weiteren Erhebungen nahe des Hohen Bergs überragt: vom Finkenberg (55 Meter) und vom Leerßer Berg (54,7 Meter). Der Schwarze Berg, der Ziegenberg und der Sünnenberg sind rund um die Stadt Syke bereits abgetragen worden. Auch unter dem Hohen Berg wartet eine Menge Sand auf potenziellen Rohstoffgewinn. Dann wäre der Weyerberg vielleicht irgendwann wieder Nummer eins im Bremer Umland. Bis dahin ist es der Hohe Berg. Laut Harald Witt „die höchste Erhebung zwischen Nordsee und Steinhuder Meer“.

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