Britische Garnison verabschiedet sich von Bad Fallingbostel / Nachmieter für 1000 Wohnungen gesucht

Bye-bye

Bad Fallingsbostel. Mit einer großen Militärparade haben die britischen Streitkräfte am Freitag ihren Abschied aus Bad Fallingbostel eingeläutet. Nach einem Platzkonzert auf dem Rathausplatz mit der eigens aus Großbritannien eingeflogenen „Band of the Rifles“ marschierten rund 150 Soldaten durch die Heidestadt.
16.05.2015, 00:00
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Von Hans Ettemeyer
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Begleitet von Dudelsackspielern marschieren britische Soldaten am Freitag durch die Innenstadt von Bad Fallingbostel.

Peter Steffen, dpa

Mit einer großen Militärparade haben die britischen Streitkräfte am Freitag ihren Abschied aus Bad Fallingbostel eingeläutet. Nach einem Platzkonzert auf dem Rathausplatz mit der eigens aus Großbritannien eingeflogenen „Band of the Rifles“ marschierten rund 150 Soldaten durch die Heidestadt. Am Sonnabend ist ein Tag der offenen Tür in der Kaserne, am Sonntag ein Familienfest geplant. In den kommenden Monaten werden rund 2300 Soldaten und ihre Familien die Stadt im Rahmen des lange geplanten Truppenabzugs verlassen. Bis Ende des Jahres sollen die Kasernen geräumt sein.

Der Abschied nach 70 Jahren falle nicht leicht, da die Briten fester Bestandteil der Stadt geworden seien, sagte Bürgermeisterin Karin Thorey (parteilos). So spielten die Briten in der Fußballmannschaft oder wurden Schützenkönig. „Keine Dudelsackklänge mehr bei Eheschließungen mit schottischen Partnern im Standesamt unseres Rathauses, keine roten Linienbusse und keine Pantomime der Fallingbostel Players im Kursaal“, sagte die Bürgermeisterin. „Die Stadt wird einen einschneidenden Prozess der Umstrukturierung bewältigen müssen.“ Erwartet wird unter anderem ein enormer Kaufkraftverlust und der Leerstand von bis zu 1000 Wohnungen.

In einer Studie des Landkreises Heidekreis wird der Kaufkraftverlust für die Region Bergen-Bad Fallingbostel auf 65 Millionen Euro beziffert. Es werde zehn und mehr Jahre dauern, bis die Region den Abzug der Briten verkraftet habe.

„Insgesamt verlieren wir über die Jahre 4500 Einwohner, einige sind schon weg“, sagt die Bürgermeisterin. Das Camp sei fast so groß wie die Stadt selbst, so Thorey. Die Stadt versuche, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. „Wir haben ein Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht, das den Abriss einiger Blocks vorsieht“, sagte Thorey. „Dort sollen hochwertige Einfamilienhäuser mit viel Grün entstehen.“ In einem anderen Bereich sei Gewerbeansiedlung geplant. „Ohne Unterstützung des Landes und des Bundes können wir das aber nicht umsetzen.“ Ohne Briten hat die Stadt derzeit rund 10 750 Einwohner.

Am Montag tritt im Rathaus von Bad-Fallingbostel Thomas Rekowski seinen Dienst an. Als Konversionsmanager soll er sich um die Entwicklung von Bad Fallingbostel und Bergen kümmern. Seine Stelle wird nach Angaben der Stadt maßgeblich durch das Land Niedersachsen finanziert, sie ist zunächst auf drei Jahre befristet. Auf den Konversionsmanager wartet eine schwierige Aufgabe, wie Johannes Vetter, der Leiter des Bauamtes, erläutert. Zum Beispiel bei der Suche nach einer Nachnutzung für die rund 1000 Wohnungen, die demnächst leer stehen.

„Wir haben es in Bad Fallingbostel zum Teil mit sehr komplizierten Eigentumsverhältnissen zu tun“, sagt Vetter. Ein beachtlicher Teil der Wohnungen bestehe aus Eigentumswohnungen. „Das war mal ein Anlageobjekt“, sagt Vetter. Lange Zeit garantierten die Soldatenwohnungen in der Heide gute Mieteinnahmen. Doch jetzt erschwert das Eigentümermodell deren Vermarktung. „In einer mehrgeschossigen Anlage haben wir es zum Beispiel mit 150 verschiedenen Eigentümern zu tun. Und die wohnen verstreut zwischen Flensburg und München“, sagt Vetter. Die wollen erst einmal unter einen Hut gebracht werden.

Die leer stehenden Wohnungen sind von ganz unterschiedlicher Qualität. Die meisten wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren als größere Anlagen des sogenannten Geschosswohnungsbaus erstellt. Ein Teil der Wohnblocks wurden in den vergangenen Jahren zwar modernisiert, die meisten sind aber mittlerweile in einem schlechten Zustand. Bereits Mitte der 1990er-Jahre wurden einige leer stehende Blocks abgerissen. „Damals gab es bei der britischen Armee die erste Umstrukturierung“, sagt Vetter. In dieser Zeit seien zahlreiche Soldatenfamilien aus Blockwohnungen in neue Doppel- und Einfamilienhäuser gezogen. „Um diese Häuser brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, die lassen sich durchaus verkaufen“, ist sich Vetter sicher.

Was Bad Fallingbostel jetzt vor sich hat, haben andere Kommunen bereits hinter sich. Im November verabschiedeten sich die Soldaten der 7. britischen Panzer-

brigade von Bergen, die Truppen aus Hameln wurden im Sommer 2014 abgezogen. Bereits in den 1990-Jahren schlossen die Briten sieben niedersächsische Standorte, darunter Hildesheim, Hannover, Soltau und Verden. Auch Nienburg wurde aufgegeben. In Osnabrück, einst größter Standort außerhalb Großbritanniens, wurden die letzten Briten 2009 verabschiedet.

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