Hannover/Ritterhude

Chemiefabrik-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

Hannover·Ritterhude. Mit einer einstweiligen Verfügung wehrt sich die Geschäftsführung der explodierten Chemiefabrik Organo-Fluid in Ritterhude gegen den Vorwurf, das Unternehmen habe illegal Sondermüll verbrannt. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte in der vergangenen Woche im Landtag erklärt, Organo-Fluid habe jahrelang ohne die erforderlichen Genehmigungen gearbeitet.
27.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Chemiefabrik-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe
Von Hans Ettemeyer
Chemiefabrik-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät bei Organo-Fluid in Ritterhude.

Christian Valek

Mit einer einstweiligen Verfügung wehrt sich die Geschäftsführung der explodierten Chemiefabrik Organo-Fluid in Ritterhude gegen den Vorwurf, das Unternehmen habe illegal Sondermüll verbrannt. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte in der vergangenen Woche im Landtag erklärt, Organo-Fluid habe jahrelang ohne die erforderlichen Genehmigungen gearbeitet. „Das ist Rufschädigung“, sagte Organo-Fluid-Geschäftsführer Markus Buch gestern auf Nachfrage, „dagegen müssen wir uns wehren.“

Bereits am Freitag hatte Buch juristische Schritte angekündigt und erklärt: „Wir haben immer genehmigungskonform gearbeitet.“ Er könne nicht verstehen, wie das Umweltministerium zu seiner jetzigen Einschätzung komme. „Da müssen bei der Übermittlung zwischen dem Gewerbeaufsichtsamt in Cuxhaven und dem Ministerium in Hannover Daten verloren gegangen sein.“ Noch im November hatte der Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes, Jerzy Gohlke, nach Prüfung der Unterlagen gegenüber verschiedenen Medien erklärt, die Genehmigungen für den Chemiebetrieb seien rechtens.

Dem Umweltministerium in Hannover liegt inzwischen ein Schreiben der Organo-Fluid-Anwälte mit der Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung vor, bestätigte gestern Ministeriumssprecher Rudi Zimmeck. Minister Wenzel bezeichnete die einstweilige Verfügung als „verwunderlich“. In der Unterrichtung im Landtag am vergangenen Donnerstag seien die vorläufigen Prüfergebnisse des Ministeriums erläutert worden. Letztlich entscheidend sei die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft. Den Vorwurf der Rufschädigung wies Wenzel zurück. Das Unterlassungsbegehren wird nach Angaben von Sprecher Zimmeck derzeit geprüft.

Die Staatsanwaltschaft in Verden ermittelt gegen die Geschäftsleitung von Organo-Fluid wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Ein 60-jähriger Arbeiter war wenige Tage nach der Explosion im vergangenen September an seinen schweren Verletzungen gestorben. Gegen einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin des Gewerbeaufsichtsamtes Cuxhaven wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen ermittelt. Im Rahmen der Ermittlungen werden nach Angaben eines Behördensprechers in Verden auch die Genehmigungsverfahren nach möglichen strafrechtlichen Aspekten überprüft.

Unterdessen sucht Organo-Fluid nach einem neuen Standort für den Entsorgungsbetrieb. Ein Teil der 18 Mitarbeiter begleite derzeit den Rückbau an der Kiepelberg-straße in Ritterhude, sagte Geschäftsführer Buch.

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