Konversion in Visselhövede

Landhandel statt Soldaten

Zehn niedersächsische Kommunen sind vom Abzug der britischen Soldaten und der Bundeswehr betroffen. Visselhövede hat nun als erste Stadt eine Nachnutzung für das frei werdende Militärgelände gefunden.
12.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Landhandel statt Soldaten
Von Hans Ettemeyer
Landhandel statt Soldaten

Kasernentor in Visselhövede.

DAVID HECKER, ddp images/dapd

Zehn niedersächsische Städte und Gemeinden sind vom bevorstehenden Abzug der britischen Soldaten und der Bundeswehr betroffen. Visselhövede hat nun als erste Kommune eine Nachnutzung für das frei werdende Militärgelände gefunden – und das gleich für die komplette Kasernenanlage.

Anfang 2016 wird die Firma Joachim Behrens Scheeßel (Jbs) in die 19 Hektar große Bundeswehrkaserne Lehnsheide im Landkreis Rotenburg einziehen. Joachim Behrens, die Stadt Visselhövede und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) unterzeichneten jetzt die Kaufverträge. Das Besondere: Visselhövede machte vom sogenannten Erstzugriffsrecht Gebrauch. Die Stadt kaufte das Areal von der Bima ohne Bieterverfahren zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert und verkaufte es umgehend weiter an die Firma Jbs.

„Es ist eine warme Übergabe“, sagt Wera Buhr vom Bima-Verkaufsteam in Oldenburg: „Die einen ziehen aus, die anderen ziehen ein, ohne dass die Heizung abgedreht werden muss.“ So sei es der Bima am Liebsten. Auch bei der Stadt Visselhövede ist die Freude groß: „Ich bin froh, dass alles so reibungslos gelaufen ist, die ganze Stadt freut sich, das ist ein Meilenstein für die Entwicklung Visselhövedes“, sagte Bürgermeister Ralf Goebel auf Nachfrage. Alle Beteiligten – Bima, Bundeswehr, Verwaltung und politische Gremien – hätten an einem Strang gezogen. „Das Ergebnis sehen wir jetzt. Der große Einsatz hat sich gelohnt.“

Dass es so gut geklappt hat, schreiben alle Beteiligten zum guten Teil Goebels Vorgängerin Franka Strehse zu. Die Schließung der Kaserne war Ende 2011 vom Verteidigungsministerium kaum beschlossen, da machte sich die damalige Bürgermeisterin bereits auf die Suche nach Investoren. 1967 gebaut, ist die Kaserne Lehnsheide eine der jüngeren in Niedersachsen. „Sie ist in einem guten Zustand. Keines der Gebäude steht unter Denkmalschutz, der Boden ist frei von Altlasten“, warb Strehse seinerzeit für das Kasernenareal Der Bauzustand der mehr als 30 Gebäude ist im Vergleich zu anderen Standorten relativ gut.

Bei Jbs im knapp 30 Kilometer entfernten Scheeßel stieß das Angebot auf Interesse. Jbs ist ein 1928 gegründetes Familienunternehmen mit rund 170 Mitarbeitern. Die Firma verkauft im Groß- und Einzelhandel Verbrauchsartikel für den landwirtschaftlichen Bedarf wie Siloabdeckungen und Rundballennetze. Dazu handelt es mit Hygieneartikeln und Futterzusätzen für Rinder, Kälber und Schweine.

Jbs machte eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 35 Millionen Euro. In Scheeßel wäre es mit der Weiterentwicklung schwierig geworden, sagt André Lüdemann, bei Jbs für das Liegenschaftsmanagement zuständig. Jbs werde zwei Millionen Euro in den neuen Standort investieren. „Der Kauf der Kaserne ist darin nicht eingerechnet.“ Über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden.

Noch sind die Bundeswehrsoldaten in der Kaserne. Gleichwohl will Lüdemann schon in Kürze seinen Arbeitsplatz nach Visselhövede verlegen, „um den Umzug vorzubereiten“. Der Bebauungsplan für die Nachnutzung sei bereits kurz vor der Verabschiedung. Man habe ihn mit der Stadt parallel zu den Verhandlungen entwickelt. Jbs will nicht das gesamte Kasernengelände nutzen. Rund 10 000 Quadratmeter Büro- und Lagerfläche sowie Flächen im Freien und die Großküche sollen vermietet werden. Einzelne Interessen gebe es bereits.

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