Zerbrochener verlorener Container geborgen Müllentsorgung als Strandraub verfolgt

Der angeschwemmte Müll auf der Insel Langeoog darf selbst nach Wochen nicht entfernt werden. Bewohner wollten einen gestrandeten Container in Sicherheit bringen und wurden dabei von der Bundespolizei überrascht.
19.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Müllentsorgung als Strandraub verfolgt
Von Martin Wein

Der angeschwemmte Müll auf der Insel Langeoog darf selbst nach Wochen nicht entfernt werden. Bewohner wollten einen gestrandeten Container in Sicherheit bringen und wurden dabei von der Bundespolizei überrascht.

Angeschwemmter Müll darf auf den Ostfriesischen Inseln auch nach Wochen nicht entfernt werden, wenn der Zoll darin noch wertvolle Reststoffe erkennt und der Besitzer bekannt ist. Diese Erfahrung mussten in den vergangenen Tagen Bewohner der Insel Langeoog machen, als sie einen gestrandeten Container mit Paletten an hochwertigem Bauholz aus Finnland in Sicherheit bringen wollten.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei stellte die vermeintlichen Strandräuber auf frischer Tat. Auch wenn der Container nach drei Wochen am Strand in Wind und Wellen inzwischen zerfallen ist, sieht die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in Wilhelmshaven darin kein Problem.

An diesem Donnerstag solle die gestrandete Metallbox von einem Bergungsunternehmen von See aus aufwendig geborgen werden, berichtete der zuständige Mitarbeiter Tobias Linke dem WESER-KURIER.

"Die Inseln brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe"

Umweltminister Stefan Wenzel zeigte sich irritiert über das Verhalten der Bundesbehörden: „Wir wollen mit dazu beitragen, dass Strandgut schneller abgeräumt wird und die Behörden an einem Strang ziehen. Die Inseln brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe“, sagte Wenzel am Mittwoch in Hannover.

Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz will die Thematik mit den Inselgemeinden beraten. Nach Aussage der WSV kommt es vor allem im Winter immer wieder vor, dass Frachter in der Deutschen Bucht einen Teil ihrer Ladung verlieren. Eine Statistik dazu gebe es nicht.

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Erst Anfang des Jahres war Langeoog nach einem solchen Fall mit Millionen Überraschungseiern und anderen Plastikteilen überschwemmt worden. Die Versicherung der Reederei hatte die Inselgemeinde anschließend mit den Aufräumarbeiten betraut. In einem zweiten Fall waren am 29. Dezember im Sturmtief Axel 16 Container von Bord des Frachters „Thetis D.“ gerutscht.

„Die meisten versinken rasch im Meer, brechen dort auseinander, versinken im Sand und sind physisch nicht mehr auffindbar“, erklärt Linke. Mit Bauholz beladen, trieben in diesem Fall zwölf der Container an die Küsten von Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog und Norderney.

Anders als im Fall der Überraschungseier gab diesmal der Zoll die zunächst noch nicht wertlose Ladung allerdings nicht frei. „Und das alte Strandrecht gibt es seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Eine Entnahme ist also Diebstahl“, erklärt Linke.

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Bergungskosten vervielfacht

Inselbürgermeister Uwe Garrels sieht die Sache anders. Natur- und Küstenschutz würden gefährdet. So könnten herumtreibende Paletten und Metallteile bei Sturm Löcher in die Deiche der Insel reißen. „Es geht doch nicht, dass da ein Haufen Müll wochenlang mitten im Nationalpark herumliegt und sich verteilt“, sagt Garrels.

Das Auseinanderbrechen des Containers habe zudem die Bergungskosten vervielfacht. In Wilhelmshaven führt Linke praktische Gründe für die gewählte Entsorgung an: Auf Wangerooge, wo gerade eine Verstärkung der Küstenbauwerke stattfindet, habe man mit schwerem Gerät versucht, einen der Container anzuheben.

„Das Holz darin hat sich aber so mit Wasser vollgesogen, dass eine Box 30 Tonnen wiegt. Dafür gibt es kein Gerät auf den Inseln.“ Um die empfindlichen Dünen Langeoogs im Nationalpark Wattenmeer zu schonen, habe man sich deshalb für die seeseitige Bergung entschieden.

Eigentumsfrage nicht betroffen?

Ein 30 Tonnen schwerer Kettenbagger soll an Land gesetzt werden, um den Container zu bergen. Das beauftragte Unternehmen habe aber nach Prioritäten zunächst auf den anderen Inseln aufgeräumt. „Wir hatten mehrere kleine Sturmfluten in der Zwischenzeit. Insofern bin ich eher erfreut, wie schnell die Arbeiten vonstattengehen.“

Für Uwe Garrels auf Langeoog sind das alles Scheinargumente. „Kein Mensch hätte hier doch den ganzen Container angehoben, sondern ihn ausgeräumt und notfalls zerlegt.“ Auch die Eigentumsfrage sei davon nicht betroffen. „Die kann man doch auch nach der Sicherstellung klären“. Im Umweltministerium sei er mit seinem Anliegen bereits auf offene Ohren gestoßen.

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Verursacher muss sich kümmern

Eine echte Gefahr im Verzug hat es nach Bewertung der Wilhelmshavener Behörde nicht gegeben. „Wir kannten früh die Ladungsliste und haben entschieden, dass der Verursacher sich kümmern muss“, sagt Linke. In anderen Fällen greift die Schifffahrtsstraßenverwaltung selbst ein.

Als etwa in der vergangenen Woche eine freigespülte Seemine vom Windpark Godewind in Richtung des Fahrwassers in der Deutschen Bucht trieb, handelte die WSV binnen Stunden. Das Mehrzweckschiff „Mellum“ setzte ein Beiboot zu Wasser, von dem aus der Sprengkörper an eine Langleine genommen wurde.

So wurde die Mine auf eine Sandbank geschleppt und dort nach 24 Stunden kontrolliert gesprengt, bevor der nächste Sturm aufzog.

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