Ab Montag, 10. Mai

Niedersachsen öffnet Handel, Gastronomie und Tourismus in Stufen

Niedersachsen lockert ab kommender Woche die Corona-Beschränkungen. Wo die Inzidenz stabil unter 100 liegt, da öffnen wieder Handel, Gastronomie und Tourismus. Aber es gibt eine Reihe von Regeln zu beachten.
04.05.2021, 15:09
Lesedauer: 4 Min
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Von dpa
Niedersachsen öffnet Handel, Gastronomie und Tourismus in Stufen

In Landkreisen und Großstädten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 sollten Handel, Gastronomie, Tourismus sowie Kulturveranstaltungen im Freien wieder anlaufen, kündigte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an.

Moritz Frankenberg /dpa

Nach monatelangem strikten Lockdown will Niedersachsen vom kommenden Montag (10.5.) an mit einem Stufenplan in Lockerungen einsteigen. In Landkreisen und Großstädten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 sollten Handel, Gastronomie, Tourismus sowie Kulturveranstaltungen im Freien wieder anlaufen, kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Hannover an. Voraussetzung ist ein tagesaktuell negativer Corona-Schnelltest oder der Nachweis einer vollständigen Impfung gegen das Coronavirus.

Der Stufenplan für den weiteren Weg aus den Corona-Beschränkungen befindet sich noch in der Erarbeitung, die ersten Lockerungsschritte werden in die neue Corona-Verordnung des Landes aufgenommen. „Wir bleiben bei unserer Linie: Wir wollen vorsichtig sein, aber wir wollen vorhandene Spielräume nutzen“, sagte Weil. Grundlage für die Lockerungen seien rückläufige Neuinfektionen und eine Entspannung der Corona-Lage. „Wir sind gut durch die dritte Welle gekommen.“ Noch aber sei die Lage in den Landstrichen unterschiedlich. Wo über fünf Werktage die Inzidenz unter 100 bleibe, griffen Lockerungen, in den Hotspots bleibe es bei den Einschränkungen der Bundes-Notbremse.

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Wieder öffnen soll für negativ Getestete und Geimpfte der komplette Einzelhandel, und zwar ohne Terminvereinbarung. In den Läden gelten weiterhin Zugangsbeschränkungen, die Kontaktnachverfolgung der Kunden soll elektronisch ermöglicht werden, wie Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Bernd Althusmann (CDU) erklärte. Die Gastronomie soll von Montag an zunächst draußen und zwei Wochen später auch drinnen wieder öffnen dürfen, dort dann mit einer Kapazitätsbegrenzung und einem Hygienekonzept. Es greift eine Sperrstunde um 23 Uhr.

Niedersachsen: Tourismus wird für Einheimische geöffnet

Der Tourismus werde für voraussichtlich drei Wochen zunächst nur für Einwohner Niedersachsens geöffnet, in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen seien wieder touristische Übernachtungen möglich, gekoppelt an negative Schnelltests oder einen Impfnachweis, kündigte Althusmann an. „Wir schaffen Perspektiven, ohne unvorsichtig zu werden.“ Schon bald sollten neben „Landeskindern“ auch wieder nationale und internationale Urlaubsgäste in Niedersachsen willkommen sein. Separate Konzepte für Tourismus auf den Nordsee-Inseln soll es nicht geben.

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Die Ostfriesischen Inseln begrüßen die von der Landesregierung geplante schrittweise Öffnung des Tourismus in Niedersachsen. „Ich bin sehr froh und erleichtert, dass nach mehr als sechs Monaten der Schließung endlich wieder eine Perspektive da ist – wenngleich auch nur schrittweise“, teilte der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Ostfriesische Inseln GmbH, Göran Sell, am Dienstag mit. „Wir freuen uns darauf, dass die Betriebe wieder öffnen und wir Gäste auf unseren Inseln begrüßen können.“

Die sieben Ostfriesischen Inseln gehören zu den Kreisen Friesland, Wittmund, Aurich und Jever. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt dort seit Tagen zum Teil deutlich unter der Schwelle von 100 Fällen pro 100 000 Einwohnern. Die Kreise Friesland und Wittmund zählten zuletzt sogar zu den Kreisen mit den niedrigsten Corona-Werten landesweit.

Corona-Lockerungen in Niedersachsen: Kulturveranstaltung im Freien wieder möglich

Die Inseln sehen sich für einen Neustart gerüstet - auch da eine Testpflicht, digitale Nachverfolgung und Hygienekonzepte bereits in einem zunächst von den Inseln vorgelegten Öffnungskonzept vorgesehen waren. Zwischen den geplanten Vorgaben der neuen Verordnung und dem inseleigenen Öffnungs-Konzept gebe es eine „hohe Übereinstimmung“, sagte Sell. „Insofern sind wir sehr gut vorbereitet.“

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Auch Kulturveranstaltungen im Freien sollen wieder möglich werden. Für Kinder wird Sport im Freien wieder für bis zu 30-köpfigen Gruppen gestattet - damit wären etwa wieder Fußballspiele möglich. Begründet wird die Lockerung damit, dass Kinder für den Schulbesuch zweimal wöchentlich auf das Coronavirus getestet werden.

Unterdessen verabschiedet Niedersachsen sich von seinem strikten Corona-Kurs an Schulen und ermöglicht Wechselunterricht wieder für alle Schulen unterhalb einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165. Auch die Kindertagesstätten wechseln unterhalb dieser Inzidenz wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ankündigte. Die Lockerungen greifen vom kommenden Montag an. Niedersachsen setzt damit die erweiterten Möglichkeiten für den Schulunterricht um, die die Bundesregeln für Hotspots bereits ermöglichen.

Wechselunterricht, das sogenannte Szenario B, bedeutet, dass eine Hälfte der Schüler in der Schule unterrichtet wird, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Viele Schüler in Niedersachsen befinden sich inzwischen seit knapp fünf Monaten im reinen Distanzunterricht und haben ihre Schule seit Mitte Dezember nicht mehr besucht.

Die Industrie- und Handelskammer Hannover hat die von der niedersächsischen Landesregierung angekündigten Lockerungen begrüßt. „Für die seit Monaten geschlossenen Betriebe in Gastronomie, Hotellerie und Tourismus zeichnet sich jetzt endlich die lang vermisste Öffnungsperspektive ab“, betonte Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover, am Dienstag. Die Lockerungen seien grundsätzlich ein wichtiges Signal für einen wirtschaftlichen Neustart.

Ausgeschlossen von den Lockerungen seien allerdings weiter die Betriebe in Kommunen mit einem Inzidenzwert über 100, was aktuell auch alle Unternehmen in der Region Hannover betreffe. „Bei aller Freude über die Lockerungen, bleibt das teilweise hinter den Erwartungen der Wirtschaft zurück und wird den Neustart bremsen“, so Bielfeldt.

++ Dieser Artikel wurde um 18.02 Uhr aktualisiert. ++

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