Gastbeitrag

Neue Finanzierung der Pflegekammer notwendig

Dass die Pflegekräfte sich zusammenschließen, um für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen kämpfen, ist gut. Doch die Beiträge sollten von den Arbeitgebern gezahlt werden, findet Friedrich Stubbe vom VdK.
24.06.2019, 07:01
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Friedrich Stubbe
Neue Finanzierung der Pflegekammer notwendig

Reichlich zu tun und schlecht bezahlt: Die Situation der Pflegekräfte in Deutschland muss sich verbessern, findet auch unser Gastautor.

Christoph Schmidt/dpa

Allen Pflegenden im Land eine gemeinsame starke Stimme zu geben, ist das selbsterklärte Ziel der niedersächsischen Pflegekammer. Mit der Zwangsfinanzierung durch ihre Mitglieder ist dies bislang jedoch nur mäßig gelungen. Über 50 000 Menschen haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Dabei ist eine Interessenvertretung aller Pflegekräfte durchaus sinnvoll, um Verbesserungen in diesem Berufsstand durchzusetzen – allerdings müssen sie auch vernünftig durchdacht sein.

Und das ist bei der Pflegekammer augenscheinlich noch nicht der Fall. Erst wurden Bescheide über den Höchstbeitrag verschickt, dann ruderte die Kammer zurück. Zur Kasse gebeten werden nun aber trotzdem diejenigen, die es sich am wenigsten leisten können: die Pflegenden. Deshalb empfehlen wir als Sozialverband VdK Niedersachsen-Bremen ein neues Finanzierungsmodell: Die Beiträge sollten von den Arbeitgebern übernommen werden. Denn gerade sie sind auf reibungslose Arbeitsabläufe in ihren Einrichtungen und qualifizierte, motivierte Mitarbeiter angewiesen. Zudem besteht eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmern.

Dass stattdessen versucht wird, die Pflegekammer auf dem eh schon finanziell schwachen Rücken der Pflegekräfte aufzubauen, halten wir für den falschen Weg. Wie sollen denn die Kinderkrankenpflegerin oder der Altenpfleger von ihrem geringen Lohn noch etwas abgeben, wenn sie ohnehin schon jeden Euro umdrehen müssen? Klar, dass die Empörung für verpflichtende Beiträge da groß ist. Zumal sie für etwas bezahlen sollen, wo noch keine Verbesserungen in Sicht sind. Derzeit ist die Kammer einfach noch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Was die Pflege tatsächlich braucht und woran die Verantwortlichen dringend arbeiten sollten, sind Lösungen. Es braucht dringend mehr Personal, um die Betroffenen zu entlasten. Eine angemessene Bezahlung und vor allem bessere Arbeitsbedingungen sind nötig, um den Beruf für neue Pflegekräfte attraktiv zu machen. Doch die konsequente Durchsetzung dieser Ziele und eine wirksame Interessenvertretung lässt bislang noch auf sich warten – so geht es nicht! Deshalb ist die Empörung der Kammermitglieder über ihre Beiträge absolut nachvollziehbar. Sich zu organisieren, um gemeinsam mit starker Stimme gegenüber der Politik aufzutreten, ist definitiv der richtige Ansatz. Als VdK unterstützen wir eine starke Lobby der Pflegenden in Niedersachsen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Und die Pflegekammer sollte endlich mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen!

Info

Zur Person

Unser Gastautor

ist seit Juni 2017 Vorsitzender Sozialverbands VdK Niedersachsen-Bremen mit mehr als 88 000 Mitgliedern. Der 66-Jährige ist zudem Vorsitzender des VdK-Bundesausschusses.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+