Kommentar zur Altersvorsorge Aktienfonds als Alternative zur Riester-Rente

Unabhängig verwaltete Aktienfonds als Baustein für die Altersvorsorge - diesen Vorschlag hat die FDP gemacht. Das Nachdenken darüber lohnt, meint Hans-Ulrich Brandt.
16.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Aktienfonds als Alternative zur Riester-Rente
Von Hans-Ulrich Brandt

Der Vorschlag ist nicht neu, hat aber nichts an Brisanz verloren: Die FDP fordert, einen kleinen Teil der gesetzlichen Rente auf Aktien umzustellen. Alle Beitragszahler, so die Idee von Fraktionsvize Christian Dürr und Rentenexperte Johannes Vogel, sollen zwei Prozent des Bruttoeinkommens in einem unabhängig verwalteten Aktienfonds ansparen – wie üblich mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag. Im Gegenzug würde der gesetzliche Rentenbeitrag um diesen Prozentsatz gesenkt. Damit hat die kleine Oppositionspartei einen dicken Stein in den still vor sich hin ruhenden Teich der gesetzlichen Altersvorsorge geworfen und für ein paar heftige Wellen gesorgt.

Der provokante Vorschlag der Liberalen mischt passenderweise im Wahljahr eine Debatte auf, die komplett eingeschlafen war: die Debatte über die Zukunft der Alterssicherung. Es ist gut, sie wiederzubeleben, denn die Große Koalition hat sich um eine dringend notwendige Reform der Rentenversicherung herum laviert. Zudem ist ein bemerkenswerter Verhaltenswandel der Sparer zu beobachten. Sprach vor fünf Jahren FDP-Chef Christian Lindner bei seinem Plädoyer für „mehr Aktienbesitz als Baustein für die Altersvorsorge“ noch von einer „unterentwickelten Aktienkultur“ in Deutschland, scheint es nun so, als habe sein Werben tatsächlich Wirkung gezeigt. Gerade junge Menschen entdecken die Börse – von der „Generation Aktien“ ist plötzlich die Rede. Bisher galten die Deutschen als risikoscheue Sparbuch-Liebhaber, doch im Dauer-Zinstief lockt die Börse. Und der Dax klettert trotz Pandemie von Rekord zu Rekord, visiert inzwischen die 15.000-Marke an.

Was also kann am FDP-Vorschlag falsch sein, einen kleinen Teil der gesetzlichen Rente an der Börse anzulegen? Nun ja, solange die Kurse steigen, natürlich nichts. Doch wer auf absolute Sicherheit setzt, und genau das muss die gesetzliche Rente, ist an der Börse falsch. Die in der Rentenkasse vorgehaltenen Mittel werden deshalb so risikolos wie möglich gemanagt – eine Anlage in Aktien ist ausgeschlossen.

Der Dax, das zeigt die Statistik, hat in der Spitze Renditen von über 80 Prozent im Jahr abgeworfen. Er hat aber auch Verluste von über 40 Prozent gebracht. Wer also pünktlich zum Beginn seiner Rente ein verlässliches Alterseinkommen benötigt – und wer tut das nicht – muss sich dieses Risikos bewusst sein. An der Börse geht es nun mal auf und ab, das überfordert selbst Wirtschaftsexperten. Der Schriftsteller Mark Twain über ihre Prognosen: „Oktober: Dies ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Aktien zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“

Und doch sollte das Thema Aktien bei einer hoffentlich überparteilichen Reformdiskussion der Altersvorsorge eine Rolle spielen. Überlegenswert wäre es nämlich, als zusätzliche private Säule den Vorschlag der Liberalen aufzugreifen, zumindest im Kern. Die jetzt nur durch die staatliche Zulage einigermaßen attraktive freiwillige Riester-Rente könnte zukünftig durch eine staatlich organisierte aktienbasierte Vorsorgemöglichkeit ersetzt werden.

Mit ihr könnte unabhängig von Bundesmitteln und ohne die bei der Riester-Rente üblichen viel zu hohen Abschluss- und Verwaltungskosten eine langfristig renditestarke private Ergänzung zur gesetzlichen Rente geschaffen werden. Letztere wiederum würde nicht geschwächt, denn es macht keinen Sinn, so wie die FDP es vorgeschlagen hat, die Aktienrente zulasten der gesetzlichen Rente einzuführen. Ein um zwei Prozent abgesenkter Beitragssatz würde nämlich automatisch zu weniger eingezahlten Rentenbeiträgen führen – und damit am Ende zu einer geringeren Rente.

Ob die jedoch genau zum Renteneintritt durch die Aktienrente entsprechend aufgestockt würde, ist eben die alles entscheidende Frage. Der legendäre Börsenguru André Kostolany hätte geantwortet: „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit.“ Geduld aber werden die meisten nicht aufbringen können. Sie wollen einfach eine planbare und sichere Rente.

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