Neues Corona-Medikament Pfizer will Notfallzulassung in USA beantragen

Ein neues Corona-Medikament verhindert sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten - das versichert der US-Pharmahersteller Pfizer.
05.11.2021, 19:32
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Pfizer will Notfallzulassung in USA beantragen
Von Thomas Spang

Annaliesa Anderson ereilte die Nachricht von dem Durchbruch bei der Entwicklung eines Covid-Präparats im Auto. Sie sei mit ihrer Tochter auf dem Weg zu College-Besuchen in Massachusetts gewesen, beschreibt die Chef-Entwicklerin Pfizers für bakterielle Impfstoffe und Krankenhaus-Medikamente die Umstände des freudigen Moments, auf den sie seit Januar 2020 hingearbeitet hatte. „Das Herz schlug mir bis zum Hals.“

Aus gutem Grund. Sollte die Überprüfung der Daten durch unabhängige Wissenschaftler die Befunde der Studie bestätigen, hätte die Welt eine schlagkräftige neue Waffe im Arsenal gegen das Coronavirus. „Die Ergebnisse übertreffen unsere kühnsten Träume“, sagt Anderson. Demnach verhinderte das Medikament „Paxlovid“ bei besonders gefährdeten Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, einen schweren Krankheitsverlauf um 89 Prozent, wenn diese die Tabletten innerhalb der ersten drei Tage nach dem Auftreten von Symptomen einnahmen. Das Unternehmen plant nun, die Daten für eine Notfallzulassung schnellstmöglich bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einzureichen.

Anderson und ihr Team arbeiteten an einer Anpassung der Rezeptur für ein antivirales Medikament, die sie vor 19 Jahren für die Sars-Epidemie entwickelt hatten. Es zielt auf Enzyme, die für die Vervielfältigung des Virus benötigt werden. Dieser Mechanismus hat sich auch bei der Behandlung von Aids und Hepatitis C als erfolgreich erwiesen.

„Paxlovid“ soll nicht nur eine höhere Effektivität, sondern auch eine große Sicherheit versprechen. „Wir haben jetzt einen Schutz vom Anfang bis zum Ende“, erklärt Anderson die möglichen Konsequenzen des Durchbruchs bei der Entwicklung eines wirksamen Medikaments gegen Covid-19. Unabhängige Experten sagen, den besten Schutz böten die hochwirksamen Impfstoffe, von denen einer ebenfalls aus dem Haus Pfizer in Kooperation mit dem deutschen Hersteller Biontech stammt.

Die Behandlung mit „Paxlovid“ besteht aus der Einnahme von 30 Tabletten über fünf Tage. Damit ließe sich das Medikament auch leicht in Regionen einsetzen und verteilen, in denen Impfstoffe bisher nur schwer verfügbar sind. Pfizer kündigte an, sein neues Präparat dem „Medicines Patent Pool“ (PPP) zur Verfügung zu stellen. Der Pool mit Sitz in Genf wird von den Vereinten Nationen unterstützt. Dadurch könnten ärmere Länder „Paxlovid“ kostengünstig herstellen.

Die US-Regierung hat sich bei Verhandlungen mit Pfizer bereits den Zugriff auf 1,7 Millionen Packungen gesichert und verhandelt über den Kauf von 3,3 Millionen weiteren. Die Kosten pro Behandlung und Patient belaufen sich auf etwa 700 Dollar.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+